Ab und zu ein gutes Steak…

 

… oder ein Stück reifen Rohmilchkäses aus regionaler Produktion – das schmeckt gut und ist ein aktiver Beitrag zum Schutz unserer Kulturlandschaften.

Wir stecken noch ziemlich tief im Sommerloch. Das merkt man daran, dass Meldungen im Netz herumgeistern, wonach sich der Zustand der „Titanic“ dramatisch verschlechtert habe. Das hätten neue Bilder von dem legendären Wrack bestätigt, das irgendwo 3 800 Meter unter der Wasseroberfläche des Nordatlantiks ruht. „Besorgnis erregende Bilder“, „schockierender Anblick“ usw.. Ich dachte eigentlich, es sei normal, wenn sich ein überwiegend aus Stahl und Holz gebautes Schiff nach mehr als einem Jahrhundert in eisigem Salzwasser langsam auflöst. Der Luxusliner war ja nicht aus unkaputtbaren Karbonfasern gezimmert wie Gretas Jolle.

Aber darum geht es mir eigentlich nicht. Ich möchte vielmehr ein Bekenntnis ablegen: Ich habe gesündigt, schwer gesündigt. Und mir fällt es nicht leicht,  hier offen darüber zu sprechen. Ich habe seit langer Zeit wieder ein Steak gegessen, ja ein Stück schieren Fleisches vom Rind. 200 Gramm, auf dem Holzkohlengrill perfekt „medium“ gegart, dazu kurz angebratene mediterrane Gemüse, Kräuterbutter, ein paar aromatische Dips und Süßkartoffelpommes. Letztere sind gerade sehr en vogue, aber sie schmecken hervorragend. Wie das Steak, ein Genuss!

Ich hatte ganz vergessen, dass Fleisch so gut schmecken kann. Und dachte an Greta, die jetzt irgendwo im Atlantik, vielleicht gar nicht so weit vom Grab der „Titanic“ entfernt, mit mutmaßlich veganer Astronautenkost Vorlieb nehmen muss. Oder wird die Crew der „Malizia“ von einem Begleitschiff auf offener See gecatert?

Ja, wie ein echtes Steak schmecken kann, war mir nicht mehr bewusst. Eigentlich seit jenem Tag vor ziemlich langer Zeit, als ich das letzte Mal zum Urlaub in Florenz weilte, der Heimat der berühmten bistecca alla fiorentina. Ich wollte diese Spezialität natürlich probieren und bekam einen riesigen, fast ungegarten Lappen serviert. Steinzeitdiät. Keine Soße, kein nichts. Gereicht wurden dazu nur Brot – und die Rechnung. Denn an der Tür warteten schon ein Dutzend andere Touristen, die sich den in jedem Führer empfohlenen Gaumenschmaus auch nicht entgehen lassen wollten. Seither habe ich um große Fleischstücke einen großen Bogen gemacht.

Aber jetzt dachte ich, dass man das Wagnis vielleicht wieder einmal eingehen könnte. Denn vielleicht gibt es ja bald kein Fleisch mehr oder es ist so teuer, dass man es sich nicht mehr leisten kann. Also bestellte ich mit Freunden in einer ordentlichen Wirtschaft im österreichisch-bayerischen Grenzgebiet ein Steak mittlerer Größe. 200 Gramm schwer, Es gab auch eine Version mit 150 oder mit 300 Gramm. 200 Gramm war genau die richtige Menge und es mundete göttlich.

Hernach plauderten wir noch ein wenig mit der netten Wirtin, die uns berichtete, dass sie von einer möglicherweise Klima oder Greta Thunberg bedingten Zurückhaltung bei ihren Gästen in punkto Fleischgenuss rein gar nichts bemerken könne. „Die Leute bestellen Fleisch ohne Ende“, so ihr O-Ton. Oder Fisch, der auf der Karte auch reichlich vertreten ist. Schöne Saiblinge und Forellen aus dem, eigenen Kalter, dazu regelmäßig Thunfisch, Calamares, Scampi und Jakobsmuscheln. Meeresgetier in einem alpinen Restaurant, wo es heimischen Fisch zuhauf und in bester Qualität gibt, lehne ich ab.

200 Gramm Rindfleisch sind natürlich klimamäßig kein Pappenstiel. Wenn ein Kilogramm Rindfleisch mit 36 Kilogramm Kohlendioxid zu Buche schlägt, hätten wir also pro Person, Beilagen nicht mitgerechnet, zwischen sieben und acht Kilo CO2 auf dem Gewissen. Damit käme man, wenn ich richtig gerechnet habe, mit dem Auto rund 50 Kilometer weit.

Nicht die Welt das, aber streng genommen zu viel. Auf der Speisekarte fand sich leider kein Hinweis, wie man die Klimabelastung des Steaks kompensieren könnte. Einen Button „Fleisch kompensieren“ gibt es auch nicht bei Atmosfair, aber man kann eine Wunschmenge des Klimakillers ausgleichen. Mindestbeitrag sind 6 Euro, dafür bekomme ich 260 Kilo CO2 gutgeschrieben, macht über 30 Steaks. So viel esse ich im Leben nicht.

Ich bin übrigens weit davon entfernt, mich über die Probleme übermäßigen Fleischgenusses lustig zu machen. Mit dem Tierschutz liegt es, wie die Razzien in Allgäuer Bauernhöfen zeigten, immer noch viel zu oft im Argen und wenn wegen des ungebremsten Soja-Anbaus jetzt die Wälder in Brasilien brennen, beunruhigt mich das. Ich handele schon seit Jahrzehnten nach der Devise: wenig Fleisch, dafür Gutes. In Lokalen, in denen ich nicht weiß, wo das Fleisch herkommt, rühre ich keinen Brocken an.

Und ich werbe gerne für meine Lebensweise und hoffe, dass sie Nachahmer findet. Ich bin auch sehr dafür, die EU-Agrarpolitik, die den Billigfleischwahnsinn wesentlich zu verantworten hat, grundlegend zu reformieren. Aber bis es soweit kommt, versöhnen sich Söder und Seehofer oder Trump und Merkel. Also nie.

Trotzdem halte ich von der Forderung, vegan zu leben oder die Fleischproduktion gleich ganz und weltweit einzustellen, überhaupt nichts. Natürlich könnte man die wunderschönen Almen in Oberbayern und anderswo aufforsten, wenn es keine Rinder mehr gäbe. Aber dann würden die wenigen Touristen, die es dann noch hierher zieht, in einem dunklen Söderschen Klimawald spazieren gehen müssen, ganz ohne Aussicht auf die wunderbaren Berge, ob  mit oder ohne Gletscher.

Und die ehemaligen Bergbauern in den künftigen alpinen Notstandsregionen säßen mit ihren verarmten Familien wieder um einen Topf Buchweizengrütze herum, in den sie abwechselnd den Holzlöffel eintauchten, um nicht zu  verhungern. Und soll man Jahrhunderte alte Kulturgüter wie Thüringer Rostbratwürste, Rheinischen Sauerbraten oder hessische Ahle Wurst, die man gerade im Zuge der Förderung regionaler Spezialitäten mühsam wieder belebt hat, einfach so beerdigen? Von französischen Bresse-Hühnern und anderen Köstlichkeiten in unserem verfressenen Nachbarland ganz zu schweigen.

Ach LeutInnen, VeganerInnen, FFFlerInnen, KlimaaktivistInnen und Greta-JüngerInnen und sonstige Binnen-I-lerInnen, lebt wie Ihr möchtet und lasst die anderen leben, wie sie möchten!  Ich werde mir jetzt öfter mal wieder ein Steak gönnen und werde dabei Bolsonaro einen schlechten Mann sein lassen. Nicht, um Euch zu ärgern. Sondern weil es mir schmeckt.

4 Gedanken zu „Ab und zu ein gutes Steak…“

  1. Für Qualzufügung und Töten darf es keine Toleranz geben. “Wesentlich ist nicht die Zahl der Beine, die Behaarung, oder Farbe der Haut (…) Ein erwachsenes Pferd, ein Rind, oder ein erwachsener Hund sind weitaus verständiger als ein Kind, das eine Tag eine Woche, oder sogar einen Monat alt ist. Doch selbst wenn das nicht so wäre, was würde das ändern? Die Frage ist nicht, können sie denken oder sprechen, sondern – können sie leiden ?“ (Jeremy Bentham (1748-1832)

    Die Meinungsäußerung von Georg Etscheit ist ein Musterbeispiel , wie man mit leidenschaftlicher Hingabe und selbstherrlich aufgepfropfter Einzigartigkeit sein menschliches Tun einer persönlichen Suchtbefriedigung nach Fleisch – ohne auf die Fakten bei der „Fleischherstellung“ einzugehen – darstellen, bzw. anthropozentrischen Interessen unterordnen, kann.

    Man muß hierbei nicht mal Bosheit, oder Dummheit unterstellen – wo sich auch blanke, unbeherrschte Fleischesgier als entlastende Erklärung anbietet.
    So oder so ist es aber ein Armutszeugnis menschlichen Denkens.

    Heute als aufgeklärter Mensch Fleischessen mit animalischen Argumenten zu verteidigen, ist ein archaisches Tun, das nur Beutegreifern zusteht, denn einem Tiger kann man schwer zumuten seine Ernährung umzustellen und Gras, Salat oder vegetarische Alternativen zu fressen.

    Der Mensch als Dornen-Krone der Schöpfung hat aber seinen Kopf nicht nur auf den Schultern, damit es ihm nicht in den Hals regnet – sondern auch zum Denken. Um infolge dann gut/böse, richtig/falsch, ethisch oder unethisch zu handeln.

    Die Ungeheuerlichkeit ihres Tuns ist den Menschen hier offenbar gar nicht bewusst. “Das wurde früher so gemacht und ist heute halt immer noch so”, argumentiert man entschuldigend.
    Die einen, „Haustiere“, streicheln, die andern, sogenannte „Nutztiere“, fressen ? Meint man etwa Schweine, Rinder, Hühner leben weniger gerne als Katzen und Hunde ?
    Früher hat man teils auch bei uns Hunde gegessen – heute nicht mehr. Früher hielt man sich ganz selbstverständlich Sklaven oder Leibeigene. Es gab das Recht der “ersten Nacht” für den Herrn seiner Magd, man hackte Dieben die Finger ab, oder ließ sie im Kerker verhungern. Heute tut man das alles nicht mehr – wie es auch viele frühere andere Schrecklichkeiten heute glücklicherweise nicht mehr gibt.

    Weshalb (fr)isst Mensch dann noch Fleisch ? Es ist absolut unverständlich warum Ewiggestrige heute noch auf das Konsumieren von Tierkadaverteilen bestehen- und dabei Hornhaut auf ihrem Empathieempfinden wuchern lassen. Tja eben, „weil es mir schmeckt“, wie Etscheit mit großer Unbescheidenheit ganz offen egoistisch dem Leser offeriert.-

    “ Fleisch ist kein notwendiger Bestandteil der menschlichen Ernährung.(…) Der Verzicht auf dieses Nahrungsmittel stellt keine unzumutbare Beschränkung der persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten dar.” Diese weisen Erkenntnisse stammen nicht etwa aus einem Vegetarierhandbuch. Sondern, man höre und staune – es sind Zitate die im Zusammenhang mit dem Schächten von Tieren, schwarz auf weiß in den Urteilsbegründungen des Oberverwaltungsgerichts Hamburg (Az. OVG Bf III 42/90 vom 14.09.92 ) und dem Bundesverwaltungsgericht Berlin (Az. 3 C 31.93 vom 15.06.95)
    nachzulesen sind.

    Tierquälerei schmerzt dich unsäglich?
    Und isst doch deinen Braten täglich?
    Fleisch zu essen ist im Grund
    ja weder nötig noch gesund.
    Doch liebt´s der Mensch sich zu ruinieren
    samt seiner Umwelt und den Tieren.
    (Wolf Martin – Kronenzeitung 04.11.1989)

  2. Immer wieder ein Genuss die bissigen und richtigen Kommentare des Herrn Dittmann zu lesen! Schönen Sonntag trotzdem, an dem in Spanien wieder Hunderte Stiere zu Tode gequält werden. Der Zweibeiner ist wirklich eine Pestbeule auf dieser Welt- von Ausnahmen abgesehen- die ,so scheint es- zum Glück immer mehr werden.

  3. Ich stimme Herrn U. Dittmann vollkommen zu.
    Wer Fleisch fressen will sollte das Tier selbst ermorden. Auch muss er Schlachthäuser besuchen und zusehen wie die armen Tieren gequält werden bevor sie endlich sterben können. Ebenfalls sollte er beim grauenvollen Schächten zusehen. Möglich dass er danach Veget./Veganer wird !
    Nicht zu vergessen die qualvolle Haltung der „Nutztieren“ welche ich persönlich nicht so nenne, weil es fühlende Wesen sind genau so schlau wie Hund oder Katze.

  4. Ich sag’s mit den Worten anderer, nach denen ich selbst lebe. Die beste Entscheidung meines Lebens war die, Veganer zu werden. Und wir sind Gourmets, Vegan-Gourmets.
    „Gegenüber dem Tier ist der Mensch ein Gewohnheitsverbrecher. –
    Die Speisekarte – das blutigste Blatt, das wir schreiben. –
    Eine Gesellschaft, die Schlachthäuser und Schlachtfelder verkraftet, ist selber schlachtreif.“
    Karlheinz Deschner, 1924-2014
    „Die Antispeziesisten argumentieren damit, dass Tiere ein Bewusstsein haben und leiden können. Könnte man die Tiere fragen, würden sie es ablehnen, in den Schlachthof zu gehen. Die Tiere haben kein Interesse für Menschen zu sterben. Sie haben auch kein Interesse, eingesperrt zu sein, oder zwangsgeschwängert zu werden, oder sich ihren Nachwuchs wegnehmen zu lassen. Pferde, Kühe und Schweine leiden sichtbar, wenn man ihnen ihre Jungen nimmt – also die sog. pathozentrische Ethik.
    Antispeziesisten lehnen nicht nur den Fleischkonsum, sondern jede Verwertung von Tieren – z.B. auch die qualvolle Milchproduktion ab. Auch Biolandwirtschaft ist keine Lösung. Für die Menschen ist das ganz nett, aber für die Tiere steht am Wende der Weg zum Schlachter.“
    Prof. Dr. jur. W. Karnowsky
    „Das Recht auf Leben beruht in keiner Weise auf dem Wert, den dieses Leben für andere hat … Tiere haben das Recht zu leben, weil ihr Leben wertvoll für SIE ist.“
    Will Kymlicka

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.