Ein Klimafolgenforscher auf dem Holzweg

Wenn Hans Joachim Schellnhuber, Director Emeritus des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, auftritt, erinnert er mit seiner melancholisch monotonen Stimme nicht an einen Wissenschaftler, sondern an einen spirituellen Führer oder hohen kirchlichen Würdenträger. Schellnhuber redet nicht, er verkündet existenzielle Botschaften an die Menschheit. Trotz seiner flüsternden Stimme ist der in Niederbayern geborene Physikprofessor alles andere als bescheiden. In seinem Buch „Selbstverbrennung“ beginnt er ein Kapitel mit einem kühnen Selbstbild:

„An einem Spätsommerabend im Jahr 1993 schrieb ich – möglicherweise – Weltgeschichte.“ (Hans Joachim Schellnhuber, 2015)

Schellnhubers letzter „bescheidener Vorschlag zur Rettung der Welt“, verkündet in der vergangenen Woche, lautet: Baut Gebäude aus Holz, anstatt aus Beton. Nicht im kleinen, sondern im planetarischen Maßstab. „Wenn wir weltweit unsere Städte aus Holz statt aus Beton errichten, bleibt uns das Schlimmste (die Selbstverbrennung) erspart“ und man könne rund 40 Prozent der CO2 Emissionen vermeiden, schwurbelt der pensionierte Klimafolgenforscher.

Wie das gehen soll, wird auch gleich in einem Radiointerview erklärt: Schlagt dazu im Abstand von etwa vierzig Jahren den Wald kahl und forstet ihn dann wieder auf. So haben wir immer genügend Bauholz. Kaum waren Schellnhubers Unterweisungen verklungen, scharten sich auch schon eine Reihe von Experten um ihn: Beispielsweise Dirk Messner, ein deutscher Politikwissenschaftler und Präsident des Umweltbundesamtes und die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Charlotte Alma Baerbock.

Antworten darauf, woher diese Unmengen Holz für einen weltweiten Gebäudebau aus Holz kommen sollen, und ob unsere Wälder und ihre biologische Vielfalt das überhaupt verkraften können, lassen Hans Joachim Schellnhuber und seine Unterstützer offen. Ihr Denken ist einseitig linear nur auf den Klimawandel und seine rechnerisch möglichen Szenarien fokussiert. Funktionelle Wechselwirkungen mit Waldökosystemen werden in nahezu grob fahrlässiger Weise ignoriert.

Bei einem Blick auf die internationalen Holzbilanzen hätten sie, ein vernetztes Denken vorausgesetzt, erkennen müssen, dass die Wälder Europas und der Welt in den letzten Jahren oft stark übernutzt wurden; Tendenz steigend. In vielen Teilen der Erde herrscht Ausbeutung. Auch in den westlichen Ländern wird Holz sehr knapp.

Schellnhubers und Baerbocks Fantastereien bedeuten eine Rückkehr zur ökologisch katastrophalen Forstplantagenwirtschaft. Der Klimaforscher und seine Unterstützer konterkarieren die allmählich beginnende ökologische Ausrichtung der Waldwirtschaft und die langjährigen Forderungen von Waldnaturschützern, mehr alte Wälder mit einer hohen biologischen Vielfalt und starkem Totholz zu schaffen.

Ginge es nach Schellnhuber, Baerbock und Co,  würde die Ausbeutung der Wälder weiter beschleunigt und Pflanzen- und Tiergemeinschaften, die auf reife und schonend bewirtschaftete Wälder angewiesen sind, extrem beeinträchtigt werden. Radikale Veränderungen des Landschaftsbildes, Bodenerosion und Bodenverdichtung und eine signifikante Nährstoffverarmung der Waldböden wären weitere schlimme Folgen ihrer Hirngespinste.

Fazit: Si tacuisses, philosophus mansisses.

 

 

5 Gedanken zu „Ein Klimafolgenforscher auf dem Holzweg“

  1. brandenburg – uckermark – raum prenzlau brüssow – hier schon die folgen des ungezügelten windkraftausbaus zu sehen – flora und fauna unwiderbringlich zerstört – nun ist auch der deutsche wald dran – naturverbrechen riesigen ausmaßes und kein ende –
    ist das eure neue natur – ständiges pulsierendes brummen – tag und nacht – tausende rot blinkende pillone bis zum horizont -leben kann man hier nicht mehr.

  2. Schellnhuber scheint so wie seine Mitverschwörer an der menschlichen Klimaschuld nun den Amoklauf zu beginnen. Es war abzusehen, daß diese Leute alle irgendwann durchdrehen werden. Eine Doktrin, die weder eine wissenschaftliche Grundlage noch eine schöpfungsorientierte (christliche!) Verankerung hat, muß im Nihilismus eines „wir lehnen den Menschen als Schöpfung Gottes komplett ab“ enden. Es ist der Fanatismus von in die Irre gegangenen. Dies spiegelt sich jetzt auch in den transhumanistischen Phantasien eines Klaus Schwab wieder. Eine große Gefahr für die Massen, da Psychopathie auf diesem Planeten ein wesentliches Element der Machtausübung darstellt und die Massenmedien in ihrer Gewalt sind.

  3. Das viel Holz für langlebige Produkte, wie etwa den Hausbau, Möbel etc., in naturnahen, deutschen Wäldern durchaus wachsen könnte, ohne die biologische Vielfalt zu gefährden, scheinen manche Kritiker offenbar gerne zu verschweigen.
    Wenn man schon mit Holzbilanzen argumentiert, sollten sicher die Ergebnisse aus inzwischen drei Bundeswaldinventuren Eingang in die Diskussionen und Überlegungen finden. Die haben nämlich gezeigt, dass sowohl die Naturnähe der deutschen Wälder wie auch der Holzzuwachs permanent zugenommen haben.
    Es ist sicher keine Option lieber mit Beton und Stahl das Klima belastend wie auch Agrar- und Waldflächen fressend weiterzubauen wie bisher!

    Naturnaher, integraler Waldbau hat deshalb schon gar nichts mit einer angeblich ökologisch katastrophalen Forstplantagenwirtschaft zu tun. Naturgemäße Waldwirtschaft als Form einer ökologischen Landnutzung mit einzelnen bis flächig integrierten Elementen naturnaher Wälder, etwa aus der Reife- und Zerfallsphase, die eine hohe biologische Vielfalt garantieren und etwa starkes Totholz ständig nachliefern, sind ein nachhaltiges Gebot der Stunde.
    An einer nachhaltigen Holznutzung in ökologischen Wirtschaftswäldern gibt es auch nichts zu kritisieren. Die Kritik sollte sich vielmehr auf (staatlich, kommunale oder private) Betriebe konzentrieren, die bis heute immer noch nicht ökologisch Arbeiten!

    1. Einige Anmerkungen zu der Lesermeinung:

      Holz ein wichtiger nachwachsender Rohstoff und ein hervorragendes Substitut für Beton, Stahl und andere Baustoffe. Dies wurde nicht bezweifelt.

      Ein naturnaher Waldbau, in dem Phasen der natürlichen Waldentwicklung und Naturschutzstandards integriert werden, wurde ausdrücklich begrüßt.

      Eine „Umtriebszeit“ (der Zeitraum von der Bestandesbegründung bis zur Endnutzung durch Holzeinschlag) von 30 bis 40 Jahren, wie von Schellnhuber in einem Radiointerview vorgeschlagen, ist sicherlich weder wünschenswert, noch naturnah.

      Unser Positionen für eine naturnahe Waldbewirtschaftung können hier nachgelesen werden:

      https://www.landschaft-artenschutz.de/wp-content/uploads/positionspapier_wald_und_forst.pdf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.