Eine Lanze für die Kälte

Die frühere grüne Parteivorsitzende Simone Peter, heute Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energien, beklagte jüngst in einem Tweed, dass ihr zu Hause die „Obstbaumblüten“ erfroren seien. Den plötzlichen Kälteeinbruch im Mai führte sie auf den Klimawandel zurück und forderte „Umsteuern jetzt“. Später wurde der Tweed gelöscht.

Dass Frau Peter dieses Jahr vielleicht eine magere Apfelernte haben wird, ist natürlich bedauerlich, aber so ist das mit der Natur. Sie ist notorisch wankelmütig, nie ist auf sie Verlass. Doch so folgenreich wie 2017 war der Kälteeinbruch diesmal glücklicherweise nicht. Die Bauern, immer auf der Jagd nach neuen Subventionen, meldeten bislang jedenfalls keine größeren Schäden.

Dabei war vor ein paar Wochen noch zu lesen, dass ein neuer Hitze- und Dürresommer unmittelbar bevorstehe, Folge des Klimawandels natürlich. dpa hatte eine diesbezügliche Pressemitteilung des Deutschen Wetterdienstes ein wenig zugespitzt, woraufhin andere Medien noch eine Schippe drauflegten:

Bild-online: „Jetzt schon zu trocken“ Katastrophenalarm, Waldbrände! Deutschland droht nächster Sahara-Sommer“

Bild: „Meteorologen sicher! Sahara-Sommer mit Mega-Dürre droht“

Die Welt: „Dürre – Die Wüste vor der Haustür“

Focus: „Dauer-Dürre  trocknet Deutschland aus: Wird jetzt das Trinkwasser knapp?“

RTL: „Angst vor der Super-Dürre: Droht uns ein Sahara-Sommer?“

Die größte deutsche Nachrichtenagentur hatte mit ihrer Husarenmeldung zwar einen „Durchläufer“ gelandet, musste jedoch zerknirscht zurückrudern. Über die massive Dürre in den Köpfen mancher Schreiber und den „Sahara-Sommer-Journalismus“ machte sich dann sogar die Berliner taz lustig. Dabei hatte die Behörde nur orakelt, dass, „sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden“.

Genauso gut hätte der Mann sagen können: Wenn es die nächste Tage morgens nicht hell wird, könnte es dunkel bleiben oder so ähnlich. dpa hätte dann vielleicht getextet, dass der Mann nicht ausgeschlossen habe, dass es nie mehr hell werde, woraufhin Bild getitelt hätte: Sonnen-Aus: Droht uns ewige Finsternis?“

Jedenfalls zeigten sich in Folge diverse Politiker „besorgt“ über den angeblich bevorstehenden Endzeit-Sommer. Der Bauernverband übermittelte eine „gewisse Nervosität“ angesichts des ausbleibenden „Aprilwetters“, woraufhin die Bundesregierung versicherte, die Sorgen der Landwirte ernst zu nehmen. Irgendeine Landes-Agrarministerin schloss Dürrehilfen aus und auch der Bundesgartenschau in Heilbronn machten laut dpa „die Wetterextreme zu schaffen“. So weit, so absehbar.

Dann kamen der Regen und die Kälte. Diesmal warb der diensthabende Meteorologe des DWD um Verständnis bei möglicherweise enttäuschten Sonnenanbetern, die sich über das strahlende Osterwetter zuvor noch gefreut hatten: Das durchwachsene Wetter „sei nicht im klassischen Sinne schön, aber zumindest für die Natur erfreulich, die bisher unter dem fehlenden Regen leide“. Das war immerhin sensibler formuliert als es die Bild-Hysteriker vermocht hätten.

Nun haben wir bald Mitte Mai und müssen immer noch bibbern und den Regenschirm mit uns herumschleppen. Und man muss wieder Angst um die Obstblüte haben und den neuen Weinjahrgang. Aber die Bilder brennender Wetterkerzen im Weinberg und besorgt in den grauen Himmel schauender Bauern machen sich wieder sehr gut auf der Panoramaseite.

Damit genug der Medienschelte. Ich möchte nämlich eine Lanze für die Kälte brechen. Ich finde einen feuchtkühlen Mai toll. Der Englische Garten ist jetzt herrlich grün und fast menschenleer. Ideal, um den Hund frei laufen zu lassen. Wenn die Sonne scheint und alles voller „Sonnenanbeter“, versucht mein Hund Poldi nämlich immer, sich gegen meinen Willen über die überall herumliegenden Pizzareste her zu machen.

Pech für die Klimahysteriker. Und die Landwirte hören vielleicht endlich einmal auf zu jammern! Schließlich heißt es ja nach alter Agrarönonomenregel: Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun und Fass. Schade wäre nur, wenn die kleinen Kohlmeisen, die sich in dem Nistkasten auf meinem Balkon eingerichtet haben, wegen der kühlen Witterung ihre Brut nicht durchbrächten. Im Zweifelsfall starten sie einen zweiten Versuch. Die Natur ist da flexibel.

Ein Gedanke zu „Eine Lanze für die Kälte“

  1. Über die Großdemo werden (dazu muss man kein Prophet sein) die gleichgerichteten Medien nur randmäßig berichten.Umso wichtiger ist es,dass jeder,der es irgendwie ermöglichen kann,zum Geburtstag des Grundgesetzes seine Meinung in Berlin kundtut.Auf zur Großdemo.
    Die Hysterie der Klimaidiologen (um ein anderes Wort zu vermeiden) wird allmählich auch den treuesten Lesern dieser Postillen und den Zuschauern der Nachrichtenfakes der Zwangsfinanzierten klar.Selber denken ist Bürgersache.

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