Oh zorniger Taranis, bitte ein Machtwort!

 

Watchblog-Glosse  Etscheits Alltagsstress

Brrraomm! Mit einem veritablen antiken Starkregenereignis beginnt die 19. Episode der Abenteuer von Asterix dem Gallier. Die wichtigsten Bewohner jenes kleinen gallischen Dorfes, das wir alle gut kennen, haben sich in der Hütte des Häuptlings Majestix versammelt, um das Ende des mächtigen Gewitters abzuwarten, das Taranis, der Gott des Donners, über sie hat hereinbrechen lassen. 

Plötzlich steht im zuckenden Schein der Blitze ein Fremder in der Tür, ein Seher. Er verspricht Beistand vor den entfesselten Naturgewalten und prophezeit nach Lektüre der Eingeweide eines vom örtlichen Fischhändler zur Verfügung gestellten, nicht mehr ganz frischen Schuppentieres, dass den Galliern keineswegs der Himmel auf den Kopf fallen werde und sich nach Ende des Regens – Borvo, dem Gott der Heilquellen, sei Dank – wieder schönes Wetter einstellen werde.

Zum Verdruss des skeptischen Asterix geht die wohlfeile Prophezeiung des Sehers alsbald in Erfüllung, das Gewitter verzieht sich und der Himmel klart wieder auf. Fortan bemühen sich die Notablen des Dorfes um die Gunst des vermeintlichen Propheten, der ihnen, bestens versorgt mit Wein, Feinkost und Sesterzen, das Blaue vom Himmel verspricht.

Eine Lehre dieser Geschichte lautet, dass man sich vor Menschen, die vorgeben, die Zukunft zu kennen, fernhalten sollte. Eine andere, dass nichts so alt ist wie die Katastrophenmeldung von gestern.

Aus Kapstadt in Südafrika wurde im Januar eine verheerende Dürre vermeldet. Der Tag, an dem erstmals eine Millionenstadt gänzlich ohne Trinkwasser dastehen würde, sei nicht mehr fern. Day Zero wurde dieser Tag genannt, analog zu Ground Zero, wo am 11. September 2001 das World Trade Center nach einer islamistischen Terrorattacke in sich zusammengesunken war. 

Die Medien waren voll mit Meldungen und Reportagen vom Epizentrum drohenden Weltuntergangs mangels Wasser. Und die Leser schauderte es, wie die Gallier in Majestix‘ Hütte, vor den Naturgewalten, die man nach fester Überzeugung der modernen Seher sogar selbst mit entfesselt hatte.

Kürzlich stolperte ich eher zufällig über einen bescheidenen Zweispalter auf der Panorama-Seite der Süddeutschen Zeitung. Darin hieß es lapidar, dass es im jetzt zu Ende gehenden südafrikanischen Winter viel geregnet habe, die Trinkwasserspeicher wieder gut gefüllt seien und die Katstrophe, man ahnt es schon, ausgeblieben sei.

Ja, die Stadtverwaltung habe sich sogar entschlossen, die strengen Restriktionen für den Wasserverbrauch in der Stadt unterhalb des berühmten Tafelbergs zu lockern. Ab 1. Oktober dürfe man statt bislang nur fünfzig wieder achtzig Liter pro Tag und Person verbrauchen, was sogar für ein Wannenbad reiche. Der Berliner Tagesspiegel druckte zu einem ähnlichen Bericht ein Foto, auf dem eine überschwemmte Straßen in Kapstadt zu sehen ist. 

Auf Sonnenschein folgt Regen, könnte man sagen, in Anlehnung an die nicht besonders kühne Vorhersage des halbseidenen gallischen Sehers. Wobei man hinzufügen muss, dass auch die Notmaßnahmen, die infolge der Dürre ergriffen wurden, ihren Teil dazu beigetragen haben, dass Day Zero auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. So wurde Duschwasser für die Toilettenspülung wiederverwendet und in den Restaurants kreierte man wassersparende Menüs. 

Überhaupt sei Wassersparen in Kapstadt schick geworden. Wobei die Lasten, wie SZ-Korrespondent Bernd Dörries feinfühlig anmerkte, nicht gleich verteilt gewesen seien. Die Menschen in den Townships habe es härter getroffen als die Swimmingpoolbesitzer in den Nobelquartieren.

Alles wieder gut? Wäre da nur nicht die Wirtschaftskrise, die das Land ereilt hat. Vor allem die Tourismusbranche ist betroffen. Die Buchungen allein aus Europa seien um zehn Prozent zurückgegangen, weil die Touristen den Einheimischen nicht das Wasser hätten wegnehmen wollen, schreibt die SZ.

Dabei seien doch Touris nur für ein Prozent des Wasserverbrauchs in Kapstadt verantwortlich, wird ein Mitarbeiter der regionalen Tourismusförderung zitiert. Weitaus dramatischer als die zu Ende gegangene Trockenheit seien die ausbleibenden Einnahmen und die verlorenen Arbeitsplätze in der Tourismusindustrie.

Zum Glück vergessen die Menschen jene Horrorberichte, die ihnen tagtäglich von den Medien präsentiert werden, ziemlich schnell, Touristen sogar ganz besonders schnell. Nach den diversen Anschlägen in Ägypten oder dem Putschversuch in der Türkei haben die Buchungen alsbald wieder angezogen.

Das dürfte auch in Südafrika nicht anders sein. Zumal das Land, das vergisst die Zeitung nicht anzumerken, durch den aktuellen Währungsverfall „günstig wie nie“ sei.

Darüber freuen wir uns, weil man jetzt wohl auch die Eco Township Tour durch die Wellblechhüttenstadt Langa noch etwas billiger bekommt: „Von der Innenstadt“, so eine Werbebotschaft im Internet, „geht es mit dem Zug in das Township. Am Bahnhof angekommen erwarten einen viele Obst- und Gemüseläden. Die Frauen, die das Gemüse verkaufen, bauen es selbst an. Im Township selbst wird man dann von einem Bewohner herumgeführt und man kann sich die Gartenprojekte genau ansehen. Und diese Touren sind alles andere als traurig. Viele sind überrascht, wie fröhlich und zufrieden die Menschen dort sind.“

Manchmal wünsche ich mir, dass Taranis endlich ein Machtwort spricht und der Himmel nicht nur dem einen oder anderen Journalisten auf den Kopf fallen möge: Brrraomm!

 

2 Gedanken zu „Oh zorniger Taranis, bitte ein Machtwort!“

  1. Gut geschrieben! Anfügen möchte man, dass der Journalismus-Dürre-Himmel in Deutschland jenen auf den Kopf fallen möge, die in diesem Jahrhundertsommer fast pausenlos die Klima-Alarmglocken betätigten. Das hatte natürlich Methode, und die Wahlen in willkommener Weise beeinflusst, wenn man zum x-ten Male hört, wie verzweifelte Intensivbauern auf ausgetrockneten Gülle-verseuchten norddeutschen Gründen und mit überhöhten Viehbeständen die Klimakatastrophe persönlichst beurteilen. Dem naturfernen aber grünen Publikum – vor allem in den Metropolregionen – ist inzwischen alles unterzujubeln, was irgendwie in den bevorstehenden Weltuntergang durch Klimawandel passt.

    Schon eigenartig, wie schnell man nicht nur beim gemeinen Volk, sondern gerade in den Chefetagen der Redaktionen vergisst. Nichts ist so alt wie das Geschreibsel in der gestrigen Zeitung. Das gilt noch immer. Ich bin mir sicher: Sollte dem warmen Dürrejahr 2018 ein kühler verregneter Sommer 2019 folgen, wird auch das ein Zeichen der Klima“katastrophe“ sein, die uns ereilt. Sollte gar ein kalter oder schneereicher Winter folgen, wäre auch das Zeichen des „aus den Fugen geratenen“ Klimas. Gute journalistische Aufklärung aber würde über die Tendenz zur Erhaltung meridionaler Wetterlagen im zur Zeit stärker undulierenden Jetstream-System der Erde berichten, und über den durchaus vermutlich vorhandenen Zusammenhang mit der nicht zu leugnenden Erderwärmung endlich einmal anschaulich aufklären. Diese Aufklärung würde auch über die Unsicherheiten der Einschätzung weiterer Zusammenhänge und Folgen berichten, und den Blick auf fundierte Anpassung statt auf Untergang richten. Aber halt – ich vergaß: Wir setzen gläubig und froh hoffend Windkraftindustrie gegen den Klimawandel und zerstören hierfür klimarelevante Wälder. Die modernen Seher haben’s uns gesagt: wir passen uns damit an, weil wir ja ein 1,5-Grad-Ziel festgesetzt haben.

    Populisten arbeiten ganz grundsätzlich mit der Angst, ob in Südafrika oder Europa, ob von rechts oder links, oder aus der „Mitte“. Auch das Schüren von Klima-Ängsten ist Populismus. Der aber wird von den Schreibern nicht benannt, denn er kommt aus der GRÜNEN Ecke, jener Partei, der ebenso – zum x-ten Mal – aus gleichen Alarm-Redaktionsstuben bescheinigt wird, das dort die neue bürgerliche Vernunft und die größte Kompetenz für das Bewältigen komplexer Zukunftsfragen zu finden sei.

    Schwer taten sie sich dennoch, die Alarmverwalter der schreibenden Zunft, den Dürre-bedrohten Menschen zu berichten, dass unser Jahrhundertsommer auch positive Seiten hatte: Ganz abgesehen vom Wohlfühlaspekt der Sonnenwärme beispielsweise eines der besten, wenn nicht das beste Jahr für den Erwerbsobstbau, ganz zu schweigen vom Jahrhundertwein, der vermutlich gekeltert werden wird.

    Wenn es dann nächstes Jahr wieder Spätfröste gibt und demgemäß wenig Äpfel, ist auch das ein Mosaikstein des Weltunterganges durch die Klima“katastrophe“. Befragen wir doch zukünftig einfach das Deutsche Klima-Orakel, wie es sein wird und wie wir es sehen sollen. Seine Seher und Sprecher sind landauf landab – redaktionell – unterwegs.

    1. Danke, Herr Etscheidt, für diesen Artikel, der meine Stimmung deutlich aufgehellt hat. Der Sommer war außergewöhnlich trocken hier bei uns in Nordhessen, aber heute regnet es wieder – wie schön. Und wenn nicht mehr so viel Angst geschürt werden würde, könnten wir uns auch der Probleme annehmen, die wir wirklich beeinflussen können – da gibt es gerade im Natur- und Landschaftsschutz genug zu tun!

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