Die „Land Art“ des Professor Sören Schöbel

Der Christo der Windindustrie: Landschaftsarchitekt Sören Schöbel

Sören Schöbel ist so etwas wie ein Künstler, ein Landschaftskünstler. Er arbeitet mit großen Objekten. Die sind nicht ganz so groß wie die, um die sich Christo kümmert. Aber Windkraftanlagen sind ja auch nicht unauffällig. Mit ihnen lässt sich auch viel Wind machen, und viel Geld.

Sören Schöbel ist, um genau zu sein, Landschaftsarchitekt und Professor an der Technischen Universität München. Er ist der Meinung, dass man mit Windrädern schöne Landschaften noch schöner machen kann. Deswegen plädiert er dafür, Windkraftwerke gerade in schöne Landschaften zu stellen. Weil sie sich nicht verstecken ließen, müssten sie nach „landschaftsästhetischen“ Gesichtspunkten in die bestehenden Landschaften eingefügt werden. Man könne sie, wie er meint und landauf-landab propagiert, entlang von markanten Höhenzügen oder anderen Landschaftsstrukturen so platzieren, dass sie die Züge dieser Landschaft gewissermaßen überhöhen. Das seien dann zwar neue Landschaften, die seien aber im Zweifelsfall nicht weniger schön als die alten, die ohne Windräder.

Den besonderen Schutz schöner Landschaften lehnt Schöbel ab. Ihm liegen die „Alltagslandschaften“ am Herzen, die mehr oder weniger be- und zersiedelten Speckgürtel rund um die Städte, wo viele Menschen leben. Es sei unethisch, argumentiert er, diese „vorbelasteten“ Landschaften noch weiter zu belasten, etwa durch Windräder und Solarkraftwerke, die man ja für die Energiewende brauche. Deswegen gehörten diese Anlagen dorthin, wo noch nichts steht. Etwa in die letzten, relativ unberührten Mittelgebirgsregionen, vielleicht gar in die Alpen. Eben überall dorthin, wo es schön ist eben. Schöbel nennt das verschwurbelt, die „angestrebte Gleichwertigkeit bayerischer Landschaften als wesentlicher Zukunftsfaktor ländlicher Räume“ und fordert eine „räumliche Ausgewogenheit der Windenergie-Entwicklung“.

Den Schutz charakteristischer, „schöner“ Kulturlandschaften nennt Schöbel schon mal ein „Luxusproblem“. Er will die Diskussion über Landschaftsästhetik (siehe oben) als „Zukunftsdiskurs“ verstanden wissen, was so viel heißt wie: Der Schutz traditioneller Kultur- und Naturlandschaften ist altes Denken von alten, konservativen Männern. Windkraftanlagen seien als neue Elemente in die Kulturlandschaft zu integrieren und sie müssten nicht als Fremdkörper gesehen werden. Die Jungen hätten das schon längst kapiert, meint er. Wobei er selbst zu denen gehört, die die „Jungen“ im Sinne der Windlobby indoktrinieren.

Hinter all dem steht das ewig und immer wieder gepredigte Mantra der Landschaftszerstörer, dass sich Kulturlandschaften ja schon immer gewandelt hätten. Gerne werden im Falle der Windenergie historische Holländermühlen präsentiert, die ja zu ihrer Zeit auch eine Veränderung der Landschaft dargestellt hätten. Die heutigen Windräder seien nur eine Weiterentwicklung der alten Mühlen. Und im Übrigen hätten sich die Menschen schon immer an sich ändernde Landschaftsbilder gewöhnt.

Dass Holländermühlen, jede ein handwerklich hergestelltes Unikat und nicht höher als ein hoher Baum, mit den 250 bis 300 Meter hohen, uniformen Industriemasten der Windräder von heute nichts gemein haben, dass sie jede Dimension sprengen und, zu Hunderten und Tausenden aufgestellt, unsere letzten Natur- und Kulturlandschaften, die ja immer auch wichtige touristische Erholungsräume sind, restlos industrialisieren, wird einen Überzeugungstäter wie Sören Schöbel nicht beeindrucken. Solche Einwände lächelt er weg, im Vollbesitz seiner professoralen Autorität.

Nun ist Schöbel durchaus konsequent in dem, was er sagt. Doch bei näherer Betrachtung sind seine Pläne reine Kopfgeburten. Auch wenn man sich bemühen würde, Windparks entlang etwa der Höhenlinie einer oberbayerischen Endmoräne zu platzieren, würde man das aus vielen Blickwinkeln, vor allem aus der Nähe kaum wahrnehmen. Und im flachen Land schon gar nicht, es sei denn aus der Luft. Für den unbedarften Betrachter sähe solcherlei „Wind-Land Art“ aus wie ein ganz normaler Windpark, Mühle an Mühle, haushoch alles andere überragend , dominierend und degradierend.

Dazu kommen die vielen möglichen Restriktionen, die seine Pläne als kaum realistisch erscheinen lassen. Es braucht ja nicht nur eine ausreichende Windhöffigkeit, wenn man irgendwo einen rentablen Windpark bauen will. Viele Standorte fallen oft von vornherein weg, etwa aus Gründen des Natur- und Vogelschutzes etwa, weil sie zu nahe an Siedlungen liegen oder aus militärischen Erwägungen. Wie man die von Schöbel geschätzte Zahl von 90 000 Windrädern für eine gelingende Energiewende in Deutschland (dreimal so viele wie heute) alle nach seinen elaborierten Gestaltungskriterien aufstellen sollte, bleibt das Geheimnis des Professors.

Vielleicht ist es ja doch so, dass Sören Schöbel gar kein Künstler ist, sondern ein ganz normaler Opportunist und Profiteur. Dass es ihm gar nicht darum geht, neue, in seinen Augen schöne Energielandschaften zu ermöglichen und die Energiewende voranzutreiben, sondern um seinen ganz privaten Vorteil. Professor Schöbel schreibt nämlich Gutachten, viele Gutachten, vor allem für die Windkraftprojektierer, die Argumente brauchen, um den Bürgern, die um ihre Landschaften fürchten, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Damit verdient Herr Schöbel gutes Geld, denn die Windkraftindustrie ist reich, während die Bürger, die gegen die Windmonster kämpfen, oft zu arm sind, um ein teures Gegengutachten zu finanzieren. Und dann hat ihm sein Amoklauf gegen die letzten deutschen Kulturlandschaften auch eine gewisse Bekanntheit eingebracht, die ihm sicher schon den einen oder anderen, lukrativen Forschungsauftrag bescherte.

Eine besondere Spezialität von Professor Schöbel sind Gutachten, die beweisen sollen, dass Windkraftanlagen auch in der Nähe bedeutender Kulturdenkmale keinen Schaden anrichten können. Im Falle der berühmten Wieskirche, einem der schönsten und schützenswerten Kleinode bayerischer Rokokoarchitektur und UNESCO-Welterbe, sah Gutachter Schöbel keine Gefahr durch einen Windpark im nahen Peiting. Die UNESCO stoppte die Pläne glücklicherweise. In Baden-Württemberg redete Schöbel einen geplanten Windpark nahe des bekannten „Märchenschlosses“ Lichtenstein am Abhang der Schwäbischen Alb schön. Schließlich sei „einhellige Fachmeinung, dass die Wirkung eines Denkmals in seiner Umgebung zu schützen sei, aber nicht automatisch die Umgebung als solche“, argumentierte er im Sinne seines Auftraggebers.

Erklärtes Ziel von Schöbel ist es, seine Brötchengeber von der Windindustrie vor überzogenen Ausgleichszahlungen für (generell nicht ausgleichbare) Landschaftseingriffe zu bewahren. „Bei der Ermittlung der Schwere des Eingriffs ist deswegen zu berücksichtigen, dass der geplante Großwindpark durch seine landschaftsgerechte Lage (Nutzung der charakteristischen Landschaftsgliederung als Potenzial) und landschaftsgerechte Anordnung der Anlagen (gestaltete Formation entlang der Riedel) in besonderem Maße den Zielen der Raumentwicklung entspricht. Entsprechend sind bei der Ermittlung der Schwere des Eingriffs Maßnahmen zur Eingriffsminimierung (s. II.B.), die diesen genannten Zielen der Landesplanung entsprechen, zu berücksichtigen“, schrieb Schöbel im Falle eines geplanten Windparks im schwäbischen Denklinge/Fuchstal, übrigens ebenfalls in Sichtweite der Wieskirche.

Dieser Argumentation folgt auch der Bund Naturschutz (BN), der die traditionellen Kulturlandschaften, ganz wie Windkraft-Ermöglicher und Landschaftskünstler Schöbel, lange schon zum Abschuss freigegeben hat. „Potentielle Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes durch Windenergieanlagen können“, so der BN in seiner Stellungnahme zur Änderungen des bayerischen Windenergieerlassen 2015, „grundsätzlich durch Planung und Landschaftsarchitektur vermieden werden“. Dabei verweist der BN explizit auf „Arbeiten von Professor Sören Schöbel-Rutschmann“.

Immerhin forderte Schöbel im Falle des Windparks Denklingen/Fuchstal, auf eine störende Nachtbefeuerung von Windkraftwerken zu verzichten. Danke, Herr Professor, für so viel Sensibilität!

18 Gedanken zu „Die „Land Art“ des Professor Sören Schöbel“

  1. Es ist schon erstaunlich, was manche Leute von sich geben.

    Die Bayerische Verfassung indes befaßt sich in dem 1984 eingefügten Artikel 141 mit dem Erhalt der Naturschönheiten.
    In dortigem Absatz 3 ist ausdrücklich vom Genuß der Naturschönheiten die Rede, die erhalten bleiben sollen. Von Natur kann bei der Bestückung durch Windräder keine Rede sein, denn Windräder vermitteln den Eindruck von Gewerbe, Industrie, Bebauung.

  2. Mittlerweile glaube ich, es geht bei dem rücksichtslosen Ausbau der Windenergie eigentlich nur um die Zerstörung traditioneller Kultur- und Naturlandschaften und um die Umverteilung des Geldes. „Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch das, was er hat, genommen werden. „

  3. Hallo Herr Mathias wagener.
    Wir sind im Übrigen eine Industrienation. Davon hat auch und vor allem der ehemalige „Arbeiter- und Bauernfreistaat“ Bayern im höchstem Maße profitiert.
    Die Öllampenzeit ist seit einigen Jahrzehnten vorbei.
    Ulricke wie auch immer – Geld fließt immer – sogar im Vordergrund.

    1. Hallo Herr Mutz,
      dann sag ich es deutlicher…., das den Kern tiefer trifft: Diese o.a. Menschen haben schon lange Herz und Seele an den Mammon verkauft….!! Kein Mitgefühl mehr für die Schöpfung…erschlagene Kreaturen wie Fledermäuse, Greife, Störche etc…. gehen ihnen am Arsch vorbei..!!
      DAS ist unsere Seuche heutzutage.
      Wenn dieser Herr Schöbel sich wenigstens ausschließlich stark machen würde für vertikale Windräder, wäre wenigstens ein kleines bisschen Mitgefühl erkennbar….!!! Soll er an seinem Geld von mir aus ersticken!!!
      MfG
      Ulrike

      1. Hallo Ulrike,

        ich möchte darauf hinweisen, das Fledermäuse in jedem Genehmigungsverfahren berücksichtigt werden. Daher gibt es durch die Naturschutzbehörde Auflagen. Diese regeln die Abschaltzeiten der Windkraftanlagen. Es wird der größtmögliche Schutz für Fledermäuse umgesetzt. Der Mangel an Insekten auf den Feldern führt eher dazu, das keine Fledermäuse mehr existieren. Ich sage nur Glyphosat.
        Was die Vögel anbelangt, bitte ich sie Statistiken der letzten Jahre anzuschauen, aus denen hervorgeht, wie viele Vögel jährlich durch Hauskatzen und durch Fensterschlag sterben. Dann relativiert sich die Diskussion vom Vogelschlag durch Windkraftanlagen.
        Wenn man seine Wut, seinen Haß oder sein Trauer auf eine Person richtet veliert man den Blick für das Wesentliche.
        Noch kurz zu den Fledermäusen: Es gibt immer wieder schlechte Witterungsbedingungen im Frühjahr, die dazu führen das es zu großen Populationseinbrüchen bei verschiedenen Fledermausarten kommt – da relativiert sich dann ebenfalls die Diskussion darum . Wollen Sie dem Wetter auch mitteilen wie gemein es ist.

        Stefan Mutz

  4. Hallo Ulrike,

    ich möchte darauf hinweisen, das Fledermäuse in jedem Genehmigungsverfahren berücksichtigt werden. Daher gibt es durch die Naturschutzbehörde Auflagen. Diese regeln die Abschaltzeiten der Windkraftanlagen. Es wird der größtmögliche Schutz für Fledermäuse umgesetzt. Der Mangel an Insekten auf den Feldern führt eher dazu, das keine Fledermäuse mehr existieren. Ich sage nur Glyphosat.
    Was die Vögel anbelangt, bitte ich sie Statistiken der letzten Jahre anzuschauen, aus denen hervorgeht, wie viele Vögel jährlich durch Hauskatzen und durch Fensterschlag sterben. Dann relativiert sich die Diskussion vom Vogelschlag durch Windkraftanlagen.
    Wenn man seine Wut, seinen Haß oder sein Trauer auf eine Person richtet veliert man den Blick für das Wesentliche.
    Noch kurz zu den Fledermäusen: Es gibt immer wieder schlechte Witterungsbedingungen im Frühjahr, die dazu führen das es zu großen Populationseinbrüchen bei verschiedenen Fledermausarten kommt – da relativiert sich dann ebenfalls die Diskussion darum . Wollen Sie dem Wetter auch mitteilen wie gemein es ist.

    Stefan Mutz

    1. Hallo Herr Mutz,
      für mich gibt es definitiv nichts zu relativieren, denn dieses Relativieren ist nichts anderes als Augenwischerei und Ablenkung von den Problemen, die wir tatsächlich zu Hauf mit den WKA haben. JEDER getötete Vogel oder Fledermaus ist EINER/EINE ZUVIEL..!!!
      Bei den Milanen ist z.B. mittlerweile der gesamte Bestand gefährdet, denn unter einer best. Populationsdichte ist die Reproduktionsmenge, die erforderlich wäre, den Bestand zu erhalten, nicht mehr gegeben.
      Dass Sie nun auch noch auf Vogeltod durch Katzen hin ablenken wollen, zeigt mir, dass Ihnen die Argumente für die WKA ausgehen.
      Die toten Vögel etc. die man unter oder in der Nähe der WKA findet, wurden NICHT durch Katzen getötet und Katzen gab es zu jeder Zeit in unserem Lande, ohne dass Vogelbestände ernsthaft gefährdet gewesen wären!!
      Der Glyphosateintrag und der von Neonicotinoiden ist ein anderes, sehr ernst zu nehmendes Thema, dass auch erheblich zum Vogel- und Insektensterben beiträgt. Insofern sollte man die „Störquelle“ WKA erst rechtausschalten bzw. vertikale WKA aufstellen. Diese verschandeln die Landschaften dann ebenso, aber wenigstens gehen keine unschuldigen Lebewesen mehr bei drauf!!
      MfG
      Ulrike

      1. Ich bin schon sehr verwundert woher sie Ihre Infos zum Bestand des Rotmilans haben. Der ist nicht rückläufig trotz windenergieanlagenzuwachs.
        Ich kann auch ihre Argumentationskette nicht nachvollziehen, bezüglich- wenn das eine schlecht ist (Glyphosat)- muss das andere erst recht weg (Windkraftanlagen).
        So kommen wir wieder zur Öllampe. Wir sind eine Industrienation und das wird hoffentlich so bleiben.
        Ich gehe mal davon aus, das das Vogel- und Fledermausthema herhalten muss, dass man keine Windkraftanlagen mag. Und wenns keine Windkraftanlagen sind dann ist man halt gegen was anderes.

        Stefan Mutz

        1. Herr Mutz,
          ich habe nirgendwo geschrieben, dass früher alles besser war…, wenn Sie das aber so interpretieren wollen…: bitte schön..!
          Wenn es 10 krankmachende Faktoren gibt, heißt dass doch nicht dass der 11te deswegen weniger krank machend ist und schönzureden ist…! Nichts anderes versuchen Sie hier.
          Es geht hier v.a. um ethisches Bewußtsein und um ein mitfühlendes Bewußtsein seinen Artgenossen gegenüber und hier meine ich explizit die Tierwelt (das nicht heißt, dass ich Pflanzen und Menschen ausschließe).
          Wenn auch nur ein Hauch von Mitweltverständnis da wäre, wäre ein Raunen durch Politik und WKA Betreiber gegangen und nach den ersten Feststellungen von geschredderten Vögeln hätte man kapiert, dass es SO nicht gut ist.
          Warum werden denn keine vertikalen WKA gebaut und eingesetzt…, warum werden denn landauf landab Horstbäume und Greife vergiftet in der Nähe von geplanten WKA?
          Der Mammon läßt grüßen..!!!
          Selbst wenn es durch Pestizide mehr tote Vögel gebe als durch WKA……, es geht doch nicht um Zahlen, sondern um jede einzelne getötete Kreatur!!
          Gerade weil Sie hier Zahlen bringen und mal wieder die liebe Forschung bemühen wollen, zeigt mir das, dass Sie das WKA Problem zwar mit dem Verstand erfassen, aber nicht mit Ihrem Herzen….!
          Und nur die EIN-Sicht mit dem Herzen und im Bewußtsein kann eine nachhaltige Veränderung bringen zum Guten aller Mitgeschöpfe.
          Ich wünsche Ihnen ja nichts böses, aber im nächsten Leben mal wiedergeboren zu werden als Greif, der mit seinem gebrochenen Flügel und erheblichen Schmerzen unweit einer WKA liegt, von ihr getroffen und durch sie zum Tode verurteil jämmerlich verreckt…diese Erfahrung würde Ihnen wohl gut tun, um sich dann mehr für die Anliegen unsere tierischen Mitgeschöpfe einzusetzen.

          1. Hallo Ulrike,

            ich rolle das mal von hinten auf. Da ich mich keiner Religion angehörig fühle auch nicht dem Buddhismus gehe ich davon aus hier meine Zeit sinnvoll einzusetzen.
            Interessant an Ihrer Betrachtung ist die Tatsache, dass Sie vom Mitgefühl für alle Geschöpfe sprechen. Je eindeutiger das Töten wahrnehmbar ist, desto vehementer muss man sich dagegenstellen. Das finde ich sehr wichtig. Leider töten wir jeden Tag bewusst oder unbewußt unzählige Lebewesen,die es verdient haben genauso zu leben. Wenn ich also keine Lebewesen töten möchte, müsste ich also selbst aufhören zu leben oder? Ich empfinde Ihre emphatische Argumentation als nicht zielführend.
            Bezüglich Ihrer vehementen Forderung nach vertikalen Windkraftanlagen zum besseren Schutz von Vögeln kann ich sehr gut verstehen. Ich gehe davon aus, dass die vertikalen Windkraftanlagen nicht effektiv genug arbeiten um sich am Markt durchzusetzen. Um die momentan installierte Leistung von den üblichen Windkraftanlagen durch vertikale Windkraftanlagen zu ersetzen, würde bedeuten, wesentlich mehr von diesen Anlagen zu errichten. Dann würde man sich noch mehr über den Eingriff in das Landschaftsbild aufregen. Und ob tatsächlich die Vogelgefährdung dadurch stäker reduziert werden kann, bezweifele ich.
            Ich kann Ihre Aufregung über die belastenden Faktoren auf unsere Umwelt sehr gut verstehen. Ihr Bsp. mit den 10 Faktoren und dann kommt noch einer dazu ist verständlich. Anders rum gedacht müßte man zunächst einmal die Windkraftanlagen abschaffen – damit man nur noch 10 Faktoren der Belastung hat und erst dann kommt also z.B. das Glyphosat. Ich glaube so funktioniert das nicht. Für jedes Problem gibt es jemanden, der sich darum kümmert.
            Sie kümmern sich darum, die Windkraftanlagen, wie sie derzeit errichtet und betrieben, abgeschafft werden. Andere kümmern sich um das Glyphosatproblem, wiederum andere um die Rückkehr zur staatlichen Altersvorsorge usw.
            Ich schätze Ihr Engagement. Dennoch glaube ich das wir ohne Windkraft keine gesicherte Versorgung erreichen können.
            Im Übrigen war der Aufhänger „Die Landart des Sören Schöbel“.. Es ist immer wieder interessant wie sich ein Thema verschiebt. Insbesondere bei der Windkraft fällt mir das immer wieder auf. Auch das beide Seiten leidenschaftlich dafür kämpfen.
            Zuletzt noch ein Hinweis zur Kulturlandschaft. Sie wird vom Menschen geprägt sonst wäre es keine Kulturlandschaft. Das heißt aber auch das sich die Kulturlandschaft ändert. Denn die äußeren Bedingungen sind in der Menschheitsgeschichte im ständigen Veränderungsprozess. Jetzt eine Kulturlandschaft bis zum Sanknimmerleinstag so haben zu wollen, ist doch sehr vermessen und zeugt auch von einer gewissen Arroganz gegenüber zukünftigen Generationen. Das gilt auch für den vermaledeiten Denkmalschutz, der dafür sorgt ein städtisches Bild aufrechtzuerhalten, das einer Zeit entspringt, in der die meisten Menschen ein erbämliches Leben geführt haben, weil sie unterdrückt wurden.

            So das wars zu diesem gesamten Themenkomplex. Ich denke wir haben eine faire und von Respekt geprägte Diskussion geführt und unsere Ansichten mitgeteilt. Vielleicht können Sie davon was mitnehmen.

            Vielen Dank
            Stefan Mutz

  5. Nachtrag zu meiner o.a. AW an Herrn Mutz:
    Von den vergifteten Greifen und abgesägten Horstbäumen im Bereich von geplanten WKA Standorten (so ein Zufall aber auch…..!!!….) ganz zu schweigen, jüngst im Kreis Segeberg/Daldorf wurde gerade wieder eine Milanfamilie ausgelöscht, sprich ermordet. Nur ein Jungvogel überlebte. Vergiftet mit Parathion/E605…!!!
    Wenn wir diese Opfer auch noch dazu zählen, dann Windkraft NEIN DANKE!!!
    Siehe auch http://www.kn-online.de/Lokales/Segeberg/Bei-Daldorf-Tot-gefundene-Rotmilane-waren-vergiftet

  6. Ach das habe ich noch vergessen. Und wenn man auf das Artensterben schaut gibt es eben viele Faktoren die darauf Einfluss haben und dazu gehört eben auch die Hauskatze und Fensterscheiben. Hier, um Ihnen die Mühe zu sparen eine kleine Übersicht aus den USA.
    Verursacher Anzahl Todesfälle in Mio.
    Windkraftanlagen 0,1–0,44
    Gebäude 0,1–1000
    Sendetürme 5–6,8
    Freileitungen 0,1–175
    Kraftfahrzeuge 60–80
    Pestizide in der Landwirtschaft 67–90
    Katzen (Haus- und Wildkatzen) 365–1000
    Und ja es wird viel getan, um den Vogelschlag an Windkraftanlagen zu reduzieren. Dazu gibt es verschiedene PRojekte, die gewissenhaft und mit hohem Aufwand umgesetzt werden, z.B. die Besenderung von Greifvögeln die bei Annäherung an einen Windpark ein Signal aussenden, das von einem Radarsystem erfasst wird und zu einem kurzfristigen Abschalten der Windkraftanlagen führt.
    Ich bevorzuge die Auseinandersetzung mit der Realität. Die darin auftretenden Probleme sinnvoll zu lösen und nicht die ständige Jammertalposition.
    Früher war alles besser oder gegen fast alles zu sein ist wirklich ein ausgelutschter Schuh und bringt niemanden weiter.
    Stefan Mutz

  7. Entweder wollen oder können Sie die Inhalte meiner Kommentare nicht verstehen, denn Sie vergleichen andauernd Birnen mit Äpfeln oder offensichtlich mit Kokosnüssen….
    Und Ihr „Zurück in die Steinzeit“ Totschlag-Argument beantwortet in keinster Weise meine Einwände!
    Aber vielleicht helfen Ihnen ja diese Zitate von 1. Albert Schweitzer und 2. Albert Einstein:
    1. „Dem Menschen, der zur Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben gelangt ist, ist jedes Leben als solches heilig. Er hat Scheu davor, ein Insekt zu töten, eine Blume abzureißen. Den Wurm, der auf der Straße verschmachtet, errettet er, indem er ihn ins Gras legt“
    2. „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“
    Letzteres bedeutet ebenfalls, dass kein Problem durch das Bewusstsein gelöst werden kann, das dieses Problem
    geschaffen hat.
    Also: es geht um Bewußtsein….sprich bewußt-sein!
    Bei Ihrer Zahlenreiterei fehlt dieses Bewußtsein für die tieferen Problematiken, die wir mit den WKA haben (und natürlich auch mit anderen mitweltvernichtenden Einflüssen), völlig.
    Artenvielfalt IST Stabilität, diese alte Gleichung aus der Biologie gilt auch heute noch und das einmal mehr, denn wir befinden uns mittlerweile in der 6. Aussterbephase….. .
    Und hart zm Thema zurück: Wenn wir wissen, dass vertikale WKA unsere fliegenden Mitgeschöpfe vor einem Zerschreddert Werden bewahren können, warum wird dieses dann nicht umgesetzt??
    Geld…Geld…Geld…. und solange der Mammon regiert und das eigentliche Bewußtsein fehlt, wird sich Umweltpolitisch nichts ändern.

  8. Hallo Ulrike,

    leider wurde ein Kommentar von mir nicht hochgeladen. Eventuell Bestand keine Internetverbindung. In dem fehlenden Kommentar habe ich darauf hingewiesen, dass ich mich für die von Respekt geprägt Diskussion bedanken wollte.
    Des weiteren hatte ich geschrieben, dass es immer wieder interessant ist, welchen Verlauf die Diskussionen nehmen. Eingangsthema war eigentlich die „Landart des Sören Schöbel“.
    Was ich auch feststelle, mit welcher Vehemenz gegen die Windkraft gekämpft wird. Jeder Kampf kann sich lohnen. Interessant ist auch, dass sich der Einsatz des Menschen häufig nur aktivieren läßt, wenn es gilt, sich gegen etwas zu stemmen.
    Das ist natürlich wichtig jedoch auch bedauerlich, da sich so meist keine Alternativen ergeben außer dem Widerstand. Das entspricht dann häufig einem Verhalten, das man so nur aus Sekten kennt, die sich den äußeren Einflüssen durch ein geschlossenes Weltbild verweigern.
    Bezüglich der vertikalen Windkraftanlagen kann ich Ihnen nur mitteilen, dass sie im Vergleich zum derzeitigen Standard nicht sehr effektiv sind. Das dadurch weniger Vögel getötet werden bezweifle ich hier „sehr stark“.
    Würde man alle derzeitigen WEA durch vertikale Anlagen ersetzen, dann würden sicherlich ….. die Landschaft „verschandeln“. Bitte schauen sie sich dazu das hier an:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Le_Nordais#/media/File:Eoliennes_Gaspesie.jpg
    Um auf die Kulturlandschaft zurückzukommen.
    Eine Kulturlandschaft ist ein Begriff, den es ohne den Menschen gar nicht geben würde. Kulturlandschaften sind vom Menschen geprägte Landschaften. D.h. sie sind einem ständigen Veränderungsprozess durch äußere Bedingungen ausgesetzt.
    Jetzt eine Kulturlandschaft bis zum Sanktnimmerleinstag aufrechtzuerhalten finde ich gegenüber zukünftigen Generationen als sehr anmaßend oder auch arrogant.
    Aber das ist in unserer heutigen Gesellschaft weit verbreitet. Ein gängiges Bsp. dazu ist der vermaleidete Denkmalschutz, der unbedingt ein Stadtbild aufrechterhalten will, das aus einer Zeit entspringt, in dem die meisten Menschen ein elendes Leben geführt haben – „es lebe die Monarchie“. Im Übrigen finde ich Aphorisemen immer eine Bereicherung, weil Sie komplexe Themen auf den Punkt bringen. Jedoch reduzieren sie auch das Thema und die Realität ist tatsächlich wesentlich komplexer.
    Und das ein Problem nicht durch ein Bewußtsein gelöst werden kann, welches es selbst verursacht hat, finde ich ein vernichtendes Urteil über den Menschen, da es ihm jegliche geistige Weiterentwicklung von vorneherein versagt. Es gibt genug Bspe. die das Gegenteil beweisen.
    Ich möchte mich nochmals für die bisher geführte Diskussion bedanken und hoffe Sie können einige Impulse mitnehmen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Stefan Mutz

  9. Hallo Herr Mutz,
    ich gebe diesen Dank für eine mit Respekt geführte Diskussion gern zurück!
    Die vertikalen WKA verschandeln unsere Landschaft natürlich genauso, das hatte ich weiter oben auch erwähnt. Vonwegen Bewußtsein ändern: der Mensch muss dringend „anhalten“ und schauen, was er hier auf diesem Planeten eigentlich „veranstaltet“. Mein Credo ist (und nicht nur meins) : wenn ich echtes Mitgefühl für meine Mitwelt habe, KANN ich einfach nicht (mehr) so zerstörerisch handeln. Deshalb sprach ich von einem grundlegenden Bewußtseins-Wandel.
    Vonwegen Energiewende: es gibt tatsächlich funktierende alternative Technologien über Solar und Windkraft hinaus: Freie Energie und Magnetmotor, um nur mal 2 zu nennen. Vielleicht werden Sie jetzt einwenden, dass die schon lange auf dem Markt wären, wenn sie denn funktionieren würden.
    Leider ist das Problem hier aber nicht, dass sie nicht funktionieren (sie tun es!!!), sondern mal wieder der Mammon…
    Wir könnten schon lange ohne Schweröl und WKAs auskommen und bekanntlich liegen bei den den Autobauern die Pläne für andere Autoantriebe schon seit bummelig 20 Jahren in den Schubladen. Aber es wird aus wohlweislichen Gründen nicht bzw. viel zu wenig beforscht, weil es politisch nicht gewollt ist… Und es ist nicht gewollt, weil viele, sehr viele Reiche und ganze Länder (siehe die Öl exportierenden) dann bei einem „Systemwechsel“ ihre Einnahmequellen verlieren würden.
    Dass sie ebenfalls sterben und untergehen, wenn unser wunderschöner Planet immer weiter kollabiert, wird dabei gerne übersehen.
    Wir beide könnten hier bestimmt noch wochenlang diskutieren und es würde den Rahmen dieses Blogs garantiert sprengen…, insofern wünsche ich Ihnen nun alles Gute und danke nochmals für die vielschichtige Diskussion!
    MfG
    Ulrike

  10. Ich wollte eigentlich nichts mehr sagen. Aber ich verabschiede mich für einen kurzen Moment von der Freundlichkeit.
    Freie Energie und Magnetmotor?
    Das ist das Dümmste was ich seit längerer Zeit gehört habe.
    Das ist ungefähr so dumm, wie der Glaube an die große jüdische Weltverschwörung.

    Mit ungläubigen und verzweifelten Grüßen

    Stefan Mutz

  11. Hallo Herr Mutz,
    da habe ich ja wirklich Glück gehabt, dass Sie nicht geschrieben haben ICH sei dumm.. ;-).
    Sie und ich haben offensichtlich sehr verschiedene Einblicke in diese andere Materie.
    Sei’s drumm….auch das geht in Ordnung in diesem Multiversum und da wir uns mit Respekt begegnen und uns nicht virtuell die Köpfe einschlagen und nun auch nicht noch ein neues Thema anreißen wollen, verlasse ich diesen „Boxring“ …. 😉 …. und wünsche Ihnen alles Gute!
    MfG
    Ulrike

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.