Weiße Pracht statt weißer Hölle

Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein dpa-Reporter auf die Idee kommen würde, mal beim Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) anzufragen, was es denn auf sich habe mit dem aktuellen „Schneechaos“. Ob nicht vielleicht der Klimawandel…

Und siehe da: Im Allerheiligsten der deutschen Klima-Apokalyptiker fand sich ein gewisser Herr Hoffmann, der einen Zusammenhang zwischen der Erderwärmung und dem anhaltenden Schneefall in Teilen der Nordalpen „nicht ausschloss“. Das ist eine schöne Formulierung, die vor allem von Agenturjournalisten gerne benutzt wird, um vage Behauptungen zur Topmeldung zu adeln. Mit dieser Wendung ist man immer auf der sicheren Seite und hat doch seinen kleinen Scoop. Nicht ausschließen kann man vieles: Ich kann zum Beispiel nicht ausschließen, dass ich in fünf Minuten tot umfalle oder mein Haus von einem Meteoriten getroffen wird, auch wenn die Wahrscheinlichkeit – ich klopfe vorsorglich auf Holz – wohl gegen Null tendiert.

Jetzt wissen wir es also sozusagen amtlich: Die angebliche Schneekatastrophe im Süden ist kein im Hochwinter durchaus gängiges Wetterphänomen, sondern eine Folge des Menschen gemachten Klimawandels, wofür wir, die Verursacher, Abbitte leisten müssen, etwa durch tagelanges Schneeschippen. Manchmal tut einem der Klimawandel richtig leid, weil er an allem schuld ist. Ob es warm ist oder kalt, ob es regnet, schneit oder stürmt oder ob Flaute herrscht, bei jedem etwas intensiveren Wetterphänomen kommt jemand auf die Idee, beim PIK anzurufen. Und dann findet sich immer jemand, der irgendwas nicht ausschließen kann.  

Immerhin einer im weiten Medien-Orbit hat ein bisschen Mitleid mit dem Klimawandel. Die #Schnee-Höhen heute Morgen. Weit weg von irgendwelchen Rekorden, aber im kassandresken Heulbojen-Stuhlkreis mit klickabhängigen Medien und lebensunfähig stets frierbereiten Stadt-Schneeflöckchen genau das Richtige.“ Das twitterte kein Geringerer als Jörg Kachelmann an die Adresse der „klimaschlampesken Medien“, die es nur auf die besten Klickzahlen angelegt hätten. 

Danke, Herr Kachelmann, für diese mutigen Zeilen! Wobei wir Ihnen den ganzen Schlamassel der sich mittlerweile unablässig aneinanderreihenden Wetter- und Klimakatastrophen eigentlich zu verdanken haben. Denn Sie waren doch wohl der erste, der in Deutschland Wetter zur bestverkäuflichen Ware und zur Show machte und die steifleinenen Beamten vom Deutschen Wetterdienst das Fürchten lehrte.

Ach gäbe es sie doch noch, solch unerschütterlichen „Wetterfrösche“ wie Uwe Wesp, Karl-Heinz Oberthier und Dr. Carla Wege! Dann wäre die weiße Pracht noch eine Pracht und keine Hölle.

Ein Gedanke zu „Weiße Pracht statt weißer Hölle“

  1. Der Artikel hat mir die Augen geöffnet! Schon lange wundere ich mich, wieso bei „web.de“ und „gmx.de“ dauernd neue, aufgemotzte Wettermeldungen auf den Startseiten auftauchen: Wetter interessiert immer – jedenfalls fast immer – und wenn die Meldungen dann noch reißerisch aufgemacht sind, dann gibt es mehr Klicks, mehr Werbeeinnahmen….jetzt wird mir einiges klar! Danke, Herr Etscheit

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