„Platz für Windkraft“: UBA verrät Mensch und Natur

Von Gastautor Dr. Wolfgang Epple

Hatte vor kurzem das höchste Naturschutzamt der Republik den Naturschutz in Sachen Bedrohung durch Windkraftindustrie so gut wie verraten,  legt nun das höchste Umweltschutzamt des Energiewende-Vorreiter-Staates mit einer in der Geschichte des Deutschen Umweltschutzes beispiellos einseitigen Tendenzschrift nach. Der Eindruck einer „Gleichschaltung“ dieser hohen Behörden auf unkritische Begleitung letztlich aller Auswüchse der „Energiewende“ verdichtet sich.

Bereits die Aufmachung als Vorgriff aus einer „UBA-Studie“ (S. 6, Fußnote 3), deren Abschlussbericht für das 2. Quartal 2019 geplant sei, lässt aufhorchen: Die Richtung ist mehr als klar: Rücksicht haben die Menschen auf die Betreiber der Weltrettung durch Windkraft zu nehmen, nicht umgekehrt. Platz schaffen für die Windkraft! Auch dann, wenn dies ein dicht besiedeltes Land wie Deutschland eigentlich nicht zulässt. Wie war das noch gleich mit dem „substantiellen Raum“?

War die erwähnte, kürzlich erschienene Veröffentlichung des BfN zum „Einklang von Energiewende und Naturschutz“ gewissermaßen „nur“ Natur verachtend, ist die Haltung des UBA zu Mindestabständen zwischen Siedlungsbereich und Windkraftindustrie mit Sicherheit Menschen verachtend. Von den seelischen und körperlichen Leiden der Windkraft-Anlieger nichts gehört?

Bereits die ersten Sätze des Kapitel 1 „Hintergrund und Ziel“, offenbaren den unkritischen Energiewende-Kolportage-Geist, der das gesamte Statement („Positionspapier“) aus dem UBA durchzieht:

„Dem Klimawandel wirkungsvoll entgegentreten, die globale
Erderwärmung auf möglichst 1,5°C begrenzen und die Energieversorgung bezahlbar, umweltverträglich und sicher gestalten – diese großen Herausforderungen unserer Zeit sind die Motive für die deutsche Energiewende (…)“

Darin steckt soviel Halbgares und durch Fakten und die Realität bereits Widerlegtes, dass man als Kommentator kaum weiß, wo anzufangen wäre mit dem Abräumen.

Der „Sonderfall Bayern“, sprich: die weitsichtige und rechtzeitige Nutzung der Länderöffnungsklausel für eine eigene Windkraft-Abstands-Regelungen durch Bayern, wird unter dem Aspekt der Ermöglichung von Windkraft besonders drastisch gegeißelt (Kapitel 3.3, S.9); die faktische Auswirkung eines Siedlungsabstandes von etwa 2000 Metern (aus Sicht der Vorsorge vor verschiedenster Beeinträchtigung noch kaum ausreichend) wird wie folgt kommentiert:

Diese Festlegung wirkt sich folgenschwer auf den Ausbau der Windenergie im flächengrößten Bundesland aus (…) Für das Jahr 2018 sind nur noch Genehmigungen über lediglich 50 MW in Bayern verzeichnet, dies entspricht lediglich 3 Prozent der im gleichen Zeitraum deutschlandweit ausgestellten Genehmigungen. Der Windenergieausbau in Bayern wird in den kommenden Jahren somit nahezu vollkommen zum Erliegen kommen.“ Untermalt ist das Lamento des UBA durch eine Grafik, recherchiert und geliefert durch die „Fachagentur Windenergie an Land“ – was gleichzeitig offenlegt, wo die Einsager des UBA sitzen.

Der Tag ist nicht mehr fern, an dem „Windkraftfreie Gegend“ zum Markenzeichen hochwertigster Landschaft und Wohnbereiche wird. Die Bayern werden ihrer Landesregierung – so sie denn Stand hält der Anfeindung und dem Druck aus Kreisen der Energiewende-Profiteure – noch dankbar sein können, dass wenigstens Teile ihres um seine Schönheit so beneideten Bundeslandes verschont blieben von diesem industriellen Generalangriff.

Im Kapitel 5 „Zusammenfassung und Ausblick“ hat man dann endgültig den Eindruck, in dem UBA-Papier eine Propagandaschrift des Bundesverbandes Windenergie BWE vor sich zu haben; Kostproben (fette Hervorhebung durch die Verfasser selbst)

„(…) Die Nutzung der Windenergie ist eine
kostengünstige und emissionsarme Form der Energiebereitstellung und
daher eine der Schlüsseltechniken für Energiewende und Klimaschutz.(…)Die negativen Auswirkungen pauschaler Siedlungsabstände auf den Windenergiezubau sin am Beispiel Bayerns (10-H-Regelung) dokumentiert. (…)“

„(…) Aus Sicht des Umweltbundesamts stellen pauschale
Siedungsabstände daher nicht nur ein ungeeignetes Instrument zur
Steigerung der Akzeptanz
gegenüber der Windenergienutzung dar, sondern sie gefährden eine erfolgreiche, die Belange von Mensch und Umwelt gleichermaßen berücksichtigende Umsetzung der Energiewende in substantieller Weise.“

Jetzt kennen wir die „Position“ des UBA. Jetzt wissen wir, was zu befürchten ist. Das Ganze hat Methode, und ein Vorläufer dieser Positionierung sei herausgegriffen:

ZASPEL-HEISTERS, B. (2015): Welcher Raum bleibt für den Ausbau der Windenergie? Analyse des bundesweiten Flächenpotenzials in Deutschland. Informationen zur Raumentwicklung Heft 6.2015: 543-569.

Auch jene Studie auf „Bundesebene“ (!), des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung BBSR (veröffentlicht in seiner hauseigenen Fachzeitschrift) kommt im Kapitel 4.4 zu ähnlich anstachelnden Ergebnissen hinsichtlich Restriktionsflächen bei verschiedenen Mindestabständen der Windkraftindustrie zu Siedlungsflächen.

Den Autoren des aktuellen UBA-Positionspapiers hätte man gewünscht, den eigenen Horizont zu weiten und den Blick auf die verheerenden Auswirkungen ihrer im Namen einer höchsten Behörde, die angeblich Umweltschäden vom Volk wenden will (s.u.), abgegebenen Tendenzäußerungen zu richten.

Das UBA-Papier ist ein Schlag ins Gesicht aller, die sich ernsthaft um Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen bemühen, wenn in zu geringem Abstand die monströsen Bauwerke der Windkraftindustrie aufgebaut werden und ihre „Wirkung“ entfalten.

Einzig der Überlegung der Autoren ist zuzustimmen, dass der Druck der Windkraft- Naturzerstörung auf siedlungsferne Flächen und noch unzerschnittene Räume nicht zunehmen sollte.

Allerdings nimmt dieser Druck, wie die Praxis der scheinbar unaufhaltsam gesteigerten Begehrlichkeiten des Industriekomplexes zeigt, ganz unabhängig von Mindestabständen zu menschlichen Siedlungen zu. Es hat den Anschein, dass es auf Seiten der Windkraftindustrie kaum Skrupel und wenig Selbstbescheidung gibt, wie die verbissenen Auseinandersetzungen um wertvollste Flächen in den Wäldern, beispielsweise des Schwarzwaldes und jüngste Forderungen zum generellen Ausbau der Windkraft auch in den Wäldern Süddeutschlands zeigen:

Vor allem in den südlichen Bundesländern, die durch einen hohen Anteil an Waldgebieten und windreichen Höhenlagen geprägt sind, hat sich die Nutzung von Windenergie auf intensiv forstwirtschaftlich genutzten Flächen bereits etabliert. Die Erfahrungen in diesen Bundesländern zeigen, dass sich der Ausbau von Windenergie und die berechtigterweise vorgebrachten Anliegen des Natur- und Artenschutzes miteinander in Einklang bringen lassen“, so Hermann Albers, Bundesverband WindEnergie (BWE) in einer Pressemitteilung vom 27.02.2019.

Ein Schelm, wer Böses denkt bei soviel „Einklang“ und Gleichklang der Wortlaute, – Gleichklang im realitätsverweigernden Dröhnen von BWE und Bundesbehörden, die für Umwelt und Natur zuständig sind… Der weitere Wortlaut des BWE jedenfalls lässt diejenigen, die mit den Niederungen dieser Auseinandersetzungen um den Schutz der Waldgebirge vor Windkraftindustrie vertraut sind, nur noch Staunen:

„(…)Es ist nicht erforderlich, Schutzgebiete mit wertvollen Laubwäldern oder besonders hoher ökologischer Wertigkeit für Mensch und Tier im Zuge dieser Prüfungen von der Flächenausweisung zu berücksichtigen. Der Fokus bleibt auf den intensiv genutzten Wirtschaftswald. Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen gleichen zudem den Eingriff in den Forstbestand voll umfänglich aus und können zusätzlich zu einer ökologischen Flächenaufwertung führen, die Biodiversität steigern und die Artenvielfalt nicht allein erhalten sondern sogar stärken.(…)“

Man reibt sich die Augen: Der BWE und die Windkraftbetreiber generell als Heilsbringer für den Naturschutz und den Schutz der Menschen, ja, wie wir endlich glauben sollen, Schutz der gesamten Menschheit, vor der Klimakatastrophe. Das UBA im Verein mit dem BfN als willige Lieferanten von Propaganda oder unkritische Nachsprecher der Selbstbelobigung und Selbstbeglaubigung der Windkraftindustrie.

Apropos Selbstbeglaubigung – das UBA sei an seine eigene erinnert: „Für Mensch und Umwelt″ ist der Leitspruch des Umweltbundesamtes – kurz UBA genannt – und bringt auf den Punkt, wofür wir da sind. Als Deutschlands zentrale Umweltbehörde kümmern wir uns darum, dass es in Deutschland eine gesunde Umwelt gibt, in der Menschen so weit wie möglich vor schädlichen Umwelteinwirkungen, wie Schadstoffen in Luft oder Wasser, geschützt leben können.“

Beeinträchtigungen der Umwelt- und Lebensqualität in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wohnen durch Windindustrieanlagen, oder durch Rodung und Umwandlung von Wäldern in Windindustriegebiete fallen also nicht darunter, was das UBA unter einer Bedrohung „gesunder Umwelt“ wahrnimmt. Möglicherweise wird auch der rhythmische Schall der Windturbine bis hinunter in den Infra-Bereich alsbald von höchster Ämterautorität als wohltuend für das menschliche Befinden gekennzeichnet, ganz vergleichbar mit dem gemeinsam postulierten Gleichklang oder gar Segen der Windindustrie für die Rettung der Natur.

Dass einzig ein Moratorium für den weiteren Zubau von Windkraft in unserem engen Land aus den eigenen Ergebnissen, die eine drangvolle Enge belegen, folgen müsste, bleibt dem Energiewende-Blick der Autoren verschlossen. Beides, Naturschutz und Vorsorge für die Lebensqualität im ländlichen Raum, ließe nur diesen einen Schluss zu.

Ein Gedanke zu „„Platz für Windkraft“: UBA verrät Mensch und Natur“

  1. Wir bräuchten endlich mal eine komplett andere Regierung mit völlig anderen Ansätzen. Dann hätten wir auch andere Regierungsbehörden und ein UBA und ein BfN würden andere Stellungnahmen abgeben. Aber irgendwie kriegen wir das in Deutschland nicht auf die Reihe. Der alte Sumpf ist gefühlt schon ewig der alte Sumpf und nach der nächsten Wahl haben wir dann wieder GroKo? Sofern die SPD dann noch lebt.
    Aber die anderen Parteien, die derzeit auf der politischen Bildfläche herumhopsen, sind auch nicht besser. Keine davon. Es ist fast schon gruselig. Bleibt also nur, dass sich die Bürger nichts mehr bieten lassen und sich wo es nur geht unbeugsam zur Wehr setzen.

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