Winterstürme, Windstrom und der deutsche Journalismus

Gastbeitrag von Wolfgang Epple

Soziologen, Volkswirte und Journalisten haben das Sagen und das Schreiben, wenn es um die Zukunft unseres Landes geht. Annette Beutler z.B. schreibt für die „Zeit“. Aus Anlass eines „Windstromrekordes“, ausgelöst durch den Wintersturm „Sabine“, der am 10. Februar 2020 über das Land zog, hat sie am 21. Februar 2020 eines der vielen Zeichen für das Elend der Berichterstattung zur sogenannten Energiewende geliefert.

In scheinbar gründliche Recherche gepackt bringt sie zunächst, wenn auch abgemildert, den erkennbaren Irrsinn der Energiewende auf den Punkt: Teurer Geisterstrom, Negativ-Preise an der Strombörse, Entschädigung für nicht produzierten Strom, Redispatch und Netzstabilitätsprobleme… Scheinbar gründlich sei aus dem Artikel belegt: Man lässt sich schließlich inspirieren von der „Denkfabrik“ Agora Energiewende und den Äußerungen der Windkraftbranche, und kolportiert große Teile der dortigen Wunschlisten.

Für die Botschaft muss jedoch genauer und zwischen den Zeilen gelesen werden: Kritiker der zum Scheitern verurteilten Energiewende und speziell der Windkraft fasst Frau Beutler zusammen unter dem Begriff „Klimaschutzgegner“. Im Zeichen der notorischen Diffamierung von Kritik an der Energiewende ist der Kunstgriff der diffusen Gleichsetzung inzwischen erprobtes Handwerkszeug der Energiewende-Begleitschreiber. Windkraftkritik kann niedergemacht werden: Windkraft ist gleich Klimaschutz; Kritik an der Windkraft ist gleich Gegnerschaft der Weltrettung.

Auch für die „Zeit“-Schreiberin ist neben dem heftig beklagten Erliegen des Ausbaus der Windkraft weiterer Dreh- und Angelpunkt der scheiternden Energiewende der „schleppende Netzausbau in Deutschland“. Es wird suggeriert, dass man ansonsten alles schon im Griff hätte. Die Schlagworte sind klangvoll: Demand-Side-Management-, Smard-Grid, Power-to-Gas, Sektorenkopplung und E-Mobilität…

Einverstanden – Soziologen oder Volkswirte müssen nichts verstehen von Naturwissenschaft, speziell von Physik, Energiespeicherung oder Großwetterlagen. Dennoch sollte man voraussetzen, dass allmählich bis in die Schreibstuben der Energiewende-begeisterten Eliten angekommen sein müsste, warum sich der bejubelte Spitzenstrom aus extremen Sturmereignissen selbst dann, wenn er munter von Nord nach irgendwo transportiert werden könnte, schlecht verstetigen und auf „ein Jahr lang“ strecken lässt, zur „Versorgung“ tausender Haushalte. Denn das suggerieren die Milchmädchenrechungen zum „nicht produzierten Strom“, die von der Zeit-Autorin transportiert werden: 210 GW, abgeregelt von Tennet, „alles andere als Peanuts“, schreibt sie, denn damit „ könnten 60.000 Haushalte, eine ganze Stadt, ein Jahr lang ihren kompletten Bedarf decken.“

Die „Versorgung“ von tausenden Haushalten“, ewig wiederkehrender Fake der Windkraftbranche. Die Wahrheit würde wehtun und wird nicht berichtet (siehe Literaturhinweis): Nichts trägt die Windkraft bei zur Versorgungssicherheit. Und das europaweit. Der Hinweis auf „Dutzende Projekte in ganz Deutschland“ ist ein weiteres Suggestiv, das unbedarften Lesern vermitteln soll, die Lösung der Speicherproblematik stünde unmittelbar bevor. Gesamtzahlen zur Primärenergie, Größenordnungen und Effizienz, Flächenausbeute oder Wirkungsgrade spielen in dieser Form der Energiewende-Berichterstattung schon lange keine Rolle mehr. Erst recht nicht die Kollateralschäden für Mensch und Natur.

Im Gegensatz zu den 100-%-Erneuerbaren-Utopien ist Fakt und – allerdings nicht unbedingt bei der „Zeit“ – nachlesbar: Ganz Deutschland wird in den Planspielen der Energiewende zur „Energielandschaft“ umgebaut und degradiert, zugestellt mit einer gegenüber heute (30 000 WEA) voraussichtlich versechsfachten Zahl von Windkraftanlagen. Physische Grenzen – auch die dichte Bebauung unseres Landes und das schon heute weit überstrapazierte und sehr begrenzte Naturkapital – keiner Rede wert.

Die monatelangen Schwachwindwetterlagen des vergangenen Winters über großen Teilen Mittel- und Süd-Europas waren für Elite-Journalisten der Marke „Zeit“ oder des unten zur Ehre kommenden BR kein Thema in Sachen Energiewende. Da hört und sieht man nichts von den (ausbleibenden) Windstromsegnungen, die – Sturm Sabine hat’s angeblich bewiesen – so und so viele Tausend Haushalte mit Strom versorgen könnten, hätte man doch wenigstens die Leitungen von Nord nach Süd.

Gerade das hat Methode: Bei Sturmereignissen melden sich die Energiewende-Propheten und Windkraft-Profiteure regelmäßig zu Wort mit Rekorden und satteln Forderungen und Behauptungen auf, die der zahlende Bürger ohnehin nicht verstehen kann, und also zu glauben hat.

Aber keine Bange: Die „Zeit“ wird im Verein mit anderen Elite-Medien die Umwandlung Deutschlands in das Energiewendewunderland kritisch und sorgfältig recherchierend begleiten. Diejenigen, die fundiert Einspruch erheben gegen die Vernichtung von Natur und Landschaft, gegen das Verbrennen von Volksvermögen (siehe Nachtrag), erprobter Infrastruktur und effizienter Technik werden als „Klimaschutzgegner“ einfach platt gemacht.

Die Energiewende-schön-schreibende Zunft hat wirkmächtige Unterstützung aus den Funkhäusern der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten: Seit Monaten ein Trommelfeuer zum jammervollen Niedergang der Windkraftbranche, zum Einhalten der Klimaziele nur über massiven Ausbau der Windkraft, zur angeblichen Verhinderung der Weltrettung durch uneinsichtige Bürger, die den Naturschutz missbrauchen und sowieso größtenteils bei der AfD anzusiedeln sind.

Unter zig öffentlich-rechtlichen Tendenz-Beiträgen der letzten Wochen und Monate sei ein aktuelles Filmchen des BR herausgegriffen, das am 12. März 2020 ausgestrahlt wurde. Der Titel vielsagend und zunächst ganz harmlos fragend: „Wende bei der Wende? Warum klappt das nicht so richtig mit den alternativen Energien?“

Was folgt, ist geschickt aufgemachte Propaganda, perfekt inszeniert mit den Wortmeldungen des scheidenden Bürgermeisters aus Bernried am Starnberger See, der mit „kleinen Veränderungen“ Bernried „unabhängig von den großen Versorgern machen wollte“, und dann doch durch die 10-H-Regelung ausgebremst wurde („des war alles ummasonst“, Minunte 1.10 des Beitrages).

Der BR lässt einfließen, und schickt aus dem aus dem off mit sanfter Frauenstimme: „Der Wunsch nach mehr erneuerbaren Energien ist da, bei Bürgern wie Bürgermeistern…“. Bestätigen und erklären darf dies der Vertreter der „Bürgerstiftung Energiewende Oberland“, Andreas Scharli, der das „leidige am Thema Klimaschutz“ (ab Minute 1.40 des Beitrages) mit einem krudem Kommentar zur Rechtslage garniert; Hauptdefizit aus solcher vom BR nicht hinterfragter Sicht: “dass wir gesetzlich no koa Verankerung hab’n“…Es folgt ein rechtssystematisch völlig abwegiger Vergleich mit dem „Brandschutz auf Berghütten“.

Dem letzten BR-konsumierenden Bayern müsste endlich klar werden, was uns dieser Energieberater und Lobbyist nun beibringt: „(…) nur der Klimaschutz ist nicht gesetzlich verankert. Ich hab‘ da keine Handhabe“. Dazu springt nun der der BR in die Bresche (ab Min. 2.00 des Beitrags): „Ganz im Gegenteil: Seit 2014 gibt es in Bayern auch noch die Abstandsregelung 10-H.“ Was folgt, ist das obligatorische Horst-Seehofer-Bashing, dessen fundierter Einspruch gegen die „Verspargelung“ Bayerns vom BR geschickt lächerlich gemacht wird. „(…) seitdem ist der Ausbau der Windkraft fast zum Erliegen gekommen“, schließt der sanft-weibliche Propagandaton aus dem BR-Off, nicht ohne den Hinweis, dass auch „viele „Fachleute“ das Ende von 10-H fordern“.

Dem BR ist die Kehrseite der Energiewende- und Windkraft-Medaille in jeder Hinsicht kein Wort wert. In dieser Kurzfassung genau drei Minuten gebührenfinanzierte – durchaus gekonnte – Propaganda und einseitige Stimmung-Mache, die sowohl Bildungsauftrag als auch Neutralitätsverpflichtung aus dem Rundfunkstaatsvertrag mit Füßen tritt. Leider erfährt man über die Autorin dieses BR-Machwerkes, Viola Nowak, im Internet so gut wie nichts. Man hätte gerne gewusst, wo sie ihre journalistische Ausbildung absolvierte. Zum Thema wird man jedoch noch mal fündig. Es gibt eine Langfassung des Propaganda-Beitrages – ab Min. 4.45 dieses Beitrages wird ein weiterer Windkraft-Held durch den BR aufgebaut: der Noch-Bürgermeister der Gemeinde Berg am Starnberger See.

Die Kritik an den dort aufgestellten Windkraftanlagen verbucht die BR-Autorin unter „Hass und Hetze“, der Bürgerwindpark und die „lokale Wertschöpfung“ hingegen werden gepriesen. Dass Windkraft keinen Beitrag zur Versorgungsicherheit leistet, weiß Frau Nowak nicht – oder sie verschweigt es, wie praktisch alle ÖR-Beiträge dies notorisch tun. Die Einseitigkeit des Beitrages gipfelt in der Aussage. „Mittlerweile sind die Windräder akzeptiert“. Von wem bitteschön? Man möchte gerne fragen: Wen haben Sie befragt?

Das Schluss-Suggestiv, das der BR verabreicht: Es wird suggeriert, dass die Bayerische Staatsregierung kein eindeutiges Bekenntnis zur Energiewende abgegeben hat; und nicht nur der Bürgermeister aus Bernried hofft für den Windkraftausbau in Bayern, „dass es bald eine „verlässliche Grundlage geben wird“. 10-H ist dies offensichtlich nicht für den öffentlich-rechtlichen Sender. Da ignoriert man öffentlich-rechtlich bewusst, dass diese Regelung beim bayrischen Verfassungsgerichtshof höchstrichterlich bereits seit 2016 bestätigt ist. Wenn es um Windkraft geht, ist geltendes Recht ganz offensichtlich lästig.

Einseitigkeit, gepaart mit Ausblenden wesentlicher Fakten, und Kolportage von Propaganda: Dieser Dreiklang dominiert inzwischen in einer solchen Penetranz das deutsche Energiewende-Mediengeschäft, dass kritische Würdigung und dokumentarisches Festhalten solcher Fehlleistungen zu Pflichten mündiger Bürger werden.

Zur beklemmenden Begleiterscheinung der deutschen Energiewende jedenfalls gehört inzwischen greifbar und belegbar der Niedergang des Journalismus.

Literaturempfehlung zur mangelnden Versorgunssicherheit durch Windkraft:

a) Linnemann, Th.; Vallana, G. S.: Windener- gie in Deutschland und Europa: Status quo, Potenziale und Herausforderungen in der Grundversorgung mit Elektrizität, Teil 1:Entwicklungen in Deutschland seit dem Jahr 2010. VGB PowerTech 97 (2017), Nr. 6, S. 63-73.

b) Linnemann, Th. & G. S. Vallana: Windenergie in Deutschland und Europa. Status quo, Potenziale und Herausforderungen in der Grundversorgung mit Elektrizität. Teil 2: Europäische Situation im Jahr 2017 PowerTech 10 2018; S. 68-86

Zur Person:

Wolfgang Epple ist seit rund 50 Jahren ehren- und hauptamtlich im Umwelt- und Naturschutz aktiv.

Der promovierte Zoologe und Evolutionsbiologe war viele Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter und später Landesgeschäftsführer Baden-Württemberg des NABU (vormals Deutscher Bund für Vogelschutz e.V.).

13 Gedanken zu „Winterstürme, Windstrom und der deutsche Journalismus“

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Epple,

    herzlichen Dank für Ihren scharfen, gleichwohl kultivierten Kommentar.

    Warum ist die deutsche Öffentlichkeit für solch einseitigen Journalismus empfänglich, warum ist solch einseitige Energie-Politik möglich? Es hat mutmaßlich mit der deutschen Geschichte zu tun, mit deren Entwicklung nach 1832 (Vormärz), mit dem daraus folgenden ambivalenten, zu Extremen neigenden öffentlichen Bewusstsein.

    Eine gesellschaftspsychologische Analyse tut not. Sie müsste von neutraler, historisch unverfänglicher Seite kommen.

    Gibt es solche Analysen, was könnte sie mit Blick auf die Energiepolitik anstoßen?

    Herzliche Grüße,

    Rudolf Ahrens-Botzong
    Ludwigswinkel / Südwestpfalz

  2. Zahlen widerlegen die Behauptungen von Herrn Epple

    1. Ich habe den Autor des als Literatur angegebenen Artikels beim VGB anzurufen versucht, um über fehlerhafte Aussagen zu sprechen. Der Autor hat den VGB verlassen und ist jetzt bei der RWE. Daraufhin habe ich den Chefredakteur antelefoniert und er meinte, dieser Artikel sei passiert. Man würde ihn – diplomatisch gesagt – so heute nicht mehr veröffentlichen.

    2. Die Windkraft hat wie auch die Photovoltaik und die Bioenergie uns geholfen, 11 AKW abzuschalten und zugleich die Kohlestromproduktion zu verringern. Im Jahr 2000 löste das Erneuerbare Energie Gesetz (EEG) das seit 1991 geltende Stromeinspeisegesetz ab. Beeindruckend die Erfolgszahlen:
    Seitdem stieg die Windstromproduktion von 9,5 Mrd. kWh (Mrd. kWh = Terawattstunden, TWh) auf 126,4 TWh. Die Atomstromerzeugung sank um 94,4 TWh. Die Photovoltaikstromerzeugung stieg von Null auf 46,9 TWh und die Bioenergie steigerte ihre Stromproduktion um 43,2 TWh. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft sank wegen der zunehmenden Trockenheit um 6,9 TWh. Ein großer Erfolg ist, dass in dieser Zeit die Kohleverstromung um 120,5 TWh gesenkt werden konnte. Allerdings stieg in dieser Zeit die ebenfalls klimaschädliche Erdgasverstromung um 42,1 TWh. Die im Jahr 2000 noch negative Stromhandelsbilanz war im Jahr 2019 mit 36,6 TWh deutlich im Plus. Quelle all dieser Zahlen die AGEB. Und im Schnitt hat Deutschland je Kilowattstunde exportierten Stroms mehr erlöst als je Kilowattstunde importierten Stroms wir bezahlt haben (Quelle ISE Fraunhofer Freiburg).

    3. Unsere Versorgungssicherheit gemessen mit dem SAIDI (System Average Interruption Duration Index) lag im Jahr 2006 (frühere Zahlen fand ich nicht) noch bei 21,5 Minuten/a. Im Jahr 2018 bei 13,9 Min/a. Quelle BNetzA. Unsere mit viel Atomkraft arbeitenden Nachbarländer Belgien und Frankreich haben höhere Ausfallzahlen.

    4. Im ersten Drittel dieses Jahres, das wind- und sonnenreich war, stieg in der öffentlichen Stromversorgung der Anteil des Stroms aus Erneuerbaren Energien auf vor einigen Jahren noch nicht für möglich gehaltene 55 Prozent.

    5. Dank des großartigen technischen Fortschritts kostet heute aus neuen Windkraftanlagen selbst in Bayern der Strom nur noch rund 5 ct/kWh. Aus großen PV-Freilandanlagen sogar unter 5 ct/kWh.

    Raimund Kamm
    Vorstand seit 2000 in Deutschlands mitgliederstärksten AntiAtom-BI und seit 2018 ehrenamtlicher Vorsitzender der Landesvertretung Bayern (LEE Bayern) des Bundesverbandes Erneuerbare Energie e.V.

    1. Sehr geehrter Herr Kamm,

      ich bitte Sie um einen ergänzenden Kommentar, worin Sie auf die regelmäßigen Statistiken von https://www.vernunftkraft.de/
      eingehen.

      Eine weitere Bitte: Gehen Sie auch auf die psychosozialen Aspekte ein. Seit einiger Zeit wird ein wesentlicher Ausbau der Windkraft gefordert; von Verdrei-, Verfünffachung gar des heutigen Anlagenbestands wird geschrieben, Repowering käme noch hinzu.

      Die Menschen im Lande würden allenthalben, wo es technisch nur möglich wäre, von den riesigen WKA umstellt. Sie würden sich bedrängt fühlen, mit psychischen, vielleicht auch psychosomatischen Folgen. Ein Auskommen gäbe es wohl nur für die „Schönen und Reichen“ – in der Ferne. Wie würde man das jedoch für uns Normalbürger auffangen?

      Herr Kamm, die Gesellschaft wartet auf Antworten.

      Mit freundlichem Gruß, Rudolf Ahrens-Botzong

    2. Herr Kamm hatte auch mich als Autor des Kommentars mit seinen Zahlen und leider auch mit dem Versuch persönlicher Herabwürdigung aufgesucht. Seine Zahlen erschüttern in keiner Weise die von mir formulierten Aussagen. Gerade deshalb ist sein Beitrag auch Mahnung: Das Nachsprechen der Propaganda der EE-Branche ersetzt nicht den inhaltlich sauber geführten Dialog. Herr Kamm nimmt einfachste Fakten nicht zur Kenntnis, die sogar von fachfremden Journalisten verstanden und kritisiert werden. Ich hatte ihm u.a. eine einfach zu verstehende Lektüre empfohlen: https://www.physi.uni-heidelberg.de/~dubbers/energiewende/text.pdf.

      Herr Kamm blendet – typisch für die fanatische Pro-Windkraft-Haltung – neben den physikalischen Fakten jeden Kollateralschaden der Erneuerbaren Energien und der sogenannten Energiewende gänzlich aus – nicht nur den Schaden für Mensch, Landschaft und Natur – sondern selbst die asozialen Folgen (s.u., sein entlarvender Hinweis auf den Strompreis).

      Dass die auf „Klimaschutz“ gebürsteten Unternehmen sich von kritischen Artikeln aus ihren eigenen Reihen mit Formulierungen wie “ ist passiert“ absetzen wollen, ist hingegen weiteres Zeichen für den Niedergang der Kultur des wissenschaftlichen Dialogs rund um die behauptete Weltrettung durch Erneuerbare Energien. Umso mehr sei das Studium dieser Artikel mit ihrer ernüchternden Bilanz empfohlen. Man wird sie nicht mehr aus der Welt schaffen können, so wenig wie den neuesten Film vom Michael Moore („Planet of the Humans“ hier: https://www.youtube.com/watch?v=Zk11vI-7czE), der mit dem naiven Irrglauben an die Weltrettung durch naturfressende Technologien kritisch ins Gericht geht. Sollten die beiden von mir zitierten Artikel vom Netz genommen werden, kann ich jederzeit für Interessierte mit heruntergeladenen pdf-Fassungen dienen.

      Raimund Kamms abschließender Hinweis auf den Strompreis von rund 5 Ct pro kWh sei bewusst aufgegriffen: Er ist ein Schlag ins Gesicht aller Stromkunden, die bekanntlich in Deutschland dank des von ihm gefeierten „großartigen technischen Fortschrittes“ als Endverbraucher in Wirklichkeit den 6-fachen Preis bezahlen, Tendenz steigend. Sein Hinweis ist Zeichen für die Realitätsferne und die einäugig blinde Argumentation des Energiewende-Fanatismus made in Germany. Wohlgemerkt – der reale Strompreis spiegelt die versteckten Kosten des jetzt schon sichtbaren Scheiterns der „Erneuerbaren“, insbesondere aber den asozialen Aspekt einer „Energiewende“ wieder, die in Wirklichkeit ein rechtlich fragwürdiges Monster-Unterfangen zu Gunsten eines industriellen Komplexes und seiner trittbrettfahrenden Gewinnler ist, – ein Unterfangen, in dem Volksvermögen, Natur und Landschaft gleichermaßen vernichtet und der zukünftigen Generation die Möglichkeit kluger Entscheidungen zum nachhaltigen Umgang mit den begrenzten Ressourcen der Erde genommen wird.

      1. Sehr geehrter Herr Dr. Ahrens-Botzong!

        Zu welchen Zahlen der Webseite möchten Sie denn meinen Kommentar?

        Psychosoziale Aspekte? Das ist ein weites Feld. Wenn ich ein gut geplantes Windrad sehe, freue ich mich, weil ich darin einen Mosaikstein bei der Überwindung des in Deutschland weitgehend verdrängten extrem krankmachenden Uranabbaus in Namibia, im Niger, in Tansania usw. sehe. Deutschland war mal mit der Wismut in der DDR der größte Uranlieferant der Erde. Tausende Beschäftigte haben dies mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben bezahlt.

        Wenn ich ein gut gebautes Windrad sehe, denke ich daran, dass dies einen kleinen Beitrag zur Überwindung der Krebserkrankungen speziell von Kleinkindern im Umkreis der AKW leistet, dass wir damit auch aufhören extrem strahlenden Atommüll zu produzieren, der zum Abklingen seiner tödlichen Strahlung weit über eine Million Jahre von der Biosphäre isoliert werden muss.

        Und ich sehe in gut gemachten Windrädern oder Photovoltaikanlagen einen Beitrag, um die unsere Nachkommen bedrohende Erdaufheizung, die durch das Verbrennen fossiler Rohstoffe befeuert wird, zu stoppen.

        Dass damit auch die landschaftsverschandelnden Bergwerke (ewige Bergschäden im Ruhrgebiet) und Riesentagebaue beendet werden. Auch die in gerade fernen Ländern große Umweltschäden verursachende Erdöl- und Erdgasförderung.

        Wohnhäuser dürfen nicht durch Windräder umzingelt werden! Wo das in der Vergangenheit gemacht wurde, muss dies korrigiert werden, spätestens bei einer eventuell beabsichtigten Erneuerung der Anlage.

        Wir müssen auch in der Gesellschaft einen Dialog führen, wie hoch denn Windräder in unserer Landschaft werden dürfen. Und es muss Bereiche geben, die frei bleiben von Windkraftwerken oder anderen technischen Einrichtungen, möglichst auch von Straßen. Wo wir Menschen die Natur, die bei uns in Deutschland allerdings nahezu überall durch uns Menschen verändert wurde (beispielsweise durch den Stickstoffeintrag infolge unseres Autoverkehrs, der die artenreichen Magerstandorte erstickt), noch urtümlich erleben können.

        Aktuell erleben wir durch die Einschränkungen infolge der Coronaseuche, dass es auch einen Himmel ohne Kondensstreifen und Flugzeuge geben kann.

        Windräder können eine Landschaft überlasten. Auch deswegen müssen sie verteilt werden. Heute steht in Schleswig-Holstein, das genauso dicht besiedelt ist wie Bayern, alle 4 Quadratkilometer eine Windkraftanlage. In Bayern alle 60 Quadratkilometer.

        Übrigens: Wir streben als Umweltschützer eine Energiewende mit 3 x E an: Einsparen, Effizienz, Erneuerbare. Und wir streben eine Verkehrswende gemäß 3 x V an: Vermeiden, Verlagern, Verbessern. Das Verkehrsvolumen in Deutschland muss wieder sinken.

        Freundliche Grüße!
        Raimund Kamm

        1. Sehr geehrter Herr Kamm,

          herzlichen Dank für Ihre ausführliche und nachdenkliche Antwort.

          Ich möchte hier noch den quantitativen Aspekt nachtragen, damit ein Gesamtbild entsteht. Rolf Schuster analysiert regelmäßig die deutsche Energieversorgung; seine Daten und Diagramme veröffentlicht er im Internet:
          https://www.vernunftkraft-odenwald.de/grafiken-von-rolf-schuster-zur-energiewende/

          Das Problem der Erneuerbaren ist deren Volatilität sowie, auf den Primärenergiebedarf Deutschlands bezogen (rund 500 TWh / a), die unvorstellbare Zahl dafür benötigter Anlagen.
          Zu diesem Themenkreis hatte ich um eine Ergänzung Ihres Kommentars gebeten.

          Sie betrachten sorgsam die Auswirkung von Windkraftanlagen auf unsere Landschaften. Ich möchte Bilder aus meiner Heimat beifügen, dem Biosphärenreservat Pfälzerwald:
          https://www.pfaelzerwald.de/fotogalerie/

          Diese Landschaftsbilder sowie ähnliche im Allgäu, Schwäbischer Alb, Odenwald, Taunus, Hunsrück, Eifel, Ahrgebirge, Westerwald, Hessisches Bergland, Weserbergland, Thüringerwald, Erzgebirge, Harz, Brandenburg . . . müssen erhalten bleiben !

          Setzen wir diesen Diskurs unmittelbar fort: arboribus@t-online.de

          Freundliche Grüße aus der Südwestpfalz,
          Rudolf Ahrens-Botzong
          (Fachbeirat Landschaftsschutz der Naturschutz-Initiative e. V.)

    3. Raimund Kamm schreibt in seinem Kommentar vom 2. Mai 2020, er habe ein Telefonat mit dem Chefredakteur der VGB-Verbandszeitschrift geführt, um mangels Erreichbarkeit der Autoren der VGB-Windstudie über fehlerhafte Aussagen zu sprechen. Der Chefredakteur habe „gemeint, dieser Artikel sei passiert. Man würde ihn – diplomatisch gesagt – so heute nicht mehr veröffentlichen.“

      Raimund Kamm hält Lesern seines Kommentares damit einen entscheidenden Hinweis aus seinem Telefonat mit dem Chefredakteur vor … nämlich den Hinweis, dass die Ergebnisse der VGB-Windstudie nach wie vor fachlich korrekt und die technischen Aussagen unwidersprochen sind.

      Warum sollte das auch anders sein?

      In der VGB-Windstudie haben wir als Autoren auf Basis allgemein zugänglicher Transparenzdaten der Übertragungsnetzbetreiber langjährige Betriebsdaten zur Windstromproduktion in Deutschland (2010 bis 2017) und in Europa (2015 bis 2017) ausgewertet und festgestellt:

      1.) Der jährliche Minimalwert der ins Stromnetz eingespeisten Leistung des gesamten Windenergieanlagenkollektivs in Deutschland lag in jedem Jahr seit 2010 in mindestens einer Stunde weit unterhalb von 1 % der aktuellen Nennleistung dieses Kollektivs, obwohl sich die Nennleistung durch Zubau im Zeitraum bis 2017 mehr als verdoppelt hat. Ein Ausgleich der eingespeisten Leistungen des „deutschen Windparks“ in einem Maße, das einen Verzicht auf planbare konventionelle Kraftwerksleistung ermöglichen würde, hat damit bislang praktisch nicht stattgefunden. Dies bedeutet, dass aus Sicht der Versorgungssicherheit (Netzstabilität) sowie mangels großtechnischer, vor allem saisonaler Energiespeicher immer eine doppelte Infrastruktur mit einem planbaren 100 %-Backup für jedes Kilowatt installierter Windenergieanlagen-Nennleistung vorzuhalten ist.

      2.) In Europa erreicht der jährliche Minimalwert rechnerisch und selbst unter stark vereinfachend begünstigender Annahme einer Kupferplatte über Europa (d.h. keinerlei Netzverluste bzw. punktförmige Einspeisung der europaweit verteilten Anlagen) gerade einmal 4 bis 5 % der Nennleistung des „europäischen Windparks“. Will heißen: Auch aus europäischer Sicht benötigen wir quasi eine doppelte Kraftwerksinfrastruktur, wenn Windenergie einer der Eckpfeiler der Energiewende sein soll.

      3.) Ein weiteres Ergebnis aus europäischer Sicht: Gegenseitige Unterstützung mit Windstrom ist in vielen Fällen nur eingeschränkt möglich. Weht bei uns der Wind stark, so ist das in unseren direkten Nachbarländern häufig auch der Fall. Und umgekehrt. Will heißen: Im Zweifel können uns unsere Nachbarn – sollten sie ebenfalls eine Energiewende nach deutschem Vorbild umsetzen – künftig in vielen Fällen entweder keinen überschüssigen Windstrom abnehmen, da sie selbst über genügend eigenen Windstrom verfügen, oder sie können uns nicht beliefern, da sie zeitgleich selbst ebenfalls kaum Windstrom produzieren. Anders – als intuitiv vermutbar – ist die Windstromproduktion in Europa raumzeitlich korreliert. Die Netzverluste beim Stromtransport über große Entfernungen von mehreren tausend Kilometern sind nicht vernachlässigbar.

      Wir haben Ergebnisse der VGB-Windstudie im Herbst 2017 in Bad Honnef beim Arbeitskreis Energie (AKE) der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und im Herbst 2018 in Barcelona bei der Energy Group der European Physical Society (EPS) präsentiert und zur Diskussion gestellt.

      Nach Veröffentlichung der VGB-Windstudie haben wir über einen längeren Zeitraum zahlreiche Leserzuschriften mit weitestgehend positiv-zustimmender Resonanz erfahren, auch aus dem Ausland. Es gab keine fachlich fundierte Rückmeldung, die uns veranlasst hätte, die von uns getroffenen Aussagen zu revidieren. Das Gegenteil ist der Fall: Wir bekräftigen unsere Aussagen, die auch für neuere Betriebsdaten der Jahre 2018 und 2019 weiterhin zutreffen.

      Für eine Einschätzung der Zahlen, die Raimund Kamm präsentiert, um die Vorzüge regenerativer Energien hervorzuheben, sei Lesern insbesondere die in der Oktoberausgabe 2019 des Physik Journals veröffentlichte „Zwischenbilanz der Energiewende“ von Friedrich Wagner empfohlen.

      Thomas Linnemann & Guido S. Vallana

  3. Sehr geehrter Herr Ahrens-Botzong,

    >>Das Problem der Erneuerbaren ist deren Volatilität sowie, auf den Primärenergiebedarf Deutschlands bezogen (rund 500 TWh / a), die unvorstellbare Zahl dafür benötigter Anlagen.<<

    Hier noch zwei öffentliche Antworten:

    1. In der Tat sind die Erneuerbaren Energien als Naturenergien naturabhängig, also abhängig von der Jahreszeit (PV) wie Tageszeit (PV) und dem Wetter (PV & Windkraft). Ausnahme die Geothermie und geringer abhängig sind die Wasserkraft und die Bioenergie.

    Doch auch die nuklear und fossil betriebenen Anlagen können einbrechen. So fielen von den 54 Atomreaktoren Japans nach der Fukushima-Katastrophe innerhalb weniger Monate alle aus. Wenn in Deutschland oder auch nur in Frankreich, der Schweiz oder Schweden ein AKW einen katastrophalen Unfall hätte, würden vermutlich auch in unserem Land innerhalb weniger Tage alle AKW abgeschaltet werden. Wenigstens bis geklärt wäre, dass dies bei uns nicht passieren könnte.

    Und auch Steinkohle-, Gas- und Ölkraftwerke könnten durch Boykottmaßnahmen von ihrer Brennstoffzufuhr abgeschnitten werden. Die Älteren von uns können sich noch an den Ölboykott von 1973 erinnern. In der DDR, die ein schlechteres Versorgungssystem als die BRD hatte, sind in einem extrem kalten Winter mal Tagebaue eingefroren, so dass die Kohlekraftwerke nur noch teilweise liefen. Franzosen und Polen erleben es immer wieder, dass sie ihre mit Wasser gekühlten AKW in Frankreich und Kohlekraftwerke in Polen wegen Wassermangels drosseln müssen, und dann Stromverbraucher zwangsweise abgeschaltet werden.

    Für unsere Versorgungssicherheit sind fünf Bausteine wichtig:

    a. Mix der EE-Arten mit ihren unterschiedlichen auch saison- und wetterbedingten Erzeugungsprofilen
    b. Die großräumige Verteilung und Vernetzung der Anlagen, um die Wetterunterschiede zu nutzen
    c. Lastmanagement, also Steuerung flexibler Stromverbraucher (Metallschmelzen, Kühlhäuser, …) nach dem schwankenden Angebot der zwar preiswerten und sauberen aber wetterabhängigen EE-Stromquellen
    d. Aufbau von Speichern. Wobei heute noch nicht klar ist, welche Speicher ökonomisch und ökologisch am besten geeignet sind
    e. Einige Reservekraftwerke, am besten vermutlich preiswerte Gasturbinen, bei denen der Nachteil des schlechten Wirkungsgrads bei im Jahr vielleicht nur 200 Stunden Laufzeit weniger ins Gewicht fällt.

    2. Primärenergie ist der falsche Maßstab, um die Leistungen der Erneuerbaren Energien zu messen. Denn beispielsweise eine Kilowattstunde Atomstrom wird mit drei (!) Kilowattstunden Primärenergie gerechnet, denn zwei kWh werden als Abfallwärme über die Kühltürme abgeleitet.

    Hingegen wird 1 kWh Strom aus Wasser- oder Windkraft oder Photovoltaik mit einer kWh Primärenergie verrechnet.

    So sehen sie, dass durch die Stilllegung seit 2010 von 10 Atomreaktoren in Deutschland der Primärenergieverbrauch bis Ende 2019 um ein Zehntel gesunken ist, obwohl in dieser Zeit das Autofahren gewachsen und die Stromerzeugung nur minimal gesunken ist.

    Immer wenn Leute die Stromerzeugung in unserem Land mit dem Maßstab Primärenergie analysieren, versucht man die Bürger hinters Licht zu führen.

    Raimund Kamm
    Vorstand bei http://www.atommuell-lager.de

  4. Sehr geehrter Herr Kamm,

    herzlichen Dank wieder für Ihre ausführliche Antwort und Analyse.

    Zweifelsohne benötigt unsere – man gestatte die Bezeichnung neoliberale – Lebensweise eine kaum vorstellbare Menge an Energie. Ich bitte hier um Nachsicht für eine Verkürzung in meinem vorausgehenden Kommentar; darin hatte ich nicht klar zwischen Primär- und Endenergiebedarf unterschieden, auch eine zu niedrige Zahl genannt. Daten für Deutschland, sowie Bergriffserklärungen findet man hier
    https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren
    und graphisch aufbereitet:
    https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren

    Der gesamte Endenergiebedarf Deutschlands betrug 2018 demnach rund 2 500 TWh.
    (1 TWh = 1 000 000 000 KWh)

    Die Volatilität der Erneuerbaren würde zwar etwas ausgeglichen, wenn deren Standorte
    europaweit verteilt sind und man den Ertrag über Fernleitungen sowie Lastmanagement gerecht verteilt. Klar aber dass auch Energiespeicher in einer heute noch nicht verfügbaren Größenordnung benötigt würden (die zudem weitere Umwandlungsverluste mit sich bringen, besonders bei Power to X to power – Systemen). Lithium-basierte Redoxsysteme kommen aus global-sozialen Gründen für solche Großspeicher nicht in Frage.

    Zu den EE-Primäranlagen: Deren Anzahl müsste sich in Deutschland gegenüber dem heutigen Stand vervielfachen, um die Größenordnung des Primärenergiebedarfs abzudecken. Zur Verdeutlichung was dies für unser Lebensumfeld und Lebensgefühl bedeutet, verweise ich auf das heutige Landschaftsbild in Rheinhessen (zwischen Frankenthal/Rh. und Bad Kreuznach), im Soonwald, im Land südlich von Paderborn, um Jena (Nordeutschland ist mir weniger vertraut).

    Uns Allen ist klar, dass es eine Rückkehr zu den Bevölkerungszahlen und Lebensweisen um 1800 nicht geben wird, auch nicht zu den damaligen Herrschaftsformen. Das ist nicht wünschenswert. Wir brauchen Wege vom Heute aus zu einer die Natur, die physische und psychische Gesundheit bewahrenden wie auch gerechten Lebens- und Wirtschaftsweise. Man wird trotz Sparens viel Primärenergie benötigen, aus vielerlei Quellen; jede bringt Gefährdungen und Lasten. Ich wandle hier ein Sprichwort ab: Die Natur stellt uns diese Rechnung dafür, dass wir geboren wurden. Keine Gefährdung und Last jedoch darf uns und unsere Nachkommen physisch wie psychisch erdrücken.

    Mit freundlichen Grüßen in die Runde,
    Rudolf Ahrens-Botzong

  5. Man freut sich, wenn ein eigener Beitrag eine so lebhafte Diskussion auslöst wie in diesem Fall, auch wenn nur zwei Dialogpartner öffentlich reagiert haben. Immerhin hat Herr Kamm nun einige Kollateralschäden der EE wenigstens ein wenig eingelassen. Dennoch verdienen seine weiterhin steilen Aussagen einige Anmerkungen – wo er es doch genau nimmt mit Zahlen und Fakten; in Stichworten:

    – 1) „gut gebaute Windräder“ sind kein Segen für die Gesundheit von Kindern, nicht hier in Deutschland und nicht weltweit. Der Hunger nach Energie frisst sich auch im Falle der Rohstoffe für den EE-begleitenden Elektro-Wahn gesellschafts- und gesundheitsschädlich in die Natur und in die Erde: Lithium-Abbau in Südamerika: https://www.deutschlandfunk.de/lithium-abbau-in-suedamerika-kehrseite-der-energiewende.724.de.html?dram:article_id=447604 und in Portugal:https://taz.de/Lithiumabbau-in-Portugal/!5655713/?goMobile2=1588896000000 …jeweils verbunden mit Menschenrechtsverletzungen…; Seltene Erden-Abbau in China, Afrika, auch dieser jeweils mit massiven Menschenrechtsverletzungen verknüpft.
    „Gut gebaute Windräder“ ? Das Senken-Problem ist wie bei anderen Energiearten nicht gelöst. „Gut gebaute Windräder“? Der Verlust von Natur und Landschaft kein Problem für unsere Nachfahren, die heute noch Kinder sind und sich nicht wehren können gegen die Umwandlung ihrer Heimat im Rahmen der „Transformation“ in „Energielandschaften“? Shifting baselines sind nachgewiesener Maßen das Kalkül (ausführlich siehe Epple 2017). Man soll sich gewöhnen an den ästhetischen Niedergang…

    -2) Widersprüchlichkeit und ein an Utopie grenzendes Ignorieren, wenn Herr Kamm schreibt: ‚“Wohnhäuser dürfen nicht durch Windräder umzingelt werden“ Und gleich noch dazu: „Es muss Bereiche geben, die frei bleiben von (…) wo wir Menschen die Natur noch urtümlich erleben können“. Weiß er wirklich nichts von den Begehrlichkeiten der EE-Branche? Tatsache ist: Naturnahe Flächen sind das knappste Gut im dichtbesiedelten Mitteleuropa: https://www.researchgate.net/publication/265692282_Die_Naturlichkeit_der_Landnutzung_in_Deutschland ; und dazu passend eine Studie von Behnisch et al. (2019) zur Besdiedlungsdichte, mit der begleitenden Pressemitteilung des IÖR zeigt:
    „(…) auf 99 Prozent des Gebäudebestandes in Deutschland trifft zu: Das nächste Haus befindet sich in maximal 1,5 Kilometern Abstand.“ Das ist der Hintergrund für den schrillen Widerstand der Windkraftbranche gegen wenigstens (lächerliche) 1000 Meter zwischen WEA und Wohnbebauung. Hier: https://www.ioer.de/presse/einzel-2019/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=464&cHash=a78b76a67776c2eb1bf35b24a90b4c1d; eine Zusammenschau aufgearbeitet hier: http://wolfgangepplenaturschutzundethik.de/?page_id=86; in der Windkraftbranche hat man längst erkannt, was auch nur einigermaßen angemessene, Mensch und Natur und Landschaft gleichermaßen berücksichtigende Planung bedeuten würde: In Deutschland ist kein Platz für weiteren Windkraftausbau. Trotzdem fordert man eine Ver-x-fachung des Zubaus. Wo soll der stattfinden ohne „Umzingelung“? Wohin sollen sie „verteilt“ werden, die Windkraftkolosse? In die Waldgebirge Süddeutschlands (im Schwarzwald kann besichtigt werden, wie das konkret aussieht, ein Beispiel unter Zig: https://www.youtube.com/watch?v=oT9VoP0YAIo). Was ist mit den letzten Rekreationsräumen für Menschen, mit Rückzugsräumen für Wildtiere im eigenen Land, wo soll urtümliche Natur erlebt werden, wenn die Bevölkerung keine Fernreisen mehr machen soll? Windkraftausbau bedeutet Konfliktkonvergenz, wohin man schaut (zu dieser Konvergenz Epple 2017). Nicht nur an Land.

    Es gäbe noch vieles anzumerken zur Utopie der 100-%-Versorgung aus EE. Ein Beispiel noch: Eine Glättung der Volatilität über weite Distanzen bei der Windkraft findet so gut wie nicht statt, nicht in Deutschland und selbst nicht über weite Teile Europas (die Utopie der „großräumige Verteilung und Vernetzung der Anlagen, um Wetterunterschiede zu nutzen“ bei Herrn Kamm – er hat wohl nur sehr selektiv die von ihm gleich kritisierte Literatur gelesen?) Dies ist in den von mir empfohlenen Aufsätzen aus der Branche selbst – mit großer Ernüchterung – bestätigt und hat seine Ursachen im großräumigen Wettergeschehen. Aber selbst wenn eine Glättung stattfände, stellen Transport und Speichern der irgendwo gerade volatil erzeugten Energie über tausende Kilometer bislang schier unlösbare Aufgaben. Das auf absehbare Zeit im Großmaßstab nicht lösbare Speicherproblem so nebenbei kleinzureden, ist daher gerade in diesem Zusammenhang fahrlässig und gehört zum Merkmal einer völlig utopischen Herangehensweise der EE-Fanatiker.

    Wir müssen uns eingestehen: Die Probleme um eine sichere und sozial verträgliche (sprich: bezahlbare) Energieversorgung sind nicht gelöst und mit EE allein aus prinzipiellen Gründen nicht zu lösen.

    Schlussendlich: Windkraftmonster „können“ nicht nur Landschaften überlasten, sondern auch Menschen und entsprechend sensible Wildtiere. Der Konjunktiv ist nicht angebracht. Die Überlastung findet schon statt – in weiten Teilen unseres Landes; Herr Ahrens-Botzong hat recht auf einige Beispiele hingewiesen. Ich ergänze gerne und empfehle eine Fahrt nach Ostfriesland, in die Uckermark, in die Gegend von Halle an der Saale, usw…Oder einen Ausflug an die Windkraft-Baustellen im Schwarzwald.

    Die inzwischen gezielte Invasion der Windkraftindustrie in die letzten halbwegs intakten Natur- und Kulturlandschaften, in unser knappstes Natur-Gut, ist ein letzter und finaler Streich der Landnahme des Menschen gegen eine wehrlose Restnatur. Ist uns das erlaubt angesichts des absehbaren Ergebnisses? In einem so dicht besiedelten Land wie dem unseren? Ist es angesichts des Ergebnisses erlaubt in Norwegens oder Finnlands Wildnissen, in den Regenwäldern Indiens? Bei dieser Frage des Erlaubten müsste die eigentliche Diskussion erst ansetzen: Es ist die Frage der Sprengung eines anthropozentrischen Denk- und Moralrahmens. Den aber ist die Erneuerbaren-Energien-Branche mit ihren Steigbügelhaltern dabei, im Moment noch auf Jahrzehnte hinaus zu zementieren.

    Windkraftindustrialisierung letzter Naturreste: angesichts des Ausmaßes der auslösenden Utopie damit eine Frage der Moral? Ich zitiere den allzu früh verstorbenen Kritiker der Windkraft, Enoch zu Guttenberg, aus seinem Vorwort zu meiner Denkschrift 2017:„(…)Ist es nicht ein noch viel anmaßenderer Frevel, liebevollste Kunstwerke dieser Schöpfung, die zauberhaftesten Landschaften mit Windrädern zu ruinieren? Hebt denn nirgendwo ein Pfarrer die Hand und hält den Landbesitzern, den Protagonisten dieses Windwahns, den klaren Auftrag aus der Genesis vor, in der mit ehernen Lettern geschrieben steht, wir hätten Gottes Schöpfung zu bewahren?(…)“

  6. jetzt ist vorpommern dran, hinter penkun werden noch intakte naturräume vernichtet, artenschutz – biodiversität ade, alleine 28
    anlagen neuester generation mit 180 m rotordurchmesser in der genehmigung, grüne politik vernichtet unseren lebensraum, was für ein drama !

    die dunkelflaute: über monate kein wind und bedeckter himmel, gnade uns gott.

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