Mehr wilde Wälder braucht das Land

Unser Wald braucht Strukturreichtum. Weitere Fragmentierungen sind zu stoppen. Nur so lässt sich die Biodiversität fördern.

Naturschutz ist wieder „in“, lautet die Kernaussage einer Naturbewusstseinsstudie des Bundesamtes für Naturschutz aus dem Jahr 2017. Jüngstes Beispiel ist das Volksbegehren „Rettet die Bienen!“, das rund 1.7 Millionen Menschen unterstützen. Auch der Wald rückt verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit, wie es der Streit um die Rodungen im Hambacher Forst zeigt. Das ist kein Wunder, gehören doch Wälder – auch wenn sie sich regional unterscheiden – zu den vielfältigsten und natürlichsten Bereichen Deutschlands. Trotz jahrhundertelanger menschlicher Eingriffe blieben sie wichtige Lebensräume für viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten.

Auch wenn die heutige Forstwirtschaft versucht, die Wälder nachhaltig zu bewirtschaften und in naturnahe Mischwälder umzubauen, reichen diese Maßnahmen schon lange nicht mehr aus, um den auch im Wald stattfindenden Artenrückgang zu stoppen. Deshalb ist es notwendig, gerade für die Staats- und Kommunalwälder rechtlich verbindliche Naturschutzstandards zu schaffen und diese in die Waldbewirtschaftung zu implementieren.

Eine immens große Bedeutung für die Biodiversität im Wald haben alte, morsche Bäume. Sie müssen in deutlich größerer Anzahl als bisher vor einer forstlichen Nutzung verschont bleiben. Abgestorbene Bäume sind nicht tot, sondern bei näherem Hinsehen voller Leben. Rund ein Drittel aller im Wald vorkommenden Arten leben im und auf Totholz.

Für die stark gefährdeten Insekten sind Waldwiesen und lichtdurchflutete Flächen im Wald neu zu schaffen. Parallel dazu müssen die Forstbehörden kleinere, gut vernetze Waldschutzgebiete ausweisen. Die 162 bisher in Bayern installierten Naturwaldreservate fördern den Artenschutz bei weitem nicht ausreichend. Ihre Zahl ist mindestens zu verdoppeln. Viele kleine über die gesamte Landesfläche verstreute Totalreservate leisten für die biologische Vielfalt mehr als einzelne isolierte Großschutzgebiete.

Ganz wichtig: Endgültig der Vergangenheit angehören sollten die Zerschneidungen zusammenhängender Wälder durch Verkehrswege, Gewerbe- oder Wohngebiete. Das gilt auch und vor allem für die sogenannte Energiewende. Der VLAB plädiert daher für ein grundsätzliches Bauverbot von Windparks im Wald. In unsere Wälder gehören Bäume, keine Windräder!

Anmerkung:

Der Artikel erschien mit dem Titel  „Wald für viele Arten wichtig“ in der Mittelbayerischen Zeitung Regensburg

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