Das Landschaftsbild – ein Lebenselixier

Ein Gastbeitrag von Prof. Werner Nohl  (Teil I)

Natur und Landschaft ästhetisch zu genießen, gehört für viele Menschen zu den schönen Dingen des Daseins. Die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA wies schon 1998 in den sogenannten ‚Toblacher Thesen’, in denen sich umweltorientierte Wissenschaftler, Künstler und Politiker kritisch mit der jahrzehntelangen Vernachlässigung des Schönen in der Alltagswelt der Menschen auseinandersetzten, mit ungewöhnlicher Deutlichkeit darauf hin, dass „Landschaft mehr als nur Raum zum Nutzen und Besiedeln“ sei. Für sie war Schönheit ein „Lebensmittel“, und die „Wiedergeburt der Landschaft“ wurde von ihnen expressis verbis mit einer „Rückkehr der Schönheit“ in Verbindung gebracht (alle Zitate: CIPRA, 1998).

Der Soziologe und Nationalökonom Max Weber hat schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts eindringlich herausgearbeitet, dass in unseren modernen Gesellschaften die Welt und damit auch die Landschaft entzaubert ist, und die Schuld dafür der Aufklärung und der Wissenschaftsentwicklung zugesprochen. Es ist sicher richtig, dass wir in unseren säkularen Gesellschaften nicht mehr auf die Idee kommen, dass uns beim Besuch eines einsam gelegenen Bachtals Fabelwesen wie etwa badende Nymphen begegnen könnten.

Andererseits: ist der Gedanke abwegig, dass uns beim Blick in das Geäst alter Bäume gelegentlich spirituelle Gefühle ergreifen? Ist unsere Welt tatsächlich so durchgängig entzaubert und ernüchtert, dass kein Platz mehr bleibt für kleine Schrullen, Verstiegenheiten und Spleene? Sicher, weite Bereiche unserer Gesellschaft wie die Arbeitswelt, die Behördenwelt oder die Welt der Politik sind in ihrem Handeln fast vollständig von liebloser Zweckrationalität bestimmt. Die funktionalistische Vernunft, die hier vorherrscht, hat alle diese Welten mehr oder weniger versachlicht und anonymisiert. Und auch vor unserer alltäglichen Lebenswelt, in der die Menschen doch noch weitgehend sinnhaft und erfahrungsorientiert handeln und erleben, haben diese systemischen Kräfte nicht halt gemacht; und dennoch gibt es hier – und damit auch in der Landschaft als alltäglichem Erfahrungsraum – immer noch viele Gelegenheiten, sich zu wundern und zu staunen.

Wie aber erklärt sich der einnehmende Charme, der auch heute noch von nicht wenigen Landschaften ausgeht? Das ist zum einen sicher der Landschaft selbst geschuldet, weil sie sich uns – im Gegensatz zu den Siedlungsflächen als ein Ort des Naturerlebens präsentiert, in dem eben noch nicht alles dem menschlichen Geist und Willen unterworfen ist. Ob wir aber Zauberhaftes in der Landschaft erleben, ist andererseits auch eine Frage unserer Einstellungen, Sehnsüchte und Einbildungskräfte. Wenn wir die Dinge – auch die der Landschaft – nur zweckbestimmt betrachten, sie allzu planvoll beobachten und sezieren, dann haben wir immer schon feste Vorstellungen von dem, was wir erleben wollen, und wir sehen tendenziell nur das, was wir sehen möchten.

Aber wenn nicht wir die Dinge betrachten sondern zulassen, dass die Dinge uns anschauen und ansprechen, dann werden wir nicht selten von vielen gewohnten und vorgefassten Meinungen über sie befreit. Dann lassen sie uns gegebenenfalls Botschaften zukommen, die wir sonst überhört hätten. In diesem Zustand der Selbst- und Weltvergessenheit kann es leicht geschehen, dass wir ihrem eigensinnigen Charme, ihren Reizen und ihrer Schönheit erliegen. Dann geht ein Zauber von ihnen aus, und dieser Zauber ist ästhetischer Natur. Diese entspannte und entlastete Einstellung den Dingen gegenüber, die nicht mit Passivität oder Leidenschaftslosigkeit verwechselt werden darf, ermöglicht uns das Staunen und die damit verbundene kindlich-ästhetische Freude an den Dingen. Goethe (1966, Bd. 1: 254) hat diese anmutende Eindringlichkeit der Dinge in dem kleinen, weithin bekannten Gedicht mit dem Titel „Gefunden“ in geradezu klassischer Weise zum Ausdruck gebracht:

„Ich ging im Walde so für mich hin,  um nichts zu suchen, das war mein Sinn. Im Schatten sah ich ein Blümchen stehn, wie Sterne leuchtend, wie Äuglein schön.“

Nähern wir uns der Landschaft in dieser Weise, dann kann sie auf uns wirken wie ein Zaubertrank, der unser Leben beflügelt, und sei es auch nur in den kurzen Zeiten aktueller Landschaftsbesuche. So wird die ästhetisch erlebte Landschaft, eben das Landschaftsbild zu einem Lebenselixier. Das Wort Elixier leitet sich vom arabischen „al-iksir“ ab, und bedeutet soviel wie „Stein der Weisen“. Für die Alchemisten des Mittelalters war das Lebenselixier ein Universalstoff, der nicht nur Materie zu veredeln, sondern auch die Seele zu läutern verstand. Dieser Stoff vermochte die Dinge nicht nur in Gold zu verwandeln, er war auch in der Lage als quasi flüssiges Gold dem Leben himmlische Freude und ultimativen Sinn zu verleihen.

Nun, als Kinder der Aufklärung können wir heute solcher Magie nicht mehr sehr viel abgewinnen. Aber wir sollten nicht vergessen, dass mit der ästhetischen Einstellung zu den Dingen das Landschaftsbild gleich einem Elixier uns dennoch Welten erschließen kann, die weit über naturwissenschaftliche Betrachtungen der Landschaft hinausreichen. Im Landschaftsbild als einer anschaulich gestalteten, landschaftsästhetischen Erfahrung können uns auch heute noch Begegnungen mit Landschaft widerfahren, in denen uns – ein wenig wie nach einem Zaubertrank – bisher übersehene oder lang vergessene Botschaften, die die landschaftlichen Dinge für uns bereit halten, wie Glücksversprechen anmuten oder unsere Phantasiekräfte in die Entwicklung besserer Welten involvieren. In Bezug auf Landschaft scheint mir also das Landschaftsbild in seiner ästhetischen Ausrichtung diesem Stein der Weisen nach wie vor auf der Spur zu sein. Kann es uns doch mit seinen erfrischenden und bereichernden Erscheinungsbildern auch heute noch lustvoll verzaubern, erstaunen und verblüffen.

Jedenfalls begann mit solchem Staunen über die Schönheit der Landschaft das neuzeitliche Europa. Und das kam so: In der Frühe des 26. Aprils 1335 macht sich der Dichter Francesco Petrarca, Sohn eines italienischen Emigranten in Diensten des Papstes, auf, den unweit seiner Heimatstadt Avignon in den Provenzalischen Voralpen gelegenen Mont Ventoux zu besteigen, dessen weiße, mit Kalkschotter bedeckte Gipfelregion er schon seit Kindheitstagen vor Augen hatte.

Petrarca, 31-jährig, befindet sich in Begleitung seines Bruders. Nach seinem eigenen Bericht, den er unmittelbar nach dem Abstieg verfasste, wollte er die ungewöhnliche Höhe des Berges (1912 m) aus eigener Anschauung kennen lernen. Er war gewiss nicht der erste Mensch, der einen Berg ohne äußeren, nützlichen Anlass bestieg. Er hatte zuvor bei Livius gelesen, dass Philipp von Mazedonien den Berg Haimon in Thessalien bestieg, weil er gehört hatte, dass man von seinem Gipfel aus, das Adriatische und das Schwarze Meer zugleich erblicken könne. Petrarca war sich wohl seines ungewöhnlichen Wunsches bewusst, denn er schreibt: „ ‚Was bei einem greisen König nicht getadelt’ werde, könne man einem ‚Jüngling ohne Teilnahme am öffentlichen Leben’ wohl nachsehen“ (Ritter, 1974: 141). Und er berichtet weiter, dass sie nach Aufbruch einen alten Hirten getroffen hätten, der ihnen in vielen Worten von der Besteigung des Berges abriet und erwähnte, dass er selbst den Berg in seiner Jugend bezwungen habe, aber erschöpft und erschlagen zurückgekehrt sei, und nichts als Reue empfunden habe. Seit dieser Zeit hätte man nie wieder von der Besteigung des Berges gehört.

Petrarca, einer der frühen Humanisten, geschult an Cicero und den Kirchenvätern, beginnt den Aufstieg in einer Geisteshaltung, die in der Tradition der Philosophie und der Theologie des Augustin steht. Er ist mit ihm der Meinung, dass in der Betrachtung der Natur der menschliche Geist sich dem Göttlichen zuwenden solle. Und so möchte er eigentlich in der Betrachtung der Bergnatur seines Gottes teilhaftig werden, den Glanz der göttlichen Wahrheit erleben. Dann aber während des Aufstiegs geschieht etwas Merkwürdiges: die geschaute Landschaft schlägt ihn spontan in ihren Bann, einfach weil sie schön ist. Der Liebreiz der ihm zu Füßen liegenden provenzalischen Natur nimmt ihn gefangen, verzaubert ihn. Für Augenblicke entzieht sie sich der vertrauten Augustin’schen Deutung, und er vermag sie nicht mehr als ein Symbol für die Größe Gottes zu interpretieren. Nach seiner theologischen Auffassung ist die Freude an der Natur als Mittel zum Zweck, zum Lob Gottes gedacht, jetzt jedoch in der spontanen Anschauung tritt sie als eigentlicher Zweck in sein Bewusstsein, er erlebt die Schönheit der Landschaft um ihrer selbst willen.

Dann auf dem Gipfel und zunächst noch überwältigt von der großartigen Natur ringsum, gleitet er zurück in die gewohnten Strukturen des theologisch-philosophischen Denkens. Er schlägt in mittelalterlicher Manier – wahllos – die Augustin’schen „Bekenntnisse“ auf, ein Buch, das er immer bei sich trug. Und er liest: „Die Menschen gehen hin und sehen staunend die Gipfel der Berge und die Fluten des Meeres ohne Grenzen, die weit dahin fließenden Ströme, den Saum des Ozeans und die Kreisbahnen der Gestirne, aber sie haben so nicht acht ihrer selbst“ (zit. nach Ritter, 1974: 143).

Bestürzt und zornig über sich selbst schließt er das Buch, und auf dem schweigsamen Abstieg wendet er sich dem eigenen Inneren, der eigenen Seele wieder zu. Reue überkommt ihn, dass er sich dem irdischen Glanz der Landschaft hingegeben hatte. Er berichtet, wie gering ihm nun die Höhe des Berges erschien im Vergleich zur Höhe, die der Mensch in theologischer Betrachtung zu erreichen vermöge. – So endete auf halbem Wege, was sich erst Jahrhunderte später als ästhetische Haltung zu Natur und Landschaft durchsetzte. Petrarcas Bericht aber ist das erste Zeugnis einer modernen ästhetischen Naturauffassung: sich von der Natur im Bild der Landschaft als etwas Schönem verzaubern zu lassen, und sich dem Landschaftsbild dabei mit Lust und Freude hinzugeben.

Wenn man das „Landschaftsbild“ in seiner vollen Bedeutung erfassen will, dann setzt man sich am besten zunächst mit dem Begriff des „landschaftsästhetischen Erlebnisses“ auseinander. Denn Landschaftsbilder sind, wie später noch herausgearbeitet wird, bildhaft organisierte landschaftsästhetische Erlebnisse. Wie der Begriff des „landschaftsästhetischen Erlebnisses“ nahe legt, findet die ästhetische Auseinandersetzung mit Landschaft grundsätzlich im Bewusstsein des Betrachters statt. Zunächst aber beginnt jedes landschaftsästhetische Erlebnis mit der Wahrnehmung einer konkret gegebenen Landschaft. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten sind dabei wichtige, informationsliefernde Sinneswahrnehmungen. Aber auch über Körperwahrnehmungen wie etwa über die Haut oder über die Sehnen und Gelenke beim Gehen, Wandern, Balancieren erwirbt der Landschaftsbetrachter, den ich im Folgenden auch korrekter als Rezipienten bezeichnen will, zahlreiche landschaftsbezogene Informationen. Entscheidend ist dabei, dass wie alle Wahrnehmung auch die landschaftliche von allem Anfang an gedanklich konzeptionalisiert ist. Das heißt, wir nehmen in aller Regel nicht elementare Formen, Farben, Klänge usw. wahr, sondern immer schon Bäume, Häuser, Bäche, Vogelgesang. Mit anderen Worten: alle unsere Wahrnehmungen sind gedanklich interpretierte Empfindungen. Denn als geistbegabte Wesen könnten wir nicht überleben, wenn wir dem Elementaren, auch dem landschaftlichen, nicht Sinn und Bedeutung verleihen würden.

Die Wahrnehmung ist also nicht die einzige Erkenntnisquelle ästhetischen Erlebens. Im landschaftsästhetischen Erlebnis reichert der Rezipient seine Landschaftswahrnehmungen mit geistigen Reflexionen, mit Wissen, Ahnungen, Vorstellungen und Visionen an. Die wahrgenommenen landschaftlichen Sachverhalte wirken wie Zeichen, die ihn in der Regel zu weiteren geistigen Assoziationen und gegenstandsbezogenen Reflexionen anregen. Auch wenn der Rezipient bei seinen Wahrnehmungen und Gedanken auf Werthaltungen und Einstellungen anderer Menschen oder gesellschaftlicher Einrichtungen zurückgreift, so bleiben seine landschaftsästhetischen Erlebnisse doch immer individuelle Erlebnisse. Sie sind dem einzelnen Landschaftsbetrachter immer so gegeben, „wie sie keinem anderen gegeben sein können“ (Rubinstein, 1971: 38).

Wie in Alltagserlebnissen wenden wir auch in ästhetischen Erlebnissen unsere Wahrnehmungsaufmerksamkeit immer jenen Dingen in der Landschaft zu, für die wir ein Bedürfnis haben. Denn wie alle Organismen können wir unser Leben nur mit Hilfe von außen, nur mit Unterstützung durch die Umwelt dauerhaft erhalten und gestalten. Das gilt auch für den ästhetischen Bereich. Lustvolles Erleben der Landschaft ist nur möglich, weil wir Bedürfnisse und Gefühle für sie als ästhetischen Gegenstand besitzen. Ohne Gefühle des Begehrens, wie sie sich in Bedürfnissen äußern, wären wir nicht in der Lage, überhaupt ästhetisch zu erleben. Die Dinge würden uns weder schön noch hässlich erscheinen, sie würden weder Gefühle der Lust noch solche der Unlust erregen. Jedem landschaftsästhetischen Erlebnis liegt also von Anfang an ein solcher Antrieb des Begehrens und Fühlens zugrunde (Dewey, 1934).

Menschen sind aber nicht nur bedürftig sondern auch fantasiebegabt. Daher geben sie sich auch in ästhetischen Erlebnissen nicht einfach mit der je vorfindbaren Landschaft zufrieden. Vielmehr wenden sie sich denjenigen Landschaften, Landschaftsbereichen oder Landschaftselementen zu, von denen sie glauben, dass sie ihren ästhetischen Bedürfnissen, Werten und Gefühlen am ehesten entgegenkommen. Und sie fügen gegebenenfalls ihren Wahrnehmungen und Vorstellungen imaginativ hinzu, was ihrer Meinung nach für eine gelungene ästhetische Befriedigung noch fehlt. Eben weil landschaftsästhetische Erlebnisse sich schon auf der Wahrnehmungsebene immer auch durch selektive und imaginative Momente auszeichnen, lässt sich landschaftsästhetisches Erleben als ein aktiv-schöpferischer Prozess verstehen. So erleben wir Landschaft nicht, wie sie ist, sondern wie sie uns erscheint, und das Landschaftsbild erweist sich als ein schöpferisches Erscheinungsbild der Landschaft.

Dass landschaftsästhetische Erlebnisse die Qualität schöpferischer Aneignungsakte besitzen, ist jedoch nicht nur dieser die Fantasie einschließenden Bedürftigkeit des Rezipienten geschuldet, die ihn dazu bringt, seine Wahrnehmungsaufmerksamkeit absichtsvoll oder willkürlich auf bestimmte Gegenstände zu richten. In landschaftsästhetischen Erlebnissen ist immer auch eine unwillkürliche Aufmerksamkeit wirksam, die von den Dingen der Landschaft ausgeht. So besitzen viele landschaftliche Elemente und Gegenstände Eigensinn und Eindrucksstärke, insbesondere dann, wenn sie sich auffallend von anderen Dingen unterscheiden und damit unsere Sinne ansprechen, oder wenn sie für uns eine spezifische Bedeutung besitzen. Als bedürftige und neugierige Wesen lassen wir uns gerne vom „Aufforderungscharakter“ (Lewin, 1934: 259) der Dinge gefangen nehmen. Folglich kann es in ästhetischen Erlebnissen oftmals zu einer ganz anderen Befriedigung unserer Bedürfnisse kommen, als wir uns das anfänglich möglicherweise vorgestellt und vorgenommen hatten. Dem Eigensinn der Dinge folgen, sich von ihnen animieren und fesseln lassen, ist aber genau das, was wir oben als den ästhetischen Zauber der Dinge identifiziert haben. Fassen wir zusammen: das im Landschaftsbild wirksame ästhetisches Erleben ist kein Vorgang, in dem der Rezipient die landschaftliche Wirklichkeit mittels seiner Sinne bloß nachvollzieht; vielmehr handelt es sich um einen kreativen Aneignungsprozess, in dem er als ästhetisch motiviertes Subjekt und zugleich empfänglich für die ästhetisch motivierende oder stimulierende Kraft seines landschaftlichen Umfeldes ein eigenes, auf ihn persönlich zugeschnittenes Bild der je vorgefundenen Landschaft produziert und als Erkenntnis in seinem ästhetischen Gedächtnis speichert.

Wenn landschaftsästhetische Erlebnisse nicht ohne Bedürfnisse denkbar sind, so geht es doch keineswegs darum, die Landschaft, auf die sich unsere Bedürfnisse richten, besitzen zu wollen, wie mit Kants Ästhetikkonzeption vom „interessenlosen Wohlgefallen“ geargwöhnt werden könnte. Landschaft in allen ihren Facetten und immer wieder aufs Neue ästhetisch zu erleben und zu genießen, ohne zu leugnen, dass auch das ästhetische Vergnügen interessengeleitet ist, hat mit Eigentums- und Besitzdenken nicht das geringste zu tun. Auf solche Fehlschlüsse hat schon Johannes Thoene zu Anfang des 20. Jahrhunderts in seiner „Ästhetik der Landschaft“ (1924: 105) hingewiesen: „Man möchte also die schöne Gegend nicht besitzen, sondern sie noch länger sehen und sich noch länger daran freuen.“

Literatur

CIPRA (1998): Schönheit – zukunftsfähig leben. Toblacher Thesen 1998. Toblach / Südtirol. www.kupoge.de/ifk/tutzinger-manifest/pdf/toblach-d.pdf (Zugriff: April 2017)

Dewey, J. (1934): Art as Experience. George Allen & Unwin Ltd., London

Goethe, J. W. von (1966): Werke – Kommentare und Register. Hamburger Ausgabe, textkritisch durchges. und mit Anm. von R. Trunz., 14. Bd., Christian Wegner Verlag, Hamburg

Lewin, K. (1934): Der Richtungsbegriff in der Psychologie. In: Psychologische Forschung, Bd. 19, Nr. 1, 249-299, Verlag von Julius Springer, Berlin Ritter, J. (1974): Zur Funktion des Ästhetischen in der modernen Gesellschaft. In: Ders., Subjektivität. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M.

Rubinstein, S. L. (1971): Grundlagen der Allgemeinen Psychologie. Verlag Volk und Wissen, Berlin

Thoene, J. (1924): Ästhetik der Landschaft. Volksvereinsverlag, M.Gladbach

Teilbeitrag aus: Nohl, W.: Das Landschaftsbild – ein Lebenselixier. Zur Bedeutung der Landschaftsästhetik heute. In: Natur und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern, Greifswald 2021, 49: 104-129)

Zum Autor:

Dr. Werner Nohl war bis zu seinem Ruhestand 2020 als freischaffender Landschaftsarchitekt, Honorarprofessor an der Technischen Universität München und als öffentlich bestellter Sachverständiger für Landschaftsästhetik und Erholungswesen tätig. Seit November 2021 ist er Beirat im Verein für Landschaftspflege, Artenschutz & Biodiversität e.V. (VLAB).

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Das Landschaftsbild – ein Lebenselixier“

  1. Ein wunderbarer Beitrag.
    Hier wird der Nagel auf dem Kopf getroffen.
    Danke für diese Worte, die so umfassend, sich bemühen zu beschreiben, dass es sich nicht nur um das Gesehene, sondern auch um das Gewirkte handelt.

    Mit freundlichen Grüßen
    G.Erdmann

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