Die Heimat lebenswert machen

Gastbeitrag von Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg anlässlich des 50 jährigen Bestehens des Naturpark Steinwald.

Gurgelnde Bäche, geheimnisvolle Felsen, alte, auch tote Bäume, große und kleine Teiche – das und vieles mehr finden Sie im Naturpark Steinwald. Solche Juwele halbwegs intakter Natur kommen in unserer dicht besiedelten und von Menschen gestalteten Kulturlandschaft nicht mehr oft vor. Schutz durch behutsame Nutzung ist die Devise. Gegenseitige Rücksichtnahme statt egoistischer Ausbeutung.

Wenn sich seltene Tiere wohl fühlen, erhöht das den ideellen Wert einer Region. Rothirsch, Luchs, Wildkatze, Biber, Fischotter, Seeadler, Fischadler, Uhu, Habichtskauz, Schwarzstorch, Kreuzotter, Flussperlmuschel – viele dieser Tiere sind woanders verschwunden, bei uns leben sie noch. Allein das Wissen um die Existenz dieser Geschöpfe macht einen Besuch im Naturpark Steinwald spannend.

Weitsichtige Menschen haben vor 50 Jahren, im Jahr 1970, der Region um den Steinwald mit dem Prädikat Naturpark einen wertvollen Status verliehen. Das Ziel eines Naturparks ist ja eigentlich ein Spagat, und zwar zwischen der Förderung des Fremdenverkehrs und dem Schutz der Natur. Wir wollen beides, denn so kommen wir unserem Ziel näher: Die Heimat lebenswert machen – für Einheimische und Fremde.

Artenvielfalt ist zur Zeit in aller Munde und die Vielfalt der Arten ist im Steinwald besonders hoch. Das konnte alles nur entstehen, weil verantwortungsbewusste Grundbesitzer, kommunal, staatlich und privat, den ihnen anvertrauten Grund und Boden pfleglich und nachhaltig behandelt haben. Schon vor Jahrzehnten haben sie die Schönheit und Einmaligkeit des Steinwaldes erkannt und allen Versuchungen widerstanden, durch harte Eingriffe in die Natur vielleicht mehr Geld verdienen zu können.

Die landschaftliche Schönheit unserer Region ist unsere große Chance für die Zukunft. Wir sind gut beraten, das zu erkennen, also die Heimat zu bewahren und zu schützen. Die Qualität des Lebens auf dem Land ist wunderbar, das hat die aktuelle Corona-Krise wieder deutlich gezeigt.

Doch wir Landbevölkerung sind eine kleine Minderheit von nur 16 % der deutschen Bürger und viele in der großen Mehrheit der urbanen Bevölkerung sehen im Land eine Spielwiese, um ihre Ideale umzusetzen. Diese Ideale sind unter vielen anderen der Kampf gegen den Klimawandel, der in der Folge die sog. erneuerbaren Energien hervorbringt.

Die Irrwege der heutigen Klimapolitik zerstören nicht nur landschaftliche Schönheit und beschädigen damit die Zukunft unserer Heimat, sie sind auch ein gewaltiger Motor des Verlustes an Artenvielfalt. Windräder, Biogasanlagen, Solar- und Fotovoltaikparks können Naturlandschaften in Industriegebiete verwandeln, ästhetisch und ökologisch.

Die Mehrheit der Städter bestimmt über das Landleben. Aber nicht nur die deutsche Klima-Rettungs-Politik zwingt der Minderheit der Landbevölkerung Nachteile auf, wir müssen auch beachtliche Fehlentscheidungen der Europäischen Agrarpolitik hinnehmen. Deren Folgen sind häufig  Feld-Wüsten und wir dürfen uns nicht wundern, wenn dann Arten aussterben, und zwar auch ganz ohne ein sich wandelndes Klima.

Also genießen wir zwar die Qualität unseres Landlebens, müssen aber zuschauen, wie andere sie beschädigen wollen. Klimawandel und Agrarpolitik belasten mit unterschiedlichen Etiketten unsere landschaftliche Schönheit. Damit gefährden beide unsere Zukunft.

Selbstverständlich wehren wir uns dagegen. Wir wollen ja eine lebenswerte Heimat. Seit 1970 bietet nun das Prädikat Naturpark einen gewissen Schutz. 50 Jahre erfolgreich zum Wohl unserer Heimat. Ich wünsche mir, dass es so bleibt und keine pseudo-ökologischen, wirtschaftlich und ideologisch motivierten Verlockungen die Schönheit des Steinwaldes ruinieren.

Und Ihnen wünsche ich erholsame Stunden in unserer wunderbaren Natur! Genießen Sie den Steinwald und die Faszination der seltenen Tiere. Nehmen Sie Rücksicht, dann ist ein konfliktfreies Nebeneinander von Erholung, Artenvielfalt und der landschaftlichen Schönheit unserer Heimat gesichert.

Zur Person

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (Jahrgang 1957) bewirtschaftet in Nordbayern einen größeren Privatwald. Seit Jahrzehnten widmet er sich dem Naturschutz. Er ist ehrenamtlicher Vorsitzender des Naturpark Steinwald e. V. und Beirat im Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e. V. (VLAB).

 

3 Gedanken zu „Die Heimat lebenswert machen“

  1. In der Tat ein hervorragender Beitrag. Ich persönlich halte es für unglaublich wichtig, dass sich möglichst viele Menschen für den Erhalt unserer traumhaften Natur interessieren. Ich habe wirklich gemerkt, dass dieser Beitrag mit Leidenschaft und mit Erfahrung verfasst worden ist. Genau das brauchen wir, um gemeinsam unseren Planeten zu retten. Oder kleiner gesagt, um die heimischen Arten zu erhalten. Dann Landwirtschaft breitet sich immer mehr aus. Nur wenn dabei auch Rücksicht auf die Natur genommen wird, können die Arten erhalten bleiben. Vielen Dank für diesen schönen Beitrag! Hier lese ich wahrlich immer sehr gerne.

  2. Ich finde den Umweltgedanken sehr wichtig. Vor allem seid ich selbst Mutter bin. Bei meiner Recherche über die Energiewende bin ich auf das Max Plank Institut gestoßen. Das Institut unterstützt interessante Projekte um die Energiewende voran zu treiben. Wer sich informieren möchte, sollte hier reinschauen https://cec.mpg.de/projekte/forschungsprojekte/

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