Archiv der Kategorie: Energiewende

Wie die Kröte zum König wird

Ein Gutachter definiert Landschaftsgestaltung und Landschaftsästhetik im Sinne der Windkraftindustrie neu. Über die Pervertierung von Natur- und Landschaftsschutz am Beispiel des Ebersberger Forstes in der Metropolregion München.

Von Wolfgang Epple 

Prof. Sören Schöbel-Rutschmann, Inhaber der Professur für Landschaftsarchitektur regionaler Freiräume an der Technischen Universität München (TUM School of Engineering and Design) ist als militanter Verfechter der Windkraft für viele steile Formulierungen bekannt, in denen er Landschaftsgestaltung und Landschaftsästhetik im Sinne der Windkraftindustrie neu definiert (1). Es kann kein Zufall sein, dass ein inhaltlich so festgelegter Verfechter der Windkraft im Auftrag des Landratsamtes Ebersberg für die angeblich fachlich begründete Entwertung des Landschaftsschutzgebietes Ebersberger Forst östlich von München durch Windkraft in Stellung gebracht wird. Wie die Kröte zum König wird weiterlesen

Eine wirtschaftliche Betrachtung von Windkraftanlagen in Süddeutschland

Von Thomas Schürmann

Im folgenden Beitrag befasst sich der Dipl.-Betriebswirt und Unternehmensberater Thomas Schürmann aus Ottobrunn bei München detailliert mit der Frage, ob der Bau und Betrieb von Windkraftanlagen in einem Schwachwindgebiet wie Südbayern wirtschaftlich sinnvoll ist. Sein Fazit: Wer in Süddeutschland in Windräder investiert, könnte aus betriebswirtschaftlicher Sicht sein Geld genauso gut in den Bananenanbau in Grönland stecken – wenn es denn die staatlichen Subventionen nicht gäbe. Doch auch mit ihnen bleibt es ein ökonomisches Vabanquespiel.

Teil 1: Warum werden in Grönland keine Bananen angebaut?

Manch einer wird sich wundern über diese Frage, denn die Antwort scheint auf der Hand zu liegen, schließlich sind die klimatischen Bedingungen in Grönland für den Bananenanbau äußerst ungeeignet. Sie würden dort ausschließlich in Gewächshäusern zu hohen Kosten angebaut werden können, da macht es mehr Sinn sich auf andere Geschäftsfelder zu konzentrieren und in einer arbeitsteiligen Welt die Bananen zu importieren.

So einleuchtend dies im Falle des Bananenanbaus  in Grönland scheint, ist sie es aber nicht mehr, wenn wir über den Bau von Windrädern in Deutschlands Süden sprechen. Diese Region ist für den „Anbau zur Ernte von Windenergie“ im weltweiten Maßstab völlig ungeeignet, weil sie zu den windärmsten Regionen der Welt gehört.1)

Jeder BWL- oder VWL-Student lernt im ersten Semester Ricardos Gesetz der komparativen Kostenvorteile unterschiedlicher Standorte, welches trotz gewisser Kritik bis heute, empirisch bestätigt, die Grundlage des internationalen Handels und der Globalisierung ist.2) Eine wirtschaftliche Betrachtung von Windkraftanlagen in Süddeutschland weiterlesen

Hässlich ist das neue Schön

Die europäischen Kulturlandschaften kommen unter die Räder und verwandeln sich flächendeckend in riesige Industriegebiete. Wenn es nach den Energiewendern geht, müssen wir das schön finden.

Von Georg Etscheit

Telefonat mit einem entfernteren Verwandten, betagt, aber noch wach und lebenslustig. Er ist promovierter Historiker, Musik liebend, gebildet, sensibel, Ästhet durch und durch. Es geht um die Landschaftszersiedlung. Schrecklich, meint er. Diese Betonklötze überall, die Neubau- und Gewerbegebiete. Bald bleibe nichts mehr übrig von der Schönheit vergangener Zeiten. Und die Windräder, wirft man ein, um Zustimmung heischend, das sei doch der endgültige Todesstoß für unsere Landschaften. Ach, entgegnet er leichter Hand, um die gehe es ihm nicht. Irgendwoher müsse der Strom ja kommen?

Wie kommt es, dass ein Mensch, der sich Jahrzehnte lang hauptberuflich darum kümmerten und dafür kämpfte, altes Kulturgut zu erhalten, die verheerenden landschaftsästhetischen Auswirkungen von mittlerweile rund 30 000 Windkraftwerken landauf, landab, nicht wahrnimmt? Und der noch dazu in einer Region lebt, die von der Windindustrie nahezu vollständig massakriert, ihres einstigen, anmutigen Charakters beraubt und in ein riesiges Industriegebiet verwandelt  wurde. Wie kann man den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen? Wie kann man offenbar die eigenen Wertmaßstäbe, das Urteil darüber, was schön und nicht schön ist, so vollständig verdrängen oder gar verraten? Hässlich ist das neue Schön weiterlesen

Windkraft versus Vogelschutz – Wie viele Mindestindividuen einer Art sind notwendig, um eine Population zu erhalten?

Es sollte ein großer Durchbruch werden, als der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und Bündnis 90/Die Grünen im vergangenen Dezember ein gemeinsames Positionspapier über Windkraft und Vogelschutz präsentierten. Man wollte einen “Vogelfrieden” schließen und die Interessen der Windkraftindustrie mit dem Artenschutz versöhnen.

Gelingen soll das, in dem man den Tod einzelner geschützter Exemplare zur Rettung des Klimas und zur Begrenzung der Erderwärmung in Windkraftvorranggebieten billigendend in Kauf nimmt, solange sie anderswo in großen Beständen existieren und die Population der jeweiligen Art nicht gefährdet wird. Windkraft versus Vogelschutz – Wie viele Mindestindividuen einer Art sind notwendig, um eine Population zu erhalten? weiterlesen

Wald oder Schokolade

Der „Hambi“ und der „Danni“ sind wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch jetzt gibt es den „Steini“. So heißt ein bisher namensloses Waldstück im westfälischen Halle, in dem das Süßwarenunternehmen Storck, das einstweilen noch in Deutschland produziert, auf 23 Hektar die Erweiterung seines Traditionsstandortes plant. Dafür soll nach jahrelanger Planung und Abwägung aller möglichen Interessen ein Waldstück, eingeklemmt zwischen Industriegebiet, Wohnsiedlungen und Autobahn, gerodet werden. Außerdem ist vorgesehen, einen kleinen Bach zu verlegen – alles Ökoverbrechen der schlimmsten Art, wogegen sich ein „breites“ Bündnis von Umwelt- und Waldschützern formiert hat. Aktivisten, die zum Teil vom inzwischen für den Weiterbau einer Autobahn abgeholzten „Danni“ herübergemacht hatten, besetzten kurzerhand den Wald, den sie „Steini“ tauften, nach dem Steinhausener Weg, der an ihm vorbeiführt. Wald oder Schokolade weiterlesen

Die Energiewende ist gescheitert

Von Dr. Björn Peters

Ich wurde immer wieder mal gefragt, warum ich behaupte, die “Energiewende” in Deutschland sei gescheitert. Das sollte ich präzisieren.

Die Energiewende wurde 1998 mit ganz konkreten Zielen gestartet. Sie sollte ohne wesentliche Mehrkosten die Energieversorgung sauberer und umweltfreundlicher  machen, sie demokratisieren, ihren CO2-Fußabdruck verringern, die Importabhängigkeit an Energierohstoffen verringern; die Nutzung der Kernenergie sollte beendet werden, und die Herstellungskosten von Solarmodulen und Windkraftwerken deutlich verringern.

Deutschland hat tatsächlich bei Solarzellen etwa die Hälfte der Lernkurve der Welt bezahlt, das ist schon richtig. Bei Wind wird es ähnlich sein, darüber traue ich mir keine Aussage zu. Dies ist das einzige Ziel, das das EEG erreicht hat: die deutliche Reduktion der Investitionskosten bei Wind- und Solarkraftwerken. Die Energiewende ist gescheitert weiterlesen

Meine Lobby, Deine Lobby

Dass die Energiewende so, wie sie derzeit gestrickt ist, nicht funktionieren kann, müsste mittlerweile selbst dem verbohrtesten Ökoapokalyptiker klar sein. Deshalb wird ja auch fleißig an der Nordstream-Pipeline weitergebaut, auch wenn Putin wieder mal einen Oppositionellen hat einkerkern lassen. Denn ohne Gas aus Russland wird nichts mehr gehen, wenn in ein paar Jahren nach den Atomkraftwerken alle Kohlemeiler abgeschaltet worden sind. Und auch Atomstrom aus Frankreich und den östlichen Nachbarländern wird dann immer häufiger jene Energie ersetzen, für die Zappelstrom aus Wind und Sonne kein Äquivalent ist.

Trotzdem wird weiter auf Biegen und Brechen an der „Vollversorgung“ mit sogenannten Erneuerbaren Energien gearbeitet. Aktuell ist Wasserstoff als potentieller Energiespeicher für Dunkelflauten in aller Munde. Wegen der enormen Umwandlungsverluste müsste die installierte Ökostrom-Kapazität ein Vielfaches höher sein als jener Betrag, der zur (rechnerischen) Deckung des maximalen Strombedarfs nötig wäre. Weitere zehntausend Windmühlen und Quadratkilometer von Solarpaneelen auf Dächern und Äckern würden das Land endgültig zur Industriewüste machen. Meine Lobby, Deine Lobby weiterlesen

Kleine Staatskunde für Windkraft-Profiteure

Vor einigen Tagen begann eine von langer Hand geplante Attacke gegen Windkraft kritische Naturschützer und Verbände. Dadurch soll im Superwahljahr 2021 die Öffentlichkeit manipuliert und Druck auf Bundes-,  Landes- und Kommunalpolitiker und möglicherweise auch auf die Gerichte ausgeübt werden. Kleine Staatskunde für Windkraft-Profiteure weiterlesen

Der Kampf gegen den Klimawandel – Bleibt der Naturschutz auf der Strecke?

„Grüne und NABU schließen Vogelfrieden“ lautete die scheinbar versöhnliche Botschaft kurz vor dem Weihnachtsfest in der Süddeutschen Zeitung. Was war geschehen? Grünen-Chef Robert Habeck und der neue NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger, ein seit seiner Jugend der Grünen Partei nahestehender Landschaftsarchitekt, verfassten ein vier Seiten Papier, in dem sie “Ökonomie und Ökologie” miteinander „versöhnen“ möchten. Dadurch sollen das Artensterben und der Klimawandel bekämpft und Baugenehmigungen für Windkraftanlagen beschleunigt werden. Ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk für alle Windkraftlobbyisten und Vögel.

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Das tote Pferd wird weitergeritten

Zuweilen steht im Kleingedruckten das Wesentliche. Das ist bei manchen Verträgen so und auch in Gesetzestexten. Trotzdem wundert man sich, warum Journalisten der „Welt am Sonntag“ erst jetzt ein Passus im Referentenentwurf für eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aufgefallen ist, der offenbar einen Paradigmenwechsel im behördlichen Umgang mit den sogenannten Ökoenergien darstellen könnte und Klagen gegen umwelt- und landschaftszerstörende Windparks noch schwieriger machen würde als bisher. Die Bundesregierung plant nämlich, die Nutzung erneuerbarer Energien für die Stromerzeugung zu einer Frage des öffentlichen Interesses und der öffentlichen Sicherheit zu erklären. Das tote Pferd wird weitergeritten weiterlesen