Der Kampf gegen den Klimawandel – Bleibt der Naturschutz auf der Strecke?

„Grüne und NABU schließen Vogelfrieden“ lautete die scheinbar versöhnliche Botschaft kurz vor dem Weihnachtsfest in der Süddeutschen Zeitung. Was war geschehen? Grünen-Chef Robert Habeck und der neue NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger, ein seit seiner Jugend der Grünen Partei nahestehender Landschaftsarchitekt, verfassten ein vier Seiten Papier, in dem sie „Ökonomie und Ökologie“ miteinander „versöhnen“ möchten. Dadurch sollen das Artensterben und der Klimawandel bekämpft und Baugenehmigungen für Windkraftanlagen beschleunigt werden. Ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk für alle Windkraftlobbyisten und Vögel.

Beim näherem Hinsehen enthält das „Burgfrieden-Papier“ zwischen NABU und Grünen fast nur altbekannte planwirtschaftliche Forderungen. Mindestanteile an Windstrom für jedes Bundesland werden vorgeschrieben und Vorrang- und Ausschlussgebiete ausgewiesen. Manches ist jedoch neu, lässt gewaltig aufhorchen und ist rechtlich höchst fragwürdig. Beispielsweise sollen Formfehler der Windkraftplaner grundsätzlich „geheilt“ werden können. Oder verständlicher formuliert: Man plant schlampig ins Blaue hinein und nimmt es nicht mehr so genau. Es kann ja nichts passieren. Bei Beanstandungen bessert man eben so lange nach, bis alles „geheilt“ ist. Rechtsmittel kritischer Naturschutzverbände, soweit es die überhaupt noch gibt, werden dadurch künftig unmöglich werden.

Von diesen Vorschlägen wird ausschließlich die Ökonomie profitieren, die Ökologie bleibt auf der Strecke.  Der Grund: Zwischenzeitlich drehen sich in der Bundesrepublik, vorausgesetzt es weht überhaupt Wind, über 30.000 WKA. Das Maß für einen ansatzweisen naturverträglichen Ausbau der Windkraft in Deutschland ist nicht nur voll, sondern längst überschritten. Weite Teile der Republik sind mit „Windparks“ zugepflastert und in Windindustriegebiete umgewandelt. Bei einem fortgesetzten Ausbau, man spricht von mindestens der doppelten Anzahl Windräder, müsste in die letzten verblieben, äußerst sensiblen Standorte der Mittelgebirge ausgewichen werden. Das würde nicht nur die Wälder kaputt machen, sondern viele Vogel- und Fledermauspopulationen existenziell schädigen.

Fazit des „Vogelfriedens“ zwischen Grünen und NABU: Die Vögel wurden bei der Versöhnung von „Ökonomie und Ökologie“ nicht gefragt. Sie werden gemeinsam mit dem Landschafts- und Naturschutz auf der Stecke bleiben. Auch der Kampf gegen die Erderwärmung rechtfertigt keine weitere Zerstörung der Biosphäre durch meist stillstehende Windradkolosse. Ob er überhaupt gewonnen werden kann, ist nach Meinung des amerikanischen Schriftstellers und Ornithologen Jonathan Franzen zu bezweifeln. Franzen empfiehlt vielmehr, im Kampf gegen den Klimawandel nicht auch noch die letzten verbliebenen Refugien der Natur durch Windkraftanlagen zu zerstören, sondern sie konsequent und stärker als bisher zu schützen. Wie recht er doch hat!

9 Gedanken zu „Der Kampf gegen den Klimawandel – Bleibt der Naturschutz auf der Strecke?“

  1. Selbst NABU Mitglied und seit über 40 Jahren im Naturschutz tätig, kann ich dem Kommentar ohne Abstriche nur zustimmen!
    Die größten „Feinde“ des Arten- und Lebensraumschutzes sind derzeit die industrielle Landwirtschaft, die konventionelle Forstwirtschaft und die „ERNEUERBAREN ENERGIEN“ in der Form wie sie aktuell praktiziert werden!
    Dieses millionenschwere Subventionsgeschäft unter dem Deckmantel des Klimaschutzes hat mit naturverträglicher Energie aber absolut gar nichts mehr zu tun!
    Edgar Schippan

    1. Lieber Herr Schippan,
      ich kann Ihren Ausführungen nur voll und ganz zustimmen. Auch ich bin jetzt seit 50 Jahren NABU-Mitglied und ebenso lange im Naturschutz tätig. Was jetzt die Grünen und der NABU in puncto Windkraft beschlossen haben, haut „dem Fass den Boden raus“. Auch deshalb habe ich meine NABU-Mitgliedschaft gekündigt.
      In Baden-Württemberg wollen die „Grünen“ jetzt in den Staatswäldern 2000 (!) neue Windräder bauen! Deshalb kann man leider auch diese Partei nicht mehr wählen! Der Artenschutz wird bei ihnen wohl nur auf dem Papier erwähnt.
      Rudolf Deile

  2. Windräder verstoßen gegen viele bestehende Gesetze. Wenn selbst ein führender Verfassungsrichter die Aussage macht „wenn diese Klage, nach durchlaufen aller Instanzen bei uns landet würden die rechtliche Entscheidung ein Erbeben auslösen, aber da die politische Besetzung z.Z. von den Befürworter dominiert wird ist das nicht zu erwarten“.
    Und das die Windradgegner es schaffen sich dazu aufraffen und zusammenschliessen,
    gemeinsam die Kosten für dem Weg durch die Instanzen zubestreiten, ist bekanntermaßen, auch weil selbst die Führung von Vernunftkraft sich nicht dazu bewegen lies den Rechtsweg zu gehen, abgelehnt hat.
    Jeder bekommt das was er verdient. NUR DIE NATUR UND TIERWELT HAT DIE WINDRÄDER NICHT VERDIENT FÜR UNSERN WOHLSTAND UND BEQUEMLICHKEIT VERNICHTET ZU WERDEN

  3. Natürlich ist der NABU wie auch die meisten anderen großen Verbände von den Interessen der Klimapropagandaindustrie gekauft, die sich alle eine goldene Nase auf Kosten der Menschen und auch der Schöpfung (Natur) verdienen. Der Begriff „Klimaleugner“ ist und bleibt eine Unverschämtheit, solange der wissenschaftliche Nachweis dafür fehlt, daß menschliche Aktivität einen ernstzunehmenden Anteil an der allgemeinen oder auch regionalen Erwärmung hätte. Den meisten ist nicht bekannt, daß das IPCC Zielvorgaben für den Nachweis alleiniger menschlicher Schuld bekommen hat, den es bis heute aber schuldig geblieben ist. So etwas kann wohl niemand, der echte Wissenschaft kennt, mit Wissenschaft verwechseln. Wir sollen glauben, und wer nicht glaubt, der ist ein Ketzer. Soviel zum mittelalterlichen Zustand der Gegenwart. Ich schäme mich für diese Typen, die solchen Unsinn verbreiten und sich dafür noch als Gutmenschen feiern lassen.

    1. >>Der Begriff „Klimaleugner“ ist und bleibt eine Unverschämtheit, solange der wissenschaftliche Nachweis dafür fehlt, daß menschliche Aktivität einen ernstzunehmenden Anteil an der allgemeinen oder auch regionalen Erwärmung hätte.<<

      Wenn Sie sich bewußt machen, was die Physiker Ihnen jederzeit vorrechnen können, wie kalt es auf unserer Erde ohne die Treibhausgase wäre (ca. – 18 °C) und dass die unser Leben ermöglichenden Temperaturen den Treibhausgasen zu verdanken sind, dass aber eine Anreicherung dieser Treibhausgase seit Beginn der Verbrennung fossilen Kohlenstoffs (Erdgas, Erdöl, Kohle) um nahezu 50 Prozent die durchschnittliche Erdtemperatur erhöht, werden Sie zu einem anderen Urteil kommen.

      Raimund Kamm

        1. Ich befürchte leider, dass der Klimawandel existent und ein global äußerst drängendes Problem ist. Neben dem natürlichen Wandel des Klimas, spielen auch die menschlichen Einflüsse eine große Rolle. Das ist natürlich kein Freibrief für Windkraft und Co. Für mich als Naturschützer darf keine Form der Energieerzeugung die natürlichen und kulturellen Eigenarten unserer Landschaften, die Böden und das Grundwasser, sowie die Lebensräume von Pflanzen und Tieren beeinträchtigen oder gefährden.

          1. Mir ist bekannt, dass der VLAB niemals Zweifel am anthropogenen Klimawandel geäußert hat, und ich habe in einem Blogbeitrag deutlich herausgestellt, dass der VLAB vom Bayerischen Rundfunk vollkommen zu Unrecht an die Seite von EIKE gestellt worden ist (https://sternkekandidatkreistagvg.wordpress.com/2020/06/26/der-bayerische-rundfunk-schafft-feindbilder-und-spaltet-die-gesellschaft/). Wenn ich jedoch sehe, dass Prof. Dr. Latif, wie der der SPIEGEL seinerzeit berichtete, bereits im Jahre 2000 verkündet hatte, dass kalte Winter damals schon der Vergangenheit angehörten und es nie wieder Schnee und Frost geben werde (https://www.spiegel.de/consent-a-?targetUrl=https%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fwissenschaft%2Fmensch%2Fwinter-ade-nie-wieder-schnee-a-71456.html), dann frage ich mich doch, ob die enormen Geldsummen, die in die Klimawandelfolgenforschung geflossen sind und immer noch fließen, für den Naturschutz nicht besser verwendet worden wären.

  4. Dass „Klima“ sich verändert, keine auf Dauer gleichbleibenden Zustände ausweist und erdgeschichtlich nie gezeigt hat, sollte bekannt sein. Wenn sich das Klima seit 12.500 Jahren nicht geändert hätte, dann lebten wir wohl kaum hier, denn dann hätten wir immer noch Eiszeit. Insofern ist „Kampf gegen den Klimawandel“ doch eher ein Kampf gegen Ungewißheiten. Und um nicht im Nebel völlig herumzuirren, ist es unvermeidbar notwendig, Ursachen für Klimaänderungen zu erkennen. Und das Wissen ist da eher dürftig. Schwankende Sonnenaktivität, schwankende kosmische Strahlung dürften hinreichend als Einflußgrößen identifiziert sein. Weiteres ist Spekulation oder gar Phantasterei. CO2 in der Atmosphäre kann es nicht sein, weil es wie Wasserdampf eher für den Wärmeaustrag aus der Atmosphäre sorgt und wegen der Abhängigkeit der Abstrahlungsleistung mit der vierten Potenz der absoluten Temperatur: bei einem Temperaturanstieg um 1% steigt die Abstrahlungsleistung um etwas mehr als 4%. Hier liegt eine kräftige Gegenkopplung vor, was für eher stabile klimatische Verhältnisse spricht. Siehe auch: http://www.realplanet.eu . Folgerung: Wir brauchen weitere Grundlagenforschung. Und Forscher, die sich mit Physik auskennen. Was heute bei „Klimaforschern“, oft festellbar, nicht der Fall ist. Was wir nicht gebrauchen können, sind als „Klimaschutz“ getarnte Aktivitäten, deren Folgen unklar sind.

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