Opium für das Anti-Windkraft-Volk

Ein großer Befreiungsschlag sollte es werden: Die lang diskutierte 1000 Meter Abstandsregelung zwischen Windrädern und Siedlungen. Mit ihr wollte Bundesenergieminister Peter Altmaier die deutschen Windkraftgegner sedieren, um gleichzeitig den weiteren Ausbau der Landschaftskiller und Vogelschredder widerstandslos forcieren zu können.

Vergangene Woche war es dann endlich soweit. „Koalition legt Streit um Windkraft bei“ titelte am 18. Mai Michael Bauchmüller von der Süddeutschen Zeitung. Nur wenige Zeilen danach wies der Energiewende-Enthusiast Bauchmüller mit dezenter Schadenfreude darauf hin, dass letztendlich die Bundesländer selbst entscheiden könnten, wie groß der Abstand zwischen Windrädern und Gebäuden tatsächlich sein werde. Ob überhaupt ein Mindestabstand festgelegt wird, bliebe ebenfalls den Ländern überlassen. Viele Fürsten der Nordländer hatten bereits lange im Voraus und unter großem Jubel sogenannter Umweltverbände angekündigt, auf jegliche Mindestabstände verzichten zu wollen. Energiewende First!

Ein wirklich guter Tag für die Energiewender war jedoch die vom 13. bis 15. Mai ganz hygienekonform per Video-Konferenz durchgeführte Umweltministerkonferenz. Im Nebel der Corona-Krise beschlossen die obersten Naturschützer des Bundes und der Länder einen echten Paradigmenwechsel und räumten „Genehmigungshemmnisse“ für die Windkraft weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit und vieler Windkraftgegner aus dem Weg.

Man schuf die „Technische Anleitung Artenschutz“ (TA-Artenschutz), eine von der Windkraftlobby seit langem geforderte neue Verwaltungsvorschrift. Diese erlaubt Windkraftbetreibern, streng geschützte Vögel durch die Rotoren ihrer Windräder völlig legal zu töten. Aber nur so lange, bis die Population einer Art gefährdet sei. Dann müsse man bitte aufhören. Wer diese Gefährdung in der Praxis beurteilt dürfte klar sein: Natürlich die erfahrenen, unabhängigen Arten-Kartierer des Windkraftkartells.

Doch noch lange nicht genug. Weitere Hiobsbotschaften, wie die Verkürzung der Instanzen bei Klagen gegen Windenergieanlagen, die Einschränkung der aufschiebenden Wirkung von Klagen und Widersprüchen gegen Windkraftgenehmigungen und vieles mehr soll im Jahr 2020 noch auf den Weg gebracht werden. Der Umweltverband Greenpeace möchte sogar nachlegen und die Landschaftszerstörung mit Windrädern „zum öffentlichen Interesse“ erklären lassen. Das würde das Ende unserer letzten naturnahen Landschaften und vieler Arten bedeuten.

Wir müssen aufwachen. Es ist fünf nach zwölf! Vorbei ist die Zeit von Protestschreiben, Mahnwachen und Bannern. Neuer, kreativer Widerstand ist dringend Not-wendig.

Zur Person

Johannes Bradtka ist ehrenamtlicher Vorsitzender des VLAB. Im Hauptberuf ist er Förster. Er unterrichtet als Lehrbeauftragter an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Weihenstephan-Triesdorf im Fach „Waldnaturschutz & Flechten“

5 Gedanken zu „Opium für das Anti-Windkraft-Volk“

  1. höchstabstände heißen jetzt mindestabstände !

    ländern soll ermöglicht werden, einen mindestabstand von bis zu 1000m zwischen windrad und wohngebäude aufzunehmen.
    „mindestabstände bis zu“ ? eigentlich sollte man mindestabstände ab erwarten. altmaiers mindestabstände sind in wahrheit höchstabstände. staatlich festgelegt wird nun die obergrenze für mindestabstände: 1 kilometer.
    zur brechung des bürgerwiederstandes soll nun ein schweige und bestechungsgeld gezahlt werden, derr judas lohn als schenkung verbrämt.
    die maßnahmen der CDU/SPD-regierung , um den bürgern natur- und gesundheitsschädigende windkraftanlagen in ihrem unmittelbaren wohnumfeld aufzuzwingen, werden schön gelogen und mit irreführenden bezeichnungen versehen. die bürger werden wie immer für dumm verschenkt.

  2. Wir brauchen eine Kernsanierung unseres Systems. Weiterhin sollten wir allen Mitgliedern von Bund Naturschutz, Nabu, Greenpeace eine virtuelle Watschen geben und sie fragen „Wie lange wollt ihr indirekt die Aushöhlung von Arten- und Naturschutz dulden? Tretet endlich aus Eurem Verein aus!“

    1. Richtig! Die meisten Mitglieder würden aber wohl erst nach einem Aufruf einer Autorität und bei Vorhandensein eines adäquaten Ersatzes fürs Verbands- und Vereinsleben austreten. Im Mainstream muss die Erkenntnis ankommen, wie widersprüchlich die TA Artenschutz und der Ausbau als Ganzes zu den übrigen Zielen der Umweltverbände sind. Fragt sich nur, wie?

      1. Die Fragestellung in ihrem letzten Satz gleicht tatsächlich einer Quadratur des Kreises. Der von der Politik (bewusst?) gewählte Begriff „TA-Artenschutz“ liest sich harmlos, beinhaltet allerdings bei näherer Recherche eine Vielzahl an Grausamkeiten.

        Ihr erster Satz ist hingegen relativ einfach zu beantworten. Es gibt durchaus Alternativen zu den großen Verbänden. Beispielsweise den VLAB: https://www.landschaft-artenschutz.de/

  3. Ich habe eher zufällig von den Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen und der Umweltministerkonferenz erfahren. Erstaunlicherweise blieb das Thema sogar bei Vernunftkraft scheinbar unerwähnt. Erst auf eine Anfrage hin, wurde ich auf die tatsächlich existente aber aus meiner Sicht ungünstig formulierte Pressemitteilung und die Verbreitung derselben auf facebook hingewiesen. Das kann es doch nicht gewesen sein? Es gibt so viele Windkraftkritiker, so viele Experten und Initiativen und trotzdem hört und sieht man davon im Mainstream nichts.

    Wo bleibt der Aufstand gegen die „Umweltverbände“?

    Einer von ihnen, der NABU (bekannt aus Funk und Fernsehen, mittlerweile glaube ich auch zu wissen, weshalb) hält sich auffallend bedeckt zu diesem politischen Vorstoß, was wohl auch daran liegen könnte, dass sein Markenzeichen, die Wildvögel mehr denn je betroffen sein werden. Also stellte ich eine Anfrage zur Bewertung der politischen Vorstöße, da es mich sehr interessieren würde, wie der NABU deren Folgen insbesondere für Wildvögel und Insekten einschätzt. Die Frage, warum nichts aktuelles dazu auf nabu.de zu finden sei, konnte ich mir ebenfalls nicht verkneifen.

    Falls jemals etwas zurück kommt, werde ich es hier kundtun.

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