Mir reichts, liebe Apokalyptiker

 

Ich habe sie auch lange Zeit ersehnt, die große Krise, die die Menschen dazu zwingt, endlich das Ruder herumzuwerfen. Doch jetzt, wo sie da ist,  die Katastrophe, vergeht mir die Lust am apokalyptischen Räsonieren.

„Das Grauen, das Grauen“, raunt Marlon Brando alias Oberst Kurtz, ein durchgeknallter US-Militär, der im vietnamesischen Urwald eine surrealistische Gewaltherrschaft über desertierte Soldaten und Angehörige einheimischer Bergvölker aufgebaut hat und jetzt von einem Kommando der US-Army zur Strecke gebracht werden soll. Es ist eine Schlüsselszene aus Francis Ford Coppolas Antikriegs-Thriller „Apokalypse now“ von 1979. Vierzig Jahre später haben wir sie nun die Megakrise, zumindest bahnt sich etwas an, das diese Züge trägt.

„Das Grauen“, schießt es mir manchmal durch den Kopf, wenn die Menschen auf der Straße einen großen Bogen um sich machen, wenn man beim scheuen Miteinander-Kommunizieren im Social-Distancing-Modus nur noch daran denkt, dass man sich jetzt vielleicht eine Tröpfcheninfektion einfangen könnte. Wenn die Medien nur noch ein Thema kennen, wenn man morgens mit Corona aufsteht und abends mit dem Virus zu Bett geht, auch wenn man ihn vielleicht noch gar nicht hat. Und wenn man darüber nachdenkt, dass das womöglich erst der Anfang ist. Denn vieles spricht dafür, dass uns die „Maßnahmen“ ziemlich lange erhalten bleiben und uns die größte Wirtschaftskrise seit dem „schwarzen Freitag“ im Jahre 1929 bevorsteht.

Aber es gibt natürlich auch eine kuriose Seite der Krise. Dass dieses Jahr das Münchner Oktoberfest ausfällt, gehört zu den Dingen, die ich am wenigsten bedaure, weil einem das den Anblick von im Pseudo-Trachtenlook kostümierten Touristen erspart und die Betrunkenen in der U-Bahn. Und dass es jetzt an jeder Straßenecke handgeschneiderte Atemschutzmasken zu kaufen gibt, die manche Leute sogar im eigenen Auto tragen, wenn sie allein unterwegs sind, ist irre komisch, wenn es nicht so irre wäre. Aber weder Oper, noch Theater, noch Konzerte womöglich bis Jahresende, das geht mich schwer an. Und vorerst keine Restaurantbesuche, keine Treffen mit Freuden, kein Kurzurlaub in Südtirol, keine Französischstunde bei Monsieur. Immerhin habe ich Rücklagen und noch genug zu arbeiten. Viele sind jedoch arbeitslos und sehen bang einer Zukunft entgegen, die sich mit jedem Tag etwas mehr verdüstert.

Bei allen ökologischen Bedenken bin ich doch immer sehr gerne gereist. Selbst wenn man nur zehn Tage in einem Nachbarland wie Frankreich oder Italien unterwegs ist, summiert sich die Erholungswirkung auf einen deutlich längeren Zeitraum. Man freut sich ja schon ein paar Wochen vor Urlaubsbeginn über den bevorstehenden Tapetenwechsel und zehrt danach noch ein paar Tage von den Erinnerungen und mitgebrachten regionalen Spezialitäten. Jetzt dehnt sich die Zeit zäh und ereignislos ins Unbekannte. Und die größte Abwechslung des Tages ist der Gang zum Supermarkt mit Schutzmaske, hinter der man keine Luft bekommt.

Solange die große Krise, die Apokalypse nur gefühlt ist oder, von manchen sogar ersehnt, kann man sich ganz gut darin einrichten. Vor allem, wenn man glaubt, man gehöre zu einer Gruppe Auserwählter, die DAS alles  schon immer haben kommen sehen, verbunden mit der eitlen Hoffnung, dass einen die eigene Auserwähltheit vor den ärgsten Folgen schützen möge. So wie die Leute, die in Katastrophenfilmen immer als erste vor dem drohenden Unheil warnen, aber nicht gehört werden. Am Ende zählen sie nach alter Hollywood-Regel zu den wenigen Überlebenden des Meteoriteneinschlags, des Mega-Erdbebens oder der alles verschlingenden Supernova.

Ich habe sie als Kind der Ökobewegung auch angebetet, die Herankunft der Apokalypse, die gewissermaßen zum Narrativ dieser Bewegung gehört. Wie es zu deren Narrativ gehört, den Richtung Abgrund rasenden Zug in letzter Sekunde stoppen zu können. Es müsse erst alles noch schlimmer kommen, bis die Menschen einsichtig würden und sich auf den rechten Pfad der Nachhaltigkeit begeben. Man müsse den Mitbürgern die Folgen ihres Handelns möglichst drastisch vor Augen führen und ihnen Angst machen, sonst kämen sie nicht zur Besinnung. Angst vor dem Ozonloch, der Klimakatastrophe, der Feinstaubhölle, der Megadürre, der Megaflut, der Atom-, Chemie- und Gentechnikkatastrophe, Angst vor dem Bienensterben, dem Waldsterben, dem Korallensterben, dem (ganz neu im Angebot) Blaumeisensterben und vor allem, was sonst sterben kann.

Jetzt ist sie da die ganz große Krise und sie kam, wie alle echten Krisen, von einer Seite, von der wir es absolut nicht erwartet hätten. Und plötzlich ist einem gar nicht mehr wohlig-gruselig zumute. Ehrlich gesagt, ich habe schon nach sechs Wochen Ausnahmezustand die Nase gestrichen voll und sehne mich nach nichts mehr, als einem normalen Leben. Aber wenn es nach Grünen-Chef Robert Habeck ginge, wird das nichts mit der Normalität, weil ja nach Corona – wenn ein „nach Corona“ überhaupt vorstellbar ist – wieder die Klimakrise auf der Tagesordnung steht, eine Krise, die per definitionem kein Ende kennt, weil es gegen sie „keinen Impfstoff gibt“.

Ich glaube nicht, dass Krisen, Katastrophen und partielle Weltuntergänge Gutes im Gepäck haben, so wie ein Krieg nie Gutes geboren hat. Und ich möchte jetzt in diesem ebenso merk- wie denkwürdigen Frühling des Jahres 2020 zumindest den Duft des Flieders genießen, der durch den Englischen Garten weht, den blauen Himmel und die seidige Luft. Und nicht schon wieder hören, dass der Flieder ja viel zu früh blühe und der wolkenlose Himmel und die Trockenheit Vorboten der nächsten Katastrophe seien. Und dass jetzt wirklich nichts mehr sei, wie zuvor, und wir uns gefälligst zu gewöhnen hätten an die „neue Normalität“ (Olaf Scholz), die keine ist.

Liebe Apokalyptiker, mir reichts.

 

5 Gedanken zu „Mir reichts, liebe Apokalyptiker“

  1. unsere fatale regierung:
    aus angst vor dem tod selbstmord gemacht – eine fehlentscheidung jagd die nächste – scheints wir sind im merkelschen sozialismus – manipulierte umfragen – hurra es lebe die alte ddr – scheints noch schlimmer – so vergaß man, trotz bundestagsdebatte 2012 und 2013 gemeinsam dem antrage des robert koch institutes nachzukommen – den pandemien sind eher die regel als die ausnahme, vorsorge zu betreiben, es blieb bei der debatte, so konnten keinerlei vorbereitung getroffen werden – den alle zusammen sind schuld – unsere volksvetreter verteten sich nur selbst und treten uns bürger. dank merkelscher gesinnungsdiktatur.
    hurra auf in den untergang !

    und siehe hier: das drama der erneuerbarten:
    die DUNKELFLAUTE
    https://www.youtube.com/channel/UCZVy8CuvJVJZ9HIc8oVF19Q

    1. Im Nachhinein ist man immer schlauer.
      Wir finden, dass unsere Politiker bisher in der Corona-Krise eine gute und verantwortungsvolle Arbeit leisteten.
      Pandemien sind nicht die Regel, sondern eine Ausnahme.
      Die letzte vergleichbare Pandemie ereignete sich in den Jahren 1918/1919, auch als „Spanische Grippe“ bekannt.
      Die von der Bundesregierung und den Ländern getroffenen Maßnahmen als „Gesinnungsdikatatur“ zu bezeichnen, ist aus unserer Sicht verfehlt und abwegig.
      Die Politiker sind in dieser schweren Zeit wirklich nicht zu beneiden und verdienen statt Beschimpfungen unsere volle Unterstützung und Solidarität.

  2. 1. Eine „Corona-Pandemie“ hat es nie gegeben, sondern nur das Hirngespinst gleichen Namens.
    2. Der wirtschaftliche Schaden durch die „Corona-Maßnahmen“ ist enorm und die meisten wissen noch gar nicht, wie gigantisch der Schaden wirklich ist:
    3. Der jetzt unvermeidliche, endgültige Absturz der Börsen wird demnächst ein Aktienvermögen von ca. 70 Billionen (7×10^13) Dollar vernichten!

    Also muss man fragen: Wie konnte tatsächlich wegen Nichts (daran besteht kein Zweifel) ein destruktives Ereignis von solch gigantischem Ausmaß entstehen?

    Irgendwelche Verschwörungstheorien (bzl. Geschäftsinteresse Pharma-Industrie, Blödmann Bill Gates, etc.) kann man vergessen, denn die paar Milliarden, die damit verdient werden können, sind nicht einmal „Portokasse“ verglichen mit dem volkswirtschaftlichen Schaden weltweit.

    Dass das Ereignis „zufällig“ geschah, kann man auch vergessen. Also: Was ist auf diesem kleinen blauen Planeten eigentlich los?

    Ganz egal, was man sich vorzustellen wagt: Die Wahrheit wird – wie stets – weit erstaunlicher sein…

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2020/05/vater-aller-dinge.html

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