„Es geht nur ums Geld, nicht um Schönheit“ – Ein Gespräch mit dem Musiker H.-J. Buchner

HAINDLING_H.J.Buchner © Helloconcerts
HAINDLING_H.J.Buchner © Helloconcerts

Jürgen Buchner (73) ist Gründer, Leadsänger und kreativer Kopf der Bayernpop-Kultband „Haindling“. Gerade ist er von der Jubiläumstour zum 35jährigen Bestehen der weit über Bayerns Grenzen hinaus bekannten Formation in den schönen niederbayerischen Wallfahrtsort, Namensgeber der Band, zurückgekehrt. Dort bewohnt er zusammen mit seiner Frau Ulrike mehrere, liebevoll restaurierte und fantasievoll eingrichtete historische Häuser. Immer wieder engagiert sich Buchner in seinen mundartlich-humoristischen Texten für den Schutz seiner bayerischen Heimat. Vor kurzem wurde er Mitglied des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB). Mit VLAB-Beiratsmitglied Georg Etscheit sprach er über den aktuellen Heimatboom, die Invasion der Windräder in bayerischen Landschaften und seine Erwartungen an den designierten Ministerpräsidenten Markus Söder. 

Herr Buchner, Sie sind zusammen mit Ihrer Kultband Haindling Mitbegründer eines neuen, bayerischen Heimatgefühls. Freuen Sie sich darüber, dass jetzt plötzlich alle von Heimat sprechen und in Deutschland reihenweise Heimatministerien gegründet werden?

Buchner: Mit Heimat, wie ich sie verstehe, hat das nicht viel zu tun. Eigentlich geht’s nur um Geld. Ich hab das doch alles schon mitgemacht: Sie bauen und bauen, hier muss noch eine Straße her, dort ein Flughafen, da einen Kanal. Da muss der Wald weg, da kommt der Beton her. Und dann heißt es, der Trachtenanzug passt doch so gut und dann ziehen sie ihn an. Die Leute, die alles betonieren, laufen alle im Trachtenanzug herum und schwärmen von unserer Heimat.

Überall neue Shoppingcenter auf ehemals grüner Wiese, Gewerbegebiete, Logistikparks, Solarfelder, Windräder – touren Sie eigentlich noch gerne durch Bayern?

Im Sommer schon noch, im Winter weniger . Wissen Sie, über was ich mich zur Zeit wahnsinnig ärgere?

Wir sind gespannt!

Ich beobachte seit einigen Jahren, dass im Winter überall in Bayern alle Bäume und Büsche entlang von Gleisen und Straßen rigoros beseitigt werden. Die werden oft mit Stumpf und Stiel einfach herausgerissen. Und wenn dann im Frühjahr die Zugvögel kommen, haben sie nix mehr zu fressen und keinen Platz, um ihre Nester zu bauen. Dabei redet doch jeder vom Bienensterben, vom Insektenstreben und dass die Vögel immer weniger werden. Ich versteh das nicht.

Hier bei Ihnen zu Hause in Haindling haben die Fälltrupps auch ganz schön gewütet…

Sieht aus wie nach einem Bombenanschlag. Ich könnte ja noch verstehen, dass sie sagen, es ist wegen der Sicherheit, dass keinem ein morscher Ast auf den Kopf fällt. Aber warum müssen dann auch die Büsche weg? Die tun doch niemand was!

Sie haben das jüngst auch öffentlich kritisiert, im Frühschoppen des Bayerischen Fernsehen. Wie waren die Reaktionen?

Ich hatte mich eigentlich direkt an die Politiker gewandt, aber von denen hat sich natürlich niemand gemeldet. Dafür habe ich viele Zuschriften aus ganz Bayern bekommen von Leuten, denen das auch auf den Keks geht.

Auf dem Weg zu Ihnen kommt man zwischen Nürnberg und Regensburg an vielen Wind- und Solarparks vorbei. Freut es Sie, dass es offenbar vorangeht mit der Energiewende?

Über die vielen Windradl ärgere ich mich. Man kann doch unsere bayerischen Landschaften nicht mit diesen Maschinen vollstellen. Wenn sich überall alles nur noch bewegt, das sind doch keine schönen, ruhigen Landschaften mehr.

Wenn es nach dem Willen der Erneuerbaren Energien-Lobby ginge – und übrigens auch des Bundes Naturschutz – müssten in Bayern und andernorts noch viel mehr Windräder gebaut werden.

Für mich ist das alles nur ein großes Geschäft. Die größte Energiewende wäre doch Energie einzusparen. Wenn ich allein sehe, wie nachts jedes Geschäft, jede Fabrik alles hell beleuchtet ist, das kostet doch wahnsinnig viel Energie. Wenn man da sparen würde, wäre viel gewonnen. Aber leider steigt unser Energiebedarf ja immer weiter an. Das ist ein Krebsgeschwür ohne Ende.

Sie sind ein Umweltschützer der ersten Stunde, haben gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf gekämpft und für die frei fließende Donau.

Ja, das mit der Donau war eine tolle Sache. Das stand in jeder Zeitung. Mein Donaulied, das ich dem Seehofer vorgesungen habe, hat ihm wirklich zu denken gegeben. Danach hat er entschieden, die Staustufen abzublasen.

Ärgert es sie, wenn jetzt bei der Energiewende im Namen des Umweltschutzes schon wieder die Landschaften und die Umwelt zerstört werden?

Natürlich ärgert mich das. Aber man kann das gewissermaßen als Evolution begreifen. Der Mensch muss alles fröhlich ausprobieren und wird, wenn überhaupt, erst hinterher schlauer. Damit muss man leider fertig werden. Kennen Sie diesen Song von mir:

Mein Gott, wie sind wir lustig, so lustig warn wir fast noch nie, wir kemma ausm Lachen gar nicht mehr heraus, da können wir nix dafür, uns tut schon vor lauter Lachen, lauter Lachen alles weh. Wir liegen schon am Boden und kommen nicht mehr in die Höh, helfts uns, helfts uns, so kann es nicht weitergehn. Und wenns nicht grad so lustig wär, dann wärs schon fast zum Weinen. Das Lachen das ist viel zu laut, aber des hört keiner. Rückwärts können mir nimmer gehen und vorwärts gehts nicht weiter. Hättn mir das vorher gewusst, dann wärn wir jetzt viel gescheiter.

Uns wird gesagt, dass mit der Energiewende neue „Energielandschaften“ entstehen, die man bald auch als schön empfinden wird. Überzeugt Sie diese Argumentation?

Diese Monster sollen schön sein? Lächerlich. Wenn überhaupt, könnte ich sie mir auf Industriebrachen vorstellen oder entlang von Autobahnen, wo eh schon alles kaputt ist. Aber nicht überall in der Landschaft.

Fürchten Sie, dass nachfolgende Generationen vielleicht gar nicht mehr wissen, wie schön Bayern einmal war?

Das wird wohl so sein. Wer Schönheit, wer Romantik noch kennt, braucht das. Aber wer das nicht mehr kennen gelernt hat, empfindet natürlich keinen Verlust. Also müssen wir, die es noch kennen, alles dafür tun, damit noch was übrig bleibt.

Sie kritisieren bei Ihren jüngsten Konzerten auch den übermäßigen Handygebrauch. Haben Sie selbst ein Handy?

Meine Frau hat ein uraltes Handy nur zum Telefonieren. Und im Auto habe ich ein Autotelefon.

Was stört Sie daran?

Mich stört das Menschenbild der Smartphone-Generation. Wenn alle nur noch in das kleine Rechteck starren. Oder wenn man Leute trifft, wird zuerst gewischt: geh, schau mal her. Und wenn beim Essen die Handys auf den Tisch gelegt werden, finde ich das entsetzlich. Ein totaler Kulturwandel. Krank!

Denken Sie da nicht zu konservativ? Das ist jetzt eben mal so.

Ich finde es schrecklich, wenn alles Neue widerspruchslos angenommen wird. Wenn damit ein Riesengeschäft gemacht wird und die Leute gar nicht merken, wie sie manipuliert werden.

Was erwarten Sie sich eigentlich von unserem künftigen Ministerpräsidenten Markus Söder?

Ich erwarte von ihm das, was ich von ihm schon kenne. Er hat das Anbindegebot in der Raumplanung aufgeweicht, das Riedberger Horn für einen neuen Lift geöffnet, den dritten Nationalpark zu den Akten gelegt. Und er will die 3. Startbahn in München bauen. Söder wird rigoros die Wirtschaft bedienen. Nach vier Jahren wird man fragen, wie hat sich unter ihm die Wirtschaft entwickelt, aber nicht, wie hat sich die Schönheit entwickelt. Es geht ihm nur ums Geld.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Buchner.

Haindling_Sommer-2018
Haindling_Sommer-2018 © Helloconcerts

 

 

 

 

8 Gedanken zu „„Es geht nur ums Geld, nicht um Schönheit“ – Ein Gespräch mit dem Musiker H.-J. Buchner“

  1. „Der Mensch muss alles fröhlich ausprobieren und wird, wenn überhaupt, erst hinterher schlauer“ – wie recht er doch hat! Danke für dieses schöne Gespräch mit einem authentischen Künstler, den ich sehr bewundere.

  2. Hans-Jürgen Buchner ist nicht nur ein genialer Künstler, sondern auch ein echter bayerischer Philosoph. Es ist ein Genuss, dieses Interview zu lesen, in dem Buchner die voranschreitende Zerstörung unserer Landschaften in berührender Weise beschreibt. Buchner traf eine gute Wahl, dem Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e.V. beizutreten. Aus meiner Sicht ist der noch junge VLAB die einzige Naturschutzvereinigung in Bayern, die sich authentisch und ehrlich für den Landschaftsschutz einsetzt.

  3. „Es geht nur ums Geld“
    Wie recht sie doch haben, der „Haindling“ und der VLAB. Und was macht der großartige Bund Naturschutz? Ihr Oberfunktionär Weiger reist mit dem Flugzeug quer durch die Welt von Klimagipfel zu Klimagipfel und predigt eine CO2-Reduktion. Wieder heimgekommen fordert der redegewandte Professor eine „dezentrale Energiewende“ mit Tausenden mehr an Windrädern. Dazu paktiert der BN raffiniert mit Grünen, Linken, Sozis, Anti-Stromtrassenaktionisten und dem Bundesverband der Windenergie. Als Erfüllungsgehilfen dienen dem Naturschutzfunktionär unsere „freien Medien“, die jeden Schmarrn so lange gedanken- und kritiklos veröffentlichen, bis es auch der letzte Zeitungsleser und Fernsehschauer glaubt. Der Naturschutz in Deutschland ist auf den Hund, oder besser gesagt, auf den Weiger gekommen.

  4. Herr Buchner besitzt eine gute Menschenkenntnis. Er beschreibt am Ende des lesenswerten Interviews an Hand einiger aktueller Beispiele trefflich, was unsere Landschaften und die Natur unter einem Ministerpräsidenten Söder zu erwarten haben: SCHLIMMSTES.
    Ergänzen möchte ich noch, dass Söder für die erste Fassung des „Bayerischen Winderlasses“ im Jahr 2011 als bayerischer Unweltminister verantwortlich war. Dieser „Winderlass“ hatte nur ein Ziel: der Bau von Windrädern in unseren Fluren und Wäldern sollte erleichtert werden, anstatt die Natur zu schützen. Was Seehofer oft zu Unrecht vorgeworfen wurde, trifft für Herrn Söder voll zu. Er ist ein Machtmensch und Populist, der für seine politischen Ziele auch die Landschaften rücksichtslos opfern wird. Riedberger Horn und die Lockerung des Landesentwicklungsplans beweisen es.

  5. Das ewig gestrige Heimatgedöns von Herrn Buchner nervt gewaltig. Er lebt im Mittelalter und lehnt Smartphones ab. Die gekünstelte Aufregung über ein paar zurückgeschnittene Hecken in seinem bayerischen Dörfchen Haindling kann ich nicht verstehen. Wo übrigens, lieber Herr Buchner, soll der Strom für ihre Lautsprecherboxen herkommen? Bestimmt nicht aus der Steckdose. Mir sind saubere Windkraftwerke mit ihrem Ökostrom lieber als ein Atomkraftwerk. „Windradl“ verschandeln Landschaften in keinster Weise. Ich freue mich über jedes Windrad, das sich dreht.

    1. Ob Herr Buchner wirklich nur noch dann Konzerte geben will, wenn zufällig gleichzeitig auch der Wind weht?
      Und wenn jemand den Umgang mit den Smartphones kritisiert und den damit verbundenen Niedergang des Sozialverhaltens beobachtet, lehnt er doch nicht die Smartphones ab. Wenn jemand sich über die Deppen aufregt, die mit über 100 km/h durch die Innenstadt rasen, ist er doch auch kein Autofeind.
      Außerdem frage ich mich, warum man die Windindustrieparks ausgerechnet immer dort aufstellen muss, wo die wenigen Leute wohnen, die die nicht vor der Nase haben wollen. Warum stellt man sie nicht stattdessen da auf, wo die 95 % Befürworter leben? Warum ist ausgerechnet der Raum rund um die großen Städte wie München, Nürnberg, Passau, Regensburg, Augsburg, Ingolstadt, Würzburg auffallend frei von Windindustrieparks? Weil ausgerechnet die den Strom nicht benötigen?
      Dass sich ein Anhänger der Windindustrie freut, wenn sie so eine Windindustrieanlage im windarmen Bayern tatsächlich mal dreht, kann ich dagegen problemlos nachempfinden.

    2. Nur weil man Smartphones ablehnt, lebt man nicht im Mittelalter! Ebenso wenig, wenn man Windkraftwerke ablehnt, die durch ihre „Nebenwirkungen“, u. a. auf Menschen und diverse Tierarten, einfach nicht „sauber“ sind. Der Begriff „sauberes Windkraftwerk“ ist ein Werbeausdruck der Windradlobby. Ich habe nichts gegen Windkraftnutzung, aber in ihrer aktuell praktizierten Form mit riesigen Rotoren ist sie so anachronistisch wie Pumpspeicherkraftwerke. Sowas hat für mich nichts mit fortschrittlicher, eleganter und zukunftsfähiger Energieproduktion zu tun! Wirklich sauber und glaubhaft ernst gemeint ist die „Energiewende“ erst dann, wenn sie primär das Energiesparen propagiert und umsetzt (!) – mit einer rigorosen Abkehr von der Verschwendungswirtschaft unserer Zeit, im übrigen auch einer Abkehr von der Wachstumsideologie! – und wenn sie erst als zweite Option neue und durchdachte Anlagen (also keine monströsen Windräder) in die ohnehin schon geschundenen Landschaften allerorts setzt. Nur dann kann man hier von „Wende“ sprechen. Alles andere ist reine Augenwischerei und Verarsche – und ein gefährlicher Irrweg, weil uns nicht mehr allzu viel Zeit bleibt. Und vor allem ist es wieder mal ein riesen Geschäft, diesmal tragischerweise grün verpackt (und die Grünen merken´s anscheinend nicht mal!?).

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